Der Ersatzmann läuft zur Hochform auf

Ölbronns Radballer vergrößern beim Heimspieltag in der Landesliga den Abstand zu den Abstiegsplätzen

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 26. Januar 2015, 00:00 Uhr
Der Ersatzmann läuft zur Hochform auf Erfolgreiche Eckbälle sind an diesem Abend eine Spezialität von Ölbronn I: German Dürrwächter (im roten Trikot, li.) schlenzt den Ball an, Timo Häußermann vollendet artistisch. Foto: Eigner

Positiv fällt die Bilanz des RMSC Ölbronn nach dem Heimspieltag in der Radball- Landesliga aus. Team Ölbronn I bestreitet mit drei Siegen aus vier Spielen einen überraschend erfolgreichen Samstagabend. Beim zweiten RMSC-Team läuft es zwar weniger rund, dennoch gibt es letztlich Grund aufzuatmen.

Ölbronn-Dürrn. Vier Matches, drei Siege – mit einem so positiven Verlauf des Spieltages haben German Dürrwächter und Timo Häußermann nicht gerechnet. Eigentlich bildet Dürrwächter mit Ralf Burger das Team Ölbronn I, doch der Partner ist erkrankt. Also ist Timo Häußermann kurzfristig eingesprungen, der das Radballspiel eigentlich schon aufgegeben und in jüngster Zeit gar nicht mehr trainiert hat. Doch an der Seite des erfahrenen Dürrwächters läuft der 30-jährige Ersatzmann zur Hochform auf, pariert als Torhüter selbst stramme Schüsse mit blitzschnellen Reflexen. Einen Ball lenkt Häußermann gar mit der Stirn über die Querlatte. In einem der Matches gelingt ihm das Kunststück, den Ball zu fangen und sofort mit dem eigenen Vorderrad ins gegnerische Gehäuse auf der anderen Seite zu schießen. Auch in der Offensive glänzt das Ölbronner Duo. „Die Eckbälle funktionieren heute prima“, feixt Dürrwächter. Er schlenzt den Ball mit dem Reifen vom Eckball-Punkt an, Häußermann reißt den Lenker hoch und lenkt den Ball mit dem Vorderrad ins gegnerische Netz. Mehrere Treffer gelingen dem Duo auf diese Weise. „Ein tolles Talent“, schwärmt sogar einer der Gäste von auswärts über Häußermann. „Wenn der regelmäßig trainieren würde, da wäre was los.“

Doch der Beruf und die Pflichten eines Familienvaters hindern Timo Häußermann am regelmäßigen Radball. Auch Stammpartner Ralf Burger kann berufsbedingt nur unregelmäßig trainieren, weshalb German Dürrwächter im wöchentlichen Training mit wechselnden Partnern spielt.

Radball ist eine jener faszinierenden und spektakulären Randsportarten, von denen die Massenmedien kaum Notiz nehmen, obwohl Deutschland eine der führenden Nationen ist. Bei den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften holte seit dem Jahr 2000 sechsmal ein deutsches Duo den Titel, außerdem gab es in diesen 15 Jahren dreimal Silber und zweimal Bronze für deutsche Radballer. Fünfmal wurde die WM seit Beginn des Jahrtausends in Deutschland ausgetragen, davon dreimal in Baden-Württemberg (2000 Böblingen, 2005 Freiburg, 2010 Stuttgart).

Gerade der Südwesten der Republik ist eine Hochburg in Sachen Radball. Von zwölf Teams der 1. Bundesliga kommen mit Gärtringen, Waldrems, Eberstadt, Oberesslingen und Denkendorf gleich fünf aus dem Ländle. Trotzdem hat es die Sportart schwer, Nachwuchs zu gewinnen. „Wir haben derzeit keine Jugendmannschaften“, bedauert German Dürrwächter. „Und in vielen kleineren Vereinen sieht es ähnlich aus.“ Dass die Radballfamilie in den vergangenen Jahren dennoch nicht geschrumpft sei, habe man vor allem den größeren Clubs zu verdanken. Familie ist da auch das richtige Stichwort: „Zum Radball kommen die meisten über die Eltern“, weiß German Dürrwächter.

Wer Radball lernen will, braucht zudem Stehvermögen. „Es ist ein Sport, den man nicht schnell lernt“, weist Dürrwächter auf die anspruchsvolle Technik hin. „Das Training in der Jugend beginnt mit dem Stehenbleiben und vielen Gleichgewichtsübungen“, fügt Timo Häußermann hinzu. Sich stehend auf dem Rad zu halten, ohne vor und zurück zu fahren, sieht bei den Könnern der Landesliga spielerisch leicht aus und ist doch das Resultat jahrelangen Trainings. Auch die Schusstechniken mit Vorder- und Hinterrad, das Abschirmen des Balles mit dem Rad sind Techniken, die nicht von heute auf morgen zu lernen sind. Und obwohl es während der Spiele bisweilen ordentlich rumst, sei Radball ein immens fairer Sport. „Es ist lange nicht so ruppig, wie es aussieht“, betont German Dürrwächter, der in seiner 40-jährigen Radballer-Laufbahn nach eigener Aussage nur drei Gelbe Karten erhalten hat.

Am Ende des Spieltages hat das Duo Dürrwächter/Häußermann drei Siege eingefahren. Gleich zum Auftakt gelingt ein 4:2 gegen das zweite Ölbronner Team Martin Burger/Knut Hahn, gegen Leimen II setzen sich Dürrwächter/Häußermann mit 6:4 und gegen Forst III mit 4:1 durch. Lediglich das vierte Match gegen Forst II geht mit 2:6 verloren. Diese Ausbeute reicht, um in der Landesliga-Staffel 4 um zwei Plätze auf Rang sechs vorzurücken.

Gar nicht zufrieden sind hingegen Martin Burger und Knut Hahn. Bei dem Duo Ölbronn II läuft es an diesem Samstagabend einfach nicht rund. Dem 2:4 gegen Ölbronn I folgt zwar ein 4:1-Erfolg gegen den Tabellensiebten Forst III, doch die Spiele gegen Forst II und Leimen II gehen mit 3:8 und 0:5 deutlich verloren. Dank dem Sieg gegen Forst III vergrößert das Duo Burger/Hahn, mit nun 13 Punkten weiterhin Tabellenzehnter, dennoch den Vorsprung auf die Abstiegsplätze, weil GerlingenII (4Punkte) zur selben Zeit in eigener Halle nicht mehr als ein Remis aus drei Spielen gelingt. Das Schlusslicht SK Stuttgart III geht in Gerlingen sogar gänzlich leer aus und bleibt in dieser Saison weiterhin ohne Punktgewinn.

Am kommenden Samstag wird in der Region erneut Radball gespielt. Der RMSV Enzberg empfängt vier Teams zum Spieltag in der Bezirksliga. Beginn in der Enzberger Turn- und Festhalle ist um 18 Uhr.

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