3 D – Drüber, Drunter, Drin

Mittrainiert: Mit dem VfS Maulbronn-Diefenbach im Bogenparcours Nassach fühlt sich MT-Reporterin Julia Klassen wie Robin Hood

Von Julia Klassen Erstellt: 8. September 2018, 00:00 Uhr
3 D – Drüber, Drunter, Drin Der erfahrene Schütze Thomas Schwarz ist gespannt, ob Julia Klassen das Ziel trifft.

Mit Pfeil und Bogen durch den Wald ziehen – das ist der Traum vieler Jungen und Mädchen. Aber auch für Erwachsene bietet ein 3-D-Bogenparcours jede Menge Spaß und sportliche Herausforderung. Er erfordert Kondition und Zielsicherheit. Julia Klassen hat in beiden Kategorien noch Luft nach oben.

Maulbronn. Plötzlich steht da ein Bison, mitten im Wald. Es regt sich nicht. Ich lege einen Pfeil in meinen Bogen, spanne die Sehne und lasse los. Der Pfeil saust kerzengerade nach vorne und trifft den Bison in die Brust. „Ein Kill“, ruft Thomas Schwarz erfreut. Aber keine Sorge – es wurde niemand verletzt. Das Tier ist zum Glück nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Schaumstoff und Plastik. Beim 3-D-Bogenschießen geht es darum, solch tierische Ziele aus unterschiedlichen Entfernungen zu treffen, am besten dort, wo beim lebenden Objekt Herz und Lunge sitzen würden – das nennt man dann einen „Kill“. Dass ich bereits im ersten Versuch einen Kill geschafft habe, nenne ich Anfängerglück.

Mit der Bogenabteilung des VfS Maulbronn-Diefenbach bin ich im 3-D-Bogenparcours in Spiegelberg-Nassach unterwegs. Die Schützen fahren regelmäßig zum Training hierher. „Das ist Wandern mit Pfeil und Bogen“, schwärmt Thomas Schwarz, der schon auf etlichen internationalen und deutschen 3-D-Meisterschaften erfolgreich war. Der VfS Maulbronn-Diefenbach gehört zu den besten Vereinen Deutschlands im Bogensport. Aktuell stellt der Verein national drei deutsche Meister, drei Vizemeister und drei Drittplatzierte. Auch auf europäischer Ebene belegen die VfS-Schützen regelmäßig vordere Plätze. Die 15-jährige Charlotte Loistl zum Beispiel wurde in diesem Jahr Vize-Europameisterin im 3-D-Schießen.

Davon bin ich so weit entfernt wie manche der 28 Ziele, die es im Bogenparcours Nassach zu treffen gilt. Dafür geht es rund drei Kilometer durch den Wald. Und das ist noch harmlos. „Wir waren bei einer Meisterschaft mal 28 Kilometer unterwegs, das geht dann auch an die Kondition“, erzählt Thomas Schwarz. Geschossen wird mit einem Recurvebogen ohne Visier. Pro Ziel hat man drei Pfeile. Ein Kill mit dem ersten Pfeil gibt 20 Punkte, wer den Körper trifft, bekommt 16 Punkte, wer mehr als einen Pfeil für seinen ersten Treffer benötigt, entsprechend weniger.

Ich packe meinen Bogen, ziehe meinen Pfeil aus dem Bison, stecke ihn in meinen Köcher und fühle mich ein bisschen wie Robin Hood, als ich so durchs Dickicht stapfe. Robin Hood allerdings war, das ist bekannt, äußerst zielsicher. Ich hingegen scheitere inmitten meiner grenzenlosen Bison-Glückstreffer-Anfangseuphorie gleich am nächsten Tier. Ein nahezu mikroskopisch kleiner Biber, man sieht ihn kaum, sitzt meilenweit entfernt und wartet auf meinen Schuss. Alle drei Pfeile rauschen an ihm vorbei. Eine Nullrunde. Robin Hood würde sich im Grabe umdrehen. Doch Thomas Schwarz muntert mich auf. Das passiere jedem Mal, behauptet er – und setzt seinen Schuss direkt ins Kill.

Beim Krokodil scheint sich das Biber-Desaster zu wiederholen. Der erste Schuss geht drüber, der zweite drunter. Thomas Schwarz stellt sich zu mir und korrigiert meine Haltung. Und siehe da: Der dritte Pfeil ist tatsächlich drin. Thomas Schwarz lacht: „Drüber, Drunter, Drin – das ist 3-D-Schießen.“ Die Wanderung geht weiter. Es ist wunderbar ruhig im Wald und ich glaube Thomas Schwarz sofort, wenn er sagt, dass er beim Bogenschießen am besten entspannen kann. Immer wieder tauchen wie aus dem Nichts Tiere auf. Manche muss man erst suchen, andere, wie ein großer Hirsch, der majestätisch aus einer Höhle herausblickt, springen einem direkt ins Auge. Ich treffe den Hirsch, das sei nur nebenbei erwähnt, nicht. Dafür einen Waschbären, einen Frosch, einen Adler, ein Reh und einen Dachs. Mit der Zeit lässt allerdings meine Konzentration nach. „Das ist das größte Problem bei unserem Sport. Man muss die Konzentration über Stunden hochhalten“, sagt Thomas Schwarz. Auch mein rechter Arm verliert so langsam seine Kraft. Das Spannen der Sehne fällt mir immer schwerer. Nach drei Stunden haben wir es geschafft. Den letzten Hasen habe ich übrigens leben lassen. Siebenmal aber traf mein Pfeil direkt ins Kill, am Ende habe ich 216 Punkte erreicht und lasse mir sagen, dass das für einen Anfänger ziemlich gut ist. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, Robin Hood wäre es bestimmt auch – oder doch nicht? Fast meine ich, ihn aus der Ferne ganz leise kichern zu hören.

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