Weltklasse zu Besuch in Mühlacker

Das neuseeländische Voltigier-Nationalteam bereitet sich in Mühlacker auf die Weltmeisterschaften vor

Von Sofie Bloss Erstellt: 22. Juni 2019, 00:00 Uhr
Weltklasse zu Besuch in Mühlacker Gruppenbild mit Pferdeschwänzen: Die Voltigiererinnen aus Neuseeland zeigen in Mühlacker stolz ihre Flagge. Mit der WM-Teilnahme erfüllen sie sich einen Traum. Fotos: Bloß

Vor sechs Jahren kehrte die Mühlackerin Verena Fiess Deutschland den Rücken und wanderte nach Neuseeland aus. Nun ist sie nach 2014 zum zweiten Mal mit den Voltigierern aus Neuseeland zum Trainingslager in die alte Heimat zurückgekehrt. Halt machte das Team unter anderem bei Pegasus Mühlacker.

Mühlacker. Während in Neuseeland Rugby, Netball und Hockey die angesagten Sportarten sind, tun sich Randsportarten deutlich schwerer. Mag das Voltigieren in Deutschland in der Breite nicht so bekannt sein, so stelle sich dies in Neuseeland noch einmal ganz anders dar, so Verena Fiess. Die aus Mühlacker stammende Trainerin des jungen neuseeländischen Voltigierteams verfügt als langjährige Pegasus-Voltigiererin selbst über Erfahrung in dieser Sportart. „In Deutschland gibt es rund 6000 Voltigier-Vereine und 100000 aktive Voltigierer. In Neuseeland haben wir einen großen und nun auch zwei kleinere Voltigier-Vereine und circa 50 Voltigierer“, erläutert sie die Unterschiede in den Dimensionen. Dass der Inselstaat trotzdem sein eigenes Team zur Weltmeisterschaft, die vom 24. bis 26. Juli in den Niederlanden stattfindet, schicken kann, verdanke er vor allem dem tatkräftigen Engagement seiner Unterstützer. Denn für das sportliche Europa-Abenteuer habe das Team rund um den international aufgestellten Trainerstab mit Verena Fiess, Maribel Oschkenat (Oldenburg) und Catarina Strom (Schweden) umgerechnet rund 60000 Euro über Spenden und Fördergelder gesammelt, um den Traum einer Teilnahme an der Weltmeisterschaft abermals in die Tat umsetzen zu dürfen.

Dass man für eine WM-Teilnahme im Teamwettbewerb keinen Qualifikationsmodus durchlaufen muss, komme den „Kiwis“, wie sich die Voltigierer selbst nennen, sehr entgegen. Denn in Neuseeland gebe es aufgrund der geringen Anzahl an Voltigierern und Vereinen keinerlei Wettkampfmöglichkeiten, so Fiess. So sei auch die Leistung des Teams schwer einzuschätzen, da der internationale Vergleich fehle. Ziel sei jedoch der Einzug ins Finale. Dafür müssen die Akrobaten auf dem Pferderücken eine Platzierung in den Vorrunden unter den besten zwölf Mannschaften erreichen. Dass dies nicht unmöglich ist, zeigten die Neuseeländer bereits 2014. Damals belegten sie Platz neun. Seitdem musste das Kapiti Vaulting Team, wie der offizielle Name des Voltigiervereins heißt, jedoch seine achtköpfige Mannschaft komplett neu aufstellen, da altersbedingt einige der Jugendlichen wegen des Studiums weggezogen seien. Summer Galway, Danielle Schwabe, Lily Collette, Matisse Bertelsen, Miriam Bright, Zoya Gilbert-Bukh, Jasmyn Rodriguez und Teagan McCaughey heißen nun die elf- bis achtzehnjährigen Athletinnen des diesjährigen Nationalteams, die vom 11. Juni bis zum gestrigen Freitag in Mühlacker trainierten und von der Nordinsel Neuseelands bei Kapiti
Coast in der Nähe von Wellington stammen. Untergebracht sei das komplette neuseeländische Team auf dem Füllmenbacher Hof, so Fiess, die gleichzeitig als Übersetzerin fungiert. Auch wenn die Hitze und Schwüle den Kindern schwer zu schaffen mache – in Neuseeland ist gerade Winter – zeigt sich das Team ehrgeizig: Noch vor dem Frühstück geht es für drei bis vier Kilometer in den Wald joggen. Neben Krafttraining, Dehnungs-Einheiten, Turnpferd-Training und zweieinhalb Stunden Pferdetraining stehen aber auch zwei bis drei Stunden Schule auf dem Tagesplan der Sportler, die für die WM von der Schule freigestellt wurden und Schulaufgaben online erledigen. „Bis auf das Wetter sind die Trainingsbedingungen wirklich gut“, sagt Fiess über die Gegebenheiten in Mühlacker. Vor allem die Möglichkeit, auf zwei Pferden trainieren zu können, sei optimal. Die Pferde „Abenteuer“ und „Däumling“ werden den Neuseeländern vom Pegasus-Team gestellt. „Däumling“ ist außerdem als Ersatzpferd für die WM gemeldet.

Am Freitag verließ das neuseeländische Team Mühlacker Richtung Hamburg. Dort lernen die Voltigierer ihr Pferd „Charmeur“ kennen, mit dem sie bei der WM antreten. Jedes Pferd sei anders, erklärt Fiess. Deshalb sei es sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen „ihr Pferd“ kennen. Danach geht es nach Schweden, um dort den ersten und einzigen internationalen Wettkampf vor der WM zu absolvieren. Gleichzeitig versuchen in Schweden zwei Einzel-Voltigierer des Teams, die Qualifikationen zur WM zu erlangen. Denn im Gegensatz zum Teamwettbewerb müssen Einzelstarter einen Qualifikationsmodus durchlaufen. Danach reist das Team für ein dreiwöchiges Intensiv-Training erneut nach Hamburg, bevor es Ende Juli in den Niederlanden zur WM geht. Und wer weiß, vielleicht wird es bei einer guten Platzierung einen Aufschwung in der Voltigierszene Neuseelands geben.

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