Der Kampf gegen die Spaghettiarme

Mittrainiert: Im Lifestyle-Fitness-Club träumt MT-Mitarbeiterin Julia Klassen ganz kurz von einer Bodybuilding-Karriere

Von Julia Klassen Erstellt: 25. August 2018, 00:00 Uhr
Der Kampf gegen die Spaghettiarme Der sogenannte Schlingentrainer eignet sich für viele verschiedene Übungen. MT-Reporterin Julia Klassen trainiert ihre Bauchmuskulatur damit. Foto: Fotomoment

Beim Begriff Bodybuilding haben viele auch heute noch düstere Muckibuden im Kopf, in denen sich der Geruch von Schweiß mit dem von Eisen mischt. Dabei sind die modernen Fitnessstudios alles andere als das. Es geht um ein gutes Körpergefühl, um Gesundheit und Lifestyle. Hier kann jeder mittrainieren – sogar MT-Reporterin Julia Klassen.

Thomas Augenstein zeigt Julia Klassen eine Übung aus dem propriozeptiven Training.Thomas Augenstein zeigt Julia Klassen eine Übung aus dem propriozeptiven Training.

Mühlacker. Im Herbst 2019 könnte ich ganz groß raus kommen. Nämlich als Bodybuilderin. Das sagt zumindest Thomas Augenstein. Der 23-Jährige muss es wissen, denn er ist angehender Fitness-Ökonom, seit 2016 Trainer im Lifestyle-Fitness-Club Mühlacker und seit 2017 Leiter der Filiale in Niefern-Öschelbronn. Außerdem hat er selbst schon an zwei Bodybuilding-Wettbewerben teilgenommen. Wie ich also so da sitze, mit meinen dünnen Spaghettiärmchen und meinem weichen Bauch, male ich mir aus, wie es wäre, wenn ich tatsächlich in 15 Monaten auf der ganz großen Bodybuilding-Bühne stehen würde, muskelbepackt und gestählt.

„Alles klar“, sage ich entschlossen: „Was muss ich dafür machen?“ Thomas Augenstein grinst: „Ungefähr Dein ganzes Leben ändern!“ Heißt im Klartext: mindestens viermal pro Woche Krafttraining, dazu drei Ausdauereinheiten – Tendenz steigend. Dazu eine radikale Ernährungsumstellung. Oha! Ich frage, was ich denn noch essen dürfte. „Was glaubst Du?“, kommt die Gegenfrage. „Quark“, sage ich voller Überzeugung, „weil Quark macht stark.“ Das hat mir mal ein kluger Mensch verraten. Und es stimmt. Thomas Augenstein zählt mir noch ein paar geeignete Lebensmittel auf. Haferflocken mit Beeren und Eiklar (ja, Sie haben richtig gelesen) zum Frühstück, Reis und Hühnchen, Thunfisch, Vollkornnudeln. Auf jeden Fall Ballaststoffe und Proteine – ganz wichtig für den Muskelaufbau. Auf Süßigkeiten und Zucker müsste ich dagegen verzichten.

Ich überlege noch ganz kurz und entscheide mich dann spontan gegen eine Karriere als Bodybuilderin und für ein ganzheitliches Fitnesstraining, mit dem Ziel, mich besser und gesünder zu fühlen. Denn dafür kommt der allergrößte Teil der Mitglieder regelmäßig in den Lifestyle Sports Club Mühlacker. „Die Ziele sind meistens Gesundheit, Prävention, schmerzfrei zu werden und natürlich auch die Optik zu verbessern“, weiß Thomas Augenstein. „Ich nehme von allem ein bisschen“, sage ich.

Auf Grundlage der persönlichen Zielsetzung stellt der Trainer einen individuellen Trainingsplan zusammen. In meinen Fall heißt das: Ganzkörper- und propriozeptives Training. Das Erste habe ich verstanden, das Zweite erst mal nicht, aber egal.

