Urlaubsgefühle auf der Enz

Mittrainiert: Beim Kanuclub Mühlacker vergisst MT-Mitarbeiterin Julia Klassen den Alltag – bis die Arme schmerzen

Von Julia Klassen Erstellt: 15. Juli 2017, 00:00 Uhr
Urlaubsgefühle auf der Enz Die Gruppe des Kanuclubs Mühlacker freut sich auf ihren kleinen Ausflug von Mühlacker nach Enzberg. Foto: Fotomoment

Kanufahren ist ein vielseitiger Sport. Man kann gemütlich auf ruhigem Wasser vor sich hinpaddeln. Man kann aber auch durch das Wildwasser flitzen und gefährliche Stromschnellen befahren. MT-Reporterin Julia Klassen hat sich für ihren Selbsttest beim Kanuclub Mühlacker für die erste Variante entschieden.

Vom Wasser aus sieht die Enz ganz anders aus: Julia Klassen paddelt in ihrem Capri.Vom Wasser aus sieht die Enz ganz anders aus: Julia Klassen paddelt in ihrem Capri.

Mühlacker. Das Wasser ist ruhig, die Sonne scheint, Bäume und Sträucher ragen weit in den Fluss hinein und zaubern ein malerisches Schattenspiel auf das Wasser. Man hört Vögel zwitschern, Enten und Schwäne schwimmen vorbei. Wie Urlaub ist das. Dabei befinden wir uns mitten auf der Enz, irgendwo zwischen Mühlacker und Enzberg. So genau kann ich das gar nicht sagen, als ich mit Thomas Herbel und 15 weiteren Kanufreunden auf dem Gewässer paddle, von dem ich dachte, dass ich es kenne. Doch, wenn man die Enz nicht vom Ufer aus betrachtet, sieht sie ganz anders aus. Noch schöner.

Ich sitze in einem knallgelben Boot, ein Capri, wie mir Thomas Herbel vor dem Einsteigen erklärt hat. „Das ist sehr gutmütig“, hat mir seine Frau Sigi Herbel. noch versichert. Das machte Mut. Das Capri ist eines von mehr als 50 vereinseigenen Booten des Kanuclubs. „Mit dem fällt es sehr schwer, reinzufallen“, findet der Vereinsvorsitzende. Klingt gut. Das Boot liegt nämlich ruhig im Wasser und kippt nicht so schnell um. Auch dann nicht, wenn absolute Anfänger mit ihm fahren wollen. Thomas Herbel weiß, wovon er spricht. Er paddelt seit 50 Jahren, war Leistungssportler, ist Kanurennen und Wildwasser gefahren. Seit 1989 gibt der 61-Jährige mit seiner Frau sein Wissen und seine Erfahrung an Kanu-Anfänger und -Fortgeschrittene in Mühlacker weiter.

Das Einsteigen in das Capri war trotzdem knifflig. Denn Boote haben in Verbindung mit Wasser nun mal die Eigenschaft, dass sie nicht dort bleiben, wo man sie haben will. Und so trieb mein Capri immer dann vom Steg weg, als ich gerade ganz elegant hineingleiten wollte. Mit einem Trick hat es dann aber doch geklappt und nur deshalb habe ich nun die Gelegenheit, die Natur meiner Heimatstadt aus einer ganz neuen Perspektive kennenzulernen.

Um vorwärts zu kommen, muss ich allerdings erst einmal das Doppelpaddel in den Griff bekommen. „Halte es ein bisschen breiter, dann geht es leichter“, rät mir Thomas Herbel, der in einem Kanu neben mir herfährt. Genauer gesagt, in einem Kanadier.

Denn „Kanu“ ist nur der Oberbegriff für Boote, die mit Paddeln in Blickrichtung bewegt werden. Es gibt Kajaks, so wie das, in dem ich sitze, und Kanadier. Die sind im Gegensatz zum Kajak oben offen. Kajaks werden im Sitzen mit einem Doppelpaddel bewegt, Kanadier oft im Knien mit einem Stechpaddel.

Rechts, links, rechts, links. Wenn man erst einmal den Dreh heraushat, geht es fast wie von selbst. Man muss nur darauf achten, das Paddel auf beiden Seiten gleichmäßig einzustechen, sonst fährt man nicht geradeaus, sondern gleitet irgendwann unweigerlich aufs Ufer zu. So wie ich jetzt. Ich steuere entgegen, kann aber nicht verhindern, dass ich mit den Haaren an einem ins Wasser ragenden Ast hängenbleibe. Es ist aber nichts passiert und kann weiter gehen. Allerdings schadet es nichts, wenn man lenken kann, denn unterwegs gilt es auch, Anglern, beziehungsweise ihren Schnüren, auszuweichen.

Irgendwann, etwa auf halber Strecke, fangen meine Armmuskeln an zu brennen. Es wird anstrengend, denn die Strömung wird immer stärker. Irgendwann geht es nicht mehr weiter, weil das Wasser zu niedrig wird. Ich bin allerdings ganz dankbar darüber, dass wir nun umkehren. Denn die zweite Hälfte können wir mit der Strömung fahren. Nach etwa einer Stunde kommen wir wieder an der Einstiegsstelle hinter der Enztalsporthalle an.

Der Mini-Kurzurlaub ist vorbei. Als ich aussteige, merke ich, dass ich klitschnass bin. Bei meiner sportlichen Fahrweise ist viel Wasser ins Boot geschwappt. Aber es hat unheimlich Spaß gemacht – und es war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich die Enz aus dieser ganz besonderen Perspektive genossen habe.