2798,55 Kilometer in 24 Stunden

Bei der 18. Ausgabe des Marathon-Schwimmens im Hallenbad Mühlacker gehen die Teilnehmer bis an ihre Grenzen

Von Sofie Bloss Erstellt: 13. Mai 2019, 00:00 Uhr
2798,55 Kilometer in 24 Stunden Ob Rücken, Freistil oder Brust: Beim 24-Stunden-Schwimmen haben die Teilnehmer ganz unterschiedliche Techniken, um auf ihre Kilo-Meter zu kommen. Foto: Fotomoment, Bloß (3)

Auch wenn die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren zurückging, stieg die durchschnittliche Leistung der Athleten an. Das DLRG-Team Mühlacker rund um Moritz Speidel und Tobias Reister zeigte sich am Samstagabend nicht nur zufrieden mit den beachtlichen Leistungen der Teilnehmer, sondern auch mit dem Ablauf der Veranstaltung.

Mühlacker. Von dem Trend, dass immer weniger Kinder in Deutschland schwimmen können, zeigte sich zumindest beim diesjährigen 24-Stunden-Schwimmen der DLRG Ortsgruppe Mühlacker nichts. Im Gegenteil: Auf durchschnittlich 8,23 geschwommene Kilometer kamen die 93 gestarteten Kinder und Jugendlichen. Das da der Sprung zu den Erwachsenen, bei denen 168 Teilnehmer durchschnittlich je 12,1 Kilometer schwammen, gar nicht so groß ist, dürften die Veranstalter wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Insgesamt sprangen beim diesjährigen Senderstädter Schwimm-Marathon 261 Teilnehmer ins kühle Nass und konnten von Freitag auf Samstag 2798,55 Kilometer abreisen.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich der teilnehmerschwindende Trend auch heuer, so starteten vergangenes Jahr noch 294 Schwimmer mit durchschnittlich 10,51 Kilometern, was nun (10,72 Kilometer) leicht überboten wurde. ,,Wir hoffen, dass nächstes Jahr wieder mehr Teilnehmer dabei sein werden“, blickt der erstmals für die Gesamtleitung zuständige Moritz Speidel aufs kommende Jahr, für das er nach der Feuerprobe in diesem Jahr wohl wieder die Gesamtleitung übernehmen wird. Mit als Grund für den Teilnehmerrückgang sieht Tobias Reister, der die Großveranstaltung maßgeblich mit initiierte und bis 2018 geleitet hat, den parallel stattfindenden Ensinger Laufcup.

Teilgenommen haben aber doch letztendlich viele, denn das traditionelle Schwimmevent bietet Chancen für jeden: egal ob gemütlicher Gelegenheitsschwimmer, ambitionierter Hobbyschwimmer oder sportlicher Wettkampfschwimmer. Durch die Einteilung der Bahnen in verschiedene Geschwindigkeitsstufen kamen sich die Teilnehmer nicht in die Quere, so dass es bis zum Ende um Punkt 18 Uhr weder größere Verletzungen noch Beschwerden gab. Teilgenommen haben auch dieses Jahr wieder alte Bekannte, wie die diversen DLRG-Ortsgruppen von Mühlacker, Pforzheim, Waghäusel und Bötzingen bei Freiburg. Indes konnten die Teilnehmer ein internationales Flair verspüren: Ein Teilnehmer kam extra aus der Schweiz in die Senderstadt, um dem besonderen Event beizuwohnen. ,,Das Besondere ist die Atmosphäre. Wann hat man sonst die Möglichkeit, nachts im Schwimmbad zu schwimmen und seine eigenen Grenzen so auszutesten“, fasst Speidel den Reiz des Marathon-Schwimmens zusammen. Die Beleuchtung des Beckens bei Dunkelheit, ein neues Soundsystem im Hallenbad, am Beckenrand Ansammlungen von Trinkflaschen, Flüssignahrung, Snacks oder gar ganze Vesperdosen gehörten ebenso zum Bild wie auf den Bänken schlafende Schwimmer oder im Becken die Bahn für Bahn ziehenden Athleten. Im Foyer sorgte während des Rennens eine Leinwand mit der Ergebnisübertragung für gebannte Blicke. ,,Es ist mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander“, geht Speidel weiter auf die Besonderheit des Events ein. Auch wenn beim Kampf um das Podest der Ehrgeiz immer mitspiele, stehe das faire Messen an erster Stelle. Und dass die geleisteten Ergebnisse durchaus beachtlich sind, zeigte sich bei der Siegerehrung. So sorgte die 15-jährige Cora Heidenreich mit der längsten Strecke der Kinder und Jugendlichen (39,7 Kilometer) nicht nur für ein respektvolles Raunen bei den Zuschauern, sondern auch für die Bestleistung aller weiblichen Teilnehmer. Mit dieser Distanz half sie ihrer Familie Heidenreich zum ersten Platz, die insgesamt 104,5 Kilometer zurücklegte und großen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten hatte. Die längste Strecke der männlichen Jugend erreichte Lars Debré mit glatt 26 Kilometern. Als älteste Teilnehmer konnten Wilhelm Kretz, der im Alter von 75 Jahren 4,4 Kilometer absolvierte, und Maria Lutz, die mit ihren 87 Jahren auf 2,5 kam, geehrt werden. Jüngste Teilnehmer waren Marc Indlekofer, der mit sieben Jahren 2,1 Kilometer erreichte, und die fünfjährige Clara Zimmer, die als „Küken“ 300 Meter schwamm. Bei den Erwachsenen erreichte Angela Aydt (38,4 Kilometer) den ersten Platz, wohingegen es bei den Männern mit 50,95 Kilometern ,,nur“ auf Platz drei (Olaf Walther) reichte. Martin Wunnerlich kam nach 55,7 Kilometern auf Rang zwei, vor ihm avancierte Marius Renner von den Wasserfreunden Mühlacker mit 59050 Metern zum diesjährigen Rekordhalter. Der Maulbronner verpasste damit knapp den Gesamtstreckenrekord, was „nach einer Revanche nächstes Jahr ruft“, wie Tobias Reister bei der Siegerehrung meinte. Zum Schluss seien seine Beine schon ,,ein wenig schummrig“ gewesen, so der Athlet, doch „mittlerweile geht es wieder“, so Renner. In der Mannschaftswertung widerlegte das elfköpfige Team ,,Warmduscher“ eine wortwörtliche Auslegung ihres Teamnamens; mit insgesamt 309,65 Kilometern konnten sie den Siegerpokal entgegen nehmen.

Dass am Ende alles gut geklappt hat, es weder große Aufregungen oder Ungereimtheiten gegeben habe, sei in erster Linie den zahlreichen Helfern zu verdanken, ist sich das Veranstaltungsteam um Reister und Speidel einig. Einen Schwimmwettkampf auf die Beine zu stellen, bedürfe schon viel Organisationsgeschick, doch dieses Rennen auf ganze 24 Stunden auszudehnen, das sei dann doch noch einmal eine ganz andere Nummer. Kein Wunder, dass Speidel nur drei Stunden geschlafen habe, wobei er es sich nicht ließ, selbst auch die eine oder andere Runde im Wasser zu drehen.

Dass die Gegebenheiten in Mühlacker für eine Veranstaltung dieses Formats geeignet ist, sah man am Ende des Tages nicht nur an den vielen glücklichen und erschöpften Gesichtern. „In Zeiten des Bäderschwunds sind wir hier in Mühlacker um unser Freibad und das Hallenbad wirklich dankbar“, stellte Reister bei der Siegerehrung fest.

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