Die Mitglieder sind gefordert

Stefan Kessler folgt als RKV-Vorsitzender auf seinen Bruder Ralf, der die Unterstützung im Verein vermisst hat

Von Julia Klassen Erstellt: 22. Januar 2019, 00:00 Uhr
Die Mitglieder sind gefordert Der bisherige Erste Vorsitzende Ralf Kessler (re.) gratuliert seinem Bruder Stefan Kessler zur Wahl zum neuem Ersten Vorsitzenden des RKV Lomersheim. Foto: Fotomoment

Viel Zündstoff lag in der Luft bei der Jahreshauptversammlung des RKV Lomersheim. Nach dem Rückzug von Ralf Kessler war lange unklar, ob ein neuer Vorsitzender gefunden werden kann. Am Ende verlief die Versammlung harmonischer als erwartet. Und auch der neue Vorsitzende trägt den Namen Kessler.

Mit Urkunde ausgezeichnet: Zehn langjährige und verdiente Mitglieder.Mit Urkunde ausgezeichnet: Zehn langjährige und verdiente Mitglieder.

Mühlacker-Lomersheim. Paul Kessler war die Nervosität vor der Jahreshauptversammlung anzumerken. 47 Jahre lang hatte er als erster Vorsitzender die Geschicke des Rad- und Kraftfahrerverein (RKV) Lomersheim geleitet. Vor vier Jahren gab er das Amt ab, sein Sohn Ralf Kessler übernahm. Doch bereits im Vorfeld war klar: Der Junior wird aus verschiedenen Gründen nicht noch einmal kandidieren. Vor allem vermisse Ralf Kessler die Unterstützung der Mitglieder, war zu hören. „Ich habe nicht gut geschlafen. Ich hoffe, wir finden heute einen Nachfolger, sonst wird das ein bitterer Abend“, sagte Paul Kessler, ehe es losging, und fügte hinzu: „Er muss ja nicht wieder Kessler heißen.“

Am Ende tat er allerdings genau dies. Stefan Kessler, Sohn von Paul und Bruder von Ralf, erklärte sich bereit, das Amt kommissarisch für zwei Jahre zu übernehmen und wurde einstimmig gewählt. „Ich brauche die Unterstützung von allen Mitgliedern“, betonte er nach der Wahl.

Denn genau diese hatte seinem Vorgänger gefehlt – einer der Gründe, warum Ralf Kessler sich nicht mehr zur Wahl stellen wollte, neben gesundheitlichen, familiären und beruflichen Aspekten. Und der 47-Jährige sparte nicht mit Kritik. „Ohne die Unterstützung durch meinen Vater wäre ich wohl schon früher gescheitert“, gab er zu und sprach Klartext: „Ein Verein besteht nicht nur aus einem Vorsitzenden und dem Ausschuss. Um unsere Veranstaltungen auszurichten, brauchen wir Helfer, sonst schaffen wir das nicht.“

Dabei liegt es nicht nur daran, dass die Mitgliederzahl beim RKV ständig schrumpft. 2015 waren es noch 202, 2017 185 und im vergangenen Jahr nur noch 176 Mitglieder. Vor allem die Bereitschaft, sich im und für den Verein zu engagieren, habe nachgelassen. Traditionsveranstaltungen wie die Orientierungsfahrt, Motorrad- und Fahrradturniere gibt es längst nicht mehr, auch die Jugendarbeit ist auf der Strecke geblieben. Die verbliebenen Turniere, wie die ADAC-Automobilturniere oder das Nachtturnier, können nur noch mit Unterstützung von anderen Vereinen durchgeführt werden. „Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber wenn es so weitergeht, sehe ich schwere Zeiten auf den Verein zukommen“, sagte Ralf Kessler.

Für seine offenen Worte bekam der scheidende Vorsitzende viel Applaus von den 32 Mitgliedern, die zur Jahreshauptversammlung gekommen waren. „Wahre Worte“, rief einer, wohl wissend, dass Ralf Kessler das Engagement von Teilen der Mitgliederschaft durchaus zu schätzen weiß. Es gebe einige, die jedes Turnier tatkräftig unterstützen und unzählige Arbeitsstunden leisten würden, sagte er. Und es gab bei der Versammlung auch darüber hinaus Positives zu berichten. Eine Punktlandung vermeldete zum Beispiel Schatzmeister Udo Roller bei seinem Kassenbericht, er erklärte aber auch: „Die Einnahmen aus den Beiträgen und den Veranstaltungen reichen gerade so aus, um den Betrieb zu gewährleisten.“

Motorsportleiter Christian Mann verwies in seinem Bericht auf zahlreiche Erfolge der RKV-Starter im vergangenen Jahr. So wurde Ralf Kessler Siebter bei der Württembergischen ADAC-Meisterschaft in der Elitegruppe A, obwohl er nur an drei der fünf Wertungsläufe teilnehmen konnte. In der Gruppe B, beim ADAC-Turnier-Pokal feierte der RKV einen Dreifacherfolg. Rudolf Joszko, Erich Widmann und Paul Kessler erfuhren sich die ersten drei Plätze. Christian Mann wurde Fünfter vor Rudi Resch, auf Rang acht landete Frank Kessler. Einen Doppelsieg von Barbara Birkenmeier und Nathalie Kessler gab es zudem in der Gruppe C der Neulinge. Slalom-Ass Udo Roller feierte indes seine bislang erfolgreichste Saison. Er wurde unter anderem Meister im DLSB-Slalom-Cup Südost und holte mit seinem 300 PS starken BMW E 46 330i 24 Podestplätze, 13 Siege und vier Gesamtsiege.

Künftig muss der RKV allerdings auf die Erfolge von Vorzeigefahrer Ralf Kessler verzichten. Der 47-Jährige gab nicht nur sein Amt als Vorsitzender ab, sondern beendete gleichzeitig seine erfolgreiche Karriere nach 30 Jahren Turniersport. Er betonte aber, dass er den Verein trotz seines doppelten Rückzugs nicht im Stich lassen werde. Sein Nachfolger Stefan Kessler kann also auf ihn zählen. Er weiß: „Das klassische Vereinsleben wird immer schwieriger, aber gerade wir als Randsportart brauchen die Unterstützung aller – der Mitglieder, ihrer Kinder und ihrer Enkel. Diese sind unsere Zukunft. Ich will nicht erleben, dass unser Verein an die Wand gefahren wird.“

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