Ispringer Fehlstart entscheidet das Finale

Trotz 13:11-Erfolg im Rückkampf ist Germania Weingarten zum dritten Mal Deutscher Mannschaftsmeister im Ringen

Von Gernot Otto Erstellt: 16. Januar 2017, 00:00 Uhr
Ispringer Fehlstart entscheidet das Finale Der Jubel beim KSV Ispringen fällt nach dem verlorenen Finale verhalten aus, obwohl der Verein erstmals in seiner Geschichte deutscher Vizemeister ist. Foto: Rubner

Die Ringer des KSV Ispringen haben ihren erste Deutsche Mannschaftsmeisterschaft knapp verpasst. Nach der 9:13-Niederlage im Hinkampf bei Germania Weingarten genügte ein 13:11-Erfolg als Gastgeber im Rückkampf nun nicht, das Blatt noch zu wenden. Stattdessen feiert der Lokalrivale seinen dritten Titel.

Ispringens Aleksandar Maksimovic (in Rot) leistet gegen Weingartens Frank Stäbler viel Widerstand, unterliegt nach 2:0-Führung dann doch mit 2:3.Ispringens Aleksandar Maksimovic (in Rot) leistet gegen Weingartens Frank Stäbler viel Widerstand, unterliegt nach 2:0-Führung dann doch mit 2:3.

Pforzheim. „Jetzt ist Schluss mit Vize“, hatte Frank Heinzelbecker (47), Trainer von Ringer-Bundesligist SV Germania Weingarten, vor der Saison gefordert und nach Ausscheiden des KSV Aalen 05 aus dem Titelrennen offen mit dem Gewinn des Meistertitels geflirtet. Gegen den mittelbadischen Rivalen KSV Ispringen wurden in der Pforzheimer Bertha-Benz-Sporthalle vor 2000 Besuchern denn Hoffnungen und Wünsche des Coaches sowie einer großen Anhängerschar Realität: Nachdem die Germanen den Vorkampf mit 13:9 zu ihren Gunsten entschieden hatten, ebnete ihnen in der Goldstadt eine 11:13-Niederlage gegen die Kämpfelbachtaler den Weg zum dritten nationalen Championat nach 2011 und 2012.

Bereits nach dem vorletzten Gefecht zwischen Ispringens beachtlich auftretenden Aleksandar Maksimovic (75 Kilogramm, Griechisch-Römisch) gegen Weingartens Weltmeister Frank Stäbler, welches der Germane glücklich mit 1:0 Punkten zu seinen Gunsten entschieden hatte, stürmten Weingartens Akteure und Verantwortlichen auf die Matte, um die in trockenen Tüchern befindliche Meisterschaft zu feiern. Mächtig an den Nerven fast aller Beteiligten gesägt hatten Erwartungen und der Verlauf des zweiten Finalduells, in dem die Vorentscheidung früh eingeläutet worden war.

Bereits in den ersten beiden Kämpfen erfüllte Lokalmatador Ibrahim Fallacara (57kg, G) gegen Weingartens Thomas Rönningen sowie Ispringens superschwerer Freistilspezialist Nick Matuhin – trotz annährend 30 Kilogramm Gewichtsvorteil – gegen Magomed Nurov mitnichten die Erwartungen von KSV-Trainer Bernd Reichenbach und vor allem Ispringens Vorsitzenden Werner Koch. Im gegnerischen Lager indessen bezeichnete Heinzelbecker den klaren 3:0-Erfolg Rönningens sowie die (nur) 0:1-Niederlage Nurovs als Schlüssel zum Triumph. „Unsere ersten beiden Kämpfer waren die Matchwinner“, bewertete der Weingartener Coach die erfolgreiche Ouvertüre.

Ispringen hadert mit dem Mattenleiter

Bis zur Halbzeit des Finales transportierte denn auch noch Weingartens Routinier Ionut Panait (66kg, G) bei seinem klaren 3:0-Sieg über Muhammed Yasin Yeter drei wichtige Zähler aufs Gäste-Punktekonto. Mehrfach in die Kritik bei den Ispringern geriet im Endkampf indessen Mattenleiter Michael Faller aus Neuss, der zweimal durch Antonio Silvestri, den Leiter des Kampfgerichtes, korrigiert werden musste. Er habe die Einheimischen bisweilen grundlos als zu passiv bewertet. „Mit Silvestri hätten wir das Finale gewonnen“, war Kochs Einschätzung.

Nach dem 6:6 bei Halbzeit war beim KSV Ispringen dessen Ersatzmann David Wagner (66kg, Freistil) dazu auserkoren worden, um gegen den überragenden Germania-Griffkünstler Alejandro Valdes Tobier das „Opferlamm“ zu verkörpern: So erwartet der Kubaner die vier Punkte für den Meister einfuhr, so unerwartet kam die Steigerung von Lokalmatador Michael Kaufmehl (86kg, F) gegen William Harth, der mehrmalige Deutsche Meister in Trainer Bernd Reichenbachs Equipe wandelte einen 0:3-Rückstand noch in eine 4:3-Wertung für Ispringen um.

Im spannenden Finale der beiden 75-Kilogramm-Gefechte leistete in der klassischen Stilart KSV-Kämpfer Maksimovic dem favorisierten Frank Stäbler zunächst prächtigen Widerstand, ging gar mit 2:0 in Führung, um dann indessen vom Weltmeister noch mit 2:3 abgefangen zu werden. 11:9 führten nach dieser Auseinandersetzung die Germanen und hatten sich damit schon den Meisterlorbeer umgehängt.

Trainer Reichenbach verlässt den Vizemeister

Der Schultersieg von Ispringens Ass Kakhaber Khubetzthy im abschließenden Duell des Abends nach 2:04 Minuten gegen Georg Harth vermochte die Triumphgesänge des zahlreich vertretenen Weingartener Anhangs in gar keiner Weise zu beenden. Im Lager des neuen deutschen Champions war denn auch bis in die frühen Morgenstunden am Sonntag eine Titelsause in heimischer Halle angesagt.

Bei Verlierer KSV Ispringen klopfte sich Vorsitzender Werner Koch an die Brust. Er habe versäumt, die Truppe vor dem Kampf per Ansprache nochmals entscheidend zu motivieren. Bernd Reichenbach (53), Trainer des Vizemeisters, wollte keine Einzelkritik vornehmen, verabschiedete sich indessen nach hohem Engagement bei den Ispringern in eine schöpferische Pause. Er wird bereits als künftiger Trainer von TuS Adelhausen gehandelt; Alen Kovacevic (28), der sportliche Leiter wird seine Arbeit im Kämpfelbachtal beenden.

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