Verletztes Pferd reißt tiefes Loch in die Vereinskasse

Pegasus Mühlacker muss rund 2000 Euro aufbringen

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 6. April 2016, 00:00 Uhr
Verletztes Pferd reißt tiefes Loch in die Vereinskasse Abenteuer auf dem Wege der Besserung. Der Wallach wiehert nach mehr als einer Woche in Frankreich immer noch auf Deutsch und macht mit Elena Kreuzer schon wieder Faxen. Foto: privat

Abenteuer scheint schon fast wieder der Alte zu sein, doch die Verletzung des Wallachs auf der Fahrt zum Voltigier-Turnier nach Saumur an der Loire schlägt bei Pegasus Mühlacker ganz schön ins Kontor. Der Verein versucht nun, die Kosten von 2000 Euro durch eine Internet-Spendenaktion zu decken.

Mühlacker. „Ich werde diesen Anblick nie vergessen, als ich bei unserer Ankunft in Saumur den Hänger geöffnet habe“, sagt Simon Crndic, der mit dem M-Team dort auf Abenteuer teilnehmen wollte. „Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt. Anstatt zu stehen, lag Abenteuer am Boden und schaute mich mit großen Augen hilfesuchend an“, schildert Crndic die Szene. Abenteuers Beifahrer Ikarus hatte sogar extra Rücksicht genommen. „Ikarus war ein Schatz. Er hat Platz gemacht und genau darauf geachtet, wohin er die Hufe setzt“, erzählt Simon Crndic.

Warum und wodurch sich Abenteuer auf der Fahrt in den Westen Frankreichs verletzt hat, ist unklar. Aber Crndic hat eine konkrete Vermutung: „Nach der letzten Mautstation wurden wir vom Zoll kontrolliert. Danach wurde wohl die Klappe vorne rechts am Hänger, durch die man an die Tröge herankommt, nicht richtig geschlossen. In irgendeinem Kreisverkehr ist sie wohl auf- und zugeschlagen, und Abenteuer hat sich erschreckt.“

Röntgenuntersuchung liefert keine eindeutige Diagnose

Auch die Art und Schwere der Verletzung konnte zunächst nicht festgestellt werden. „Nachdem wir Abenteuer ausgeladen hatten, hat er den Huf hinten rechts nicht belastet. Ein Soldat kam sofort und fragte, ob wir einen Tierarzt brauchen“, berichtet Simon Crndic und ergänzt. „Das 42 Hektar große Reitsportzentrum in Saumur wird vom Militär betrieben. Die meisten französischen Olympia-Reiter stammen von dort.“ Untersucht wurde Abenteuer von Dr. Franck Messialle, einem in Saumur praktizierenden, international renommierten Tierarzt. „Das war das erste Mal, dass ich dabei war, wie ein Pferd geröntgt wird“, sagt Crndic.

Doch das Röntgenbild brachte fürs Erste keinen klaren Befund. Ein Knochenbruch immerhin war nicht zu erkennen. Messialle vermutete eine Verstauchung, doch eine Wärmebehandlung mit Laser brachte auch keine Besserung. „Abenteuer bekam dann ein Schmerzmittel, und am Turnier konnte er natürlich nicht starten“, so Simon Crndic. Lediglich das S-Team aus Mühlacker konnte auf Ikarus zum Wettkampf antreten und belegte, wie bereits vor einer Woche berichtet, den dritten Platz.

Auf Anraten des Tierarztes sollte Abenteuer danach nicht gleich mit den Pegasus-Teams zurückreisen. „Das Pferd ist nicht in Gefahr, aber wir wollen es nicht in Gefahr bringen“, lautete die Begründung von Dr. Messialle. Ohne sicher zu sein, dass nicht doch ein feiner Haarriss im Knochen vorliegt, riet er vom 870 Kilometer langen Rücktransport vorerst ab. Solche Fissuren lassen sich erst nach einigen Tagen anhand der ersten Heilungsspuren erkennen, die ein weiteres Röntgenbild dann jedoch nicht zeigte. Der Veterinär diagnostizierte deshalb letztlich eine Bänderdehnung. Die Schwestern Elena Kreuzer und Birthe Helmle verlängerten deshalb ihren Aufenthalt in Saumur. Erst am vergangenen Freitag, fast eine Woche nach dem Turnier, kehrten sie mit Abenteuer zurück.

Internet-Spendenaktion bringt am ersten Tag 154,50 Euro ein

Die Verletzung des Wallachs aber reißt nun ein Loch von etwa 2000 Euro in die Vereinskasse. Allein die tierärztliche Behandlung in Saumur schlug mit 1100 Euro zu Buche. Die Unterbringung Abenteuers sowie das Hotelzimmer Kreuzers und Helmles kosteten zusammen weitere 900 Euro. „Das sind ungeplante Kosten, die der Verein in dieser Höhe nicht in den Rücklagen hat“, macht Simon Crndic deutlich und hat deshalb auf der Internet-Spendenplattform betterplace.org eine Sammelaktion gestartet.

„Ein Kollege brachte mich auf die Idee mit dem Crowd-Funding“, sagt Crndic, der bei Hewlett-Packard in Böblingen arbeitet. Seit Montag um 12 Uhr ist die Aktion online, in den ersten 24 Stunden sind acht Spenden eingegangen, die sich auf 154,50 Euro summieren. Es fehlen also noch 1845,50 Euro zum erhofften Ziel. „Man kann ganz einfach über PayPal oder mit der Kreditkarte spenden“, wirbt Simon Crndic um weitere Spender.

Unterdessen schreitet die Genesung von Abenteuer erfreulich voran. „Er ist schon fast wieder der Alte und hat das Bein voll belastet. Am Sonntag war er draußen in der Sonne und wollte gar nicht zurück in seine Box“, berichtet Simon Crndic, der den Wallach auf dem Dörnichhof bei Dürrmenz besucht hat. Als echter Sportler wartet aber auf Abenteuer nun ein behutsames Reha-Training. „Er fängt mit 10 Minuten Schritt pro Tag wieder an. Das wird dann allmählich auf 20 und dann 30 Minuten gesteigert“, erläutert Crndic. Erst in einigen Wochen wird Abenteuer wohl wieder eine Voltigiergruppe tragen. „Und das Allerwichtigste nach mehr als einer Woche Frankreich-Aufenthalt“, wie Simon Crndic scherzhaft findet: „Abenteuer wiehert immer noch auf Deutsch.“

Wer mit einer Spende dazu beitragen möchte, die Tierarztrechnung zu begleichen, kann dies unter folgender Internetadresse tun:
www.betterplace.org/de/projects/41953

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