Denn jetzt geht es zunächst auf das Laufband. Dort, auf dem Stepper oder auf dem Fahrrad, ist vor jedem Training zehn Minuten Aufwärmen angesagt. Den Kreislauf anregen, die Gelenke schmieren und so. Das Training beginnt anschließend mit einer Übung für die größte Muskelgruppe im Körper – das sind die Beine inklusive Po. „Diese Muskeln machen ein Sechstel der Gesamtmuskeln aus“, sagt Thomas Augenstein, während er mir die Übung erklärt. Kniebeugen – ich verziehe das Gesicht. Allerdings machen wir nicht die Kniebeugen, die ich aus dem Schulunterricht kenne. Das wäre ja zu einfach. Stattdessen stelle ich mich unter ein Gerät und drücke beim Wiederhochkommen noch ein paar Kilo, ja, es sind nicht besonders viele, nach oben. „Die letzten drei bis vier Wiederholungen sollten schon ein bisschen wehtun“, sagt der Trainer, „ansonsten müssen wir das Gewicht erhöhen.“ Alles klar, tut weh, Gewicht reicht. Nach dreimal 15 Wiederholungen erst recht.

Gut, dass die Beine jetzt erst mal Pause haben und stattdessen der untere Rücken beansprucht wird. Eine Schwachstelle, nicht nur von mir. Am sogenannten Rückenstrecker wird mit dem eigenen Körpergewicht trainiert, was sich zwar leicht anhört, aber trotzdem anstrengend ist. In langsamen Bewegungen beuge ich meinen Oberkörper auf einer schrägen Ebene liegend nach unten und wieder hoch.

Es folgen Übungen am Pull-up-Trainer, das sind Klimmzüge für alle, die keine Klimmzüge können. Also für mich und meine Spaghettiärmchen, denen ich hiermit den Kampf ansage. Beim Butterfly-Reverse kommen dann wieder Gewichte zum Einsatz und die oberen Rückenmuskeln werden trainiert. Nach einer weiteren Übung für die Schulter kommt natürlich auch noch der Bauch dran. Ich hätte Sit-ups erwartet, wir gehen aber an den Schlingentrainer. Mit den Füßen in zwei Schlaufen und den Händen auf dem Boden ziehe ich meine Beine an und den Hintern nach oben. Es klappt so mittelgut und ich spüre schnell, an welcher Stelle die Übung wirkt. Weil der Bauch danach so schön warm ist, machen wir noch ein paar Crunches, die rückenschonende Variante der Sit-ups.

Danach bittet mich Thomas Augenstein an die Wand. Ich stelle mich hin, die Fersen und die Schultern berühren die Tapete. Und nun? „Nichts, Du bleibst jetzt eine Minute lang so stehen“, sagt der Coach und erklärt mir dann den Sinn dahinter. „Propriozeptives Training ist Wahrnehmungs-, Gleichgewichts- und Instinkttraining“, sagt er. Wer sich zum Beispiel jedes Mal während des Workouts eine Minute lang bewusst an die Wand stellt, kann seine Haltung verbessern, weil der Körper sich diese Position merkt. Klingt im ersten Moment komisch, aber als ich von der Wand wegtrete, stehe ich tatsächlich – zumindest kurzzeitig – aufrechter da. Thomas Augenstein, der früher in der Eishockey-Jugendauswahl gespielt hat, hat noch weitere Übungen parat. Ich stehe dabei auf einem Bein, fange Bälle, balanciere auf einer wackeligen Platte und versuche dabei souverän zu wirken. Was nicht klappt, aber auch normal ist. „Diese Übungen eignen sich sehr gut als Sturzprophylaxe“, sagt er. Weshalb sie vor allem, aber nicht nur bei älteren Personen beliebt sind.

Ich schaue auf die Uhr. Es ist gerade mal eine gute Stunde vergangen – und wir sind fertig. Eine Stunde, zwei- bis dreimal pro Woche ist nicht viel, wenn man sich dafür besser fühlt und gesünder ist.

Gut, eine Bodybuilderin wird damit nicht aus mir. Aber dafür kann ich weiterhin essen, was ich möchte. Quark, zum Beispiel. Und Hühnchen und Reis. Aber eben ab und zu auch mal Süßigkeiten.

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