Der Judogriff nach den Olympia-Sternen

Sappho Çoban aus Kämpfelbach-Ersingen gehört zu den weltweit besten 50 Judokämpferinnen

Von Susanne Roth Erstellt: 15. Oktober 2016, 00:00 Uhr
Der Judogriff nach den Olympia-Sternen Das Treppenhaus im Hause Çoban ist mit Urkunden und Medaillen gepflastert. Die Ersingerin ist die erste und bis heute einzige deutsche Junioren-Weltmeisterin im Judo. Foto: Roth

Aus dem Enzkreis strebt nicht nur Anna Miggou, über die wir gestern berichteten, in einer japanischen Kampfsportart die Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio an. Neben der Karate-Kämpferin aus Ötisheim hat auch das Judo-Ass Sappho Çoban aus Ersingen die Spiele in Tokio als Fernziel ins Auge gefasst.

Kämpfelbach. Zum Glück führt der Hausflur des Wohnhauses in Kämpfelbach-Ersingen über zwei Stockwerke. Den Platz braucht Stella Çoban auch. Für Urkunden, Medaillen, Zeitungsausschnitte und Fotografien. Darauf zu sehen: ihre Tochter Sappho. Immer in Weiß – vom schwarzen Gürtel mal abgesehen.

Sappho Özge Çoban ist Judo-Kämpferin. Und nicht irgendeine: die 22-Jährige war 2013 die erste und bisher einzige deutsche Junioren-Weltmeisterin (U20) im Judo. Im jahr darauf war sie Junioren-Europameisterin, 2014 und 2015 jeweils U23-Europameisterin – um nur einige ihrer internationalen Erfolge zu nennen. 2014 wurde ihr von der Stiftung