So läuft Inklusion

Die Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker startet mit einem Team aus 100 Sportlern beim Mahle-Lauf

Von Julia Klassen Erstellt: 28. April 2018, 00:00 Uhr
So läuft Inklusion Viel Spaß beim Training: Behinderte und Nicht-Behinderte bereiten sich im Team der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker auf den Mahle-Lauf vor. Foto: Klassen

Das Wort Inklusion ist in aller Munde. Gelebt wird Inklusion bei der Lebenshilfe Mühlacker-Vaihingen auch im sportlichen Bereich. Beim Mahle-Lauf am 5.Mai tritt der Verein mit einem Team aus 100 behinderten und nicht behinderten Sportlern an. Seit Anfang März trainiert die Gruppe gemeinsam.

Mühlacker. Stolz zeigt Dominik Kirchner auf seine Brust. „Ich bin Bayern-Fan“, sagt er und grinst. Man hätte es sich denken können, schließlich trägt Dominik Kirchner Trikot und Mütze des deutschen Fußball-Rekordmeisters. „Ich bin VfB-Fan“, sagt Thomas Rieger, der neben ihm sitzt, voller Überzeugung. Normalerweise mögen sich die Fans dieser beiden Clubs nicht besonders, doch die beiden Männer kümmert die vielzitierte Fußball-Rivalität nicht. Dominik Kirchner und Thomas Rieger verbindet nämlich auch Einiges. Beide wollen am 5. Mai beim Mühlacker Mahle-Lauf starten. Und beide haben das Down-Syndrom.

Schon seit dem 1. März trainiert eine Gruppe der Lebenshilfe Mühlacker-Vaihingen für das große Laufereignis. „Wir wollen anlässlich unseres 50. Geburtstages auch beim Mahle-Lauf ein Zeichen setzen. So können wir Menschen erreichen, die wir über unsere eigenen Veranstaltungen nicht erreichen würden“, sagt die Lebenshilfe-Geschäftsführerin Sandra Sailer, die natürlich selbst auch an den Start geht. Dank der Unterstützung von Mahle, die dem Team keine Startgebühren in Rechnung stellt, den Stadtwerken Mühlacker, Intersport Sämann und dem Stein- und Kies-Werk Sämann sowie der Aktion Mensch, die das Inklusionsprojekt fördert, kann das Jubiläumsteam in einheitlichen blauen Lauf-Shirts starten und danach noch ein Grillfest für alle Teilnehmer veranstalten.

Schon in den vergangenen Jahren waren immer wieder einzelne Bewohner aus den Wohngruppen des Vereins beim Mahle-Lauf dabei. Im Jubiläumsjahr gibt es erstmals ein eigenes Lebenshilfe-Team. Und dafür haben sich 100 Menschen, davon 30 mit und 70 ohne Behinderung, angemeldet. Viele von ihnen treffen sich seither jeden Donnerstag in den Enzgärten, um sich gemeinsam auf den Lauf vorzubereiten. Mit dabei ist auch Selma Özer, für die die Zugehörigkeit zum Lebenshilfe-Team eine Herzenssache ist. „Ich finde das eine tolle Aktion. Die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen“, sagt sie und ist überzeugt: „Wir können beim Mahle-Lauf Akzente setzen und die Arbeit der Lebenshilfe und ihre Bewohner in den Vordergrund stellen.“

Die Teilnehmer sollen vor allem den Jubel an der Strecke genießen

Dominik Kirchner trainiert von Anfang an jeden Donnerstag mit. „Ich bin sehr fleißig“, unterstreicht er, „aber es ist auch ganz schön anstrengend.“ Er will über fünf Kilometer walken. „Das schaff’ ich locker“, ist er überzeugt. Auch Thomas Rieger hat sich für das Walken entschieden. „Ich bin ein bisschen faul“, gibt er aber zu. Erst zwei Wochen vor dem Startschuss konnte er sich zum ersten Mal zum Training aufraffen. Selbstbewusst ist er trotzdem. „Vielleicht laufe ich auch zehn Kilometer“, sagt er. Dominik Kirchner lacht: „Das glaub’ ich nicht.“

Elisabeth Bachmann von der Lebenshilfe leitet das Training an. „Alle, die dabei sind, sind voll motiviert“, sagt sie, „jeder macht so viel, wie er kann. Wir teilen das Training immer in drei Gruppen auf, in die Zehn-Kilometer-, die Fünf-Kilometer-Läufer und die Walker. Das funktioniert sehr gut.“ Beim Warmmachen sind aber alle noch zusammen und haben sichtlich Spaß. Als es dann aber losgeht, kommen die Sportler schnell ins Schwitzen. „Fünf Kilometer fallen manchem schon schwer, bei einigen sind wir um jeden Schritt froh“, weiß Sandra Sailer, die umso stolzer ist, dass ihre Bewohner mit so viel Begeisterung bei der Sache sind. „Unser Motto lautet: Dabeisein ist alles“, betont die Geschäftsführerin, „jeder hat seine Geschwindigkeit und die Teilnehmer sollen vor allem den Jubel an der Strecke, den es hoffentlich gibt, genießen.“ Dafür wird die Lebenshilfe auch Fanartikel an die Zuschauer verteilen.

Die Mahle-Lauf-Gruppe ist nicht das einzige sportliche Inklusionsprojekt der Lebenshilfe. Schon seit einigen Jahren besteht eine enge Partnerschaft zur Tischtennis-Abteilung des TSV Großglattbach, die ein gemeinsames Training für behinderte und nichtbehinderte Sportler anbietet. „Die Resonanz darauf ist super, das ist eine richtig gute Sache“, sagt Sandra Sailer. Im Juni veranstaltet die Lebenshilfe mit dem TSV ein inklusives Tischtennisturnier, das auch vom Mühlacker Tagblatt gefördert wird. Außerdem ist für die Zukunft auch ein Fußballprojekt in Kooperation mit Viktoria Enzberg angedacht. Sandra Sailer freut sich über Angebote von Vereinen, nicht nur sportlicher Art, die sich ein gemeinsames Inklusionsprojekt vorstellen können. „Inklusion ist in aller Munde, man darf nur vor lauter darüber reden nicht vergessen, etwas zu tun“, sagt sie.

Bei der Lebenshilfe Mühlacker-Vaihingen jedenfalls wird die Inklusion schon immer gelebt. Die Bewohner der Wohngruppen nehmen so oft es geht am gesellschaftlichen Leben teil. So wie am 5. Mai beim Mahle-Lauf. Im Team der Lebenshilfe laufen alle miteinander. Junge und Ältere, Behinderte und Nicht-Behinderte, ja sogar VfB- und Bayern-Fans.

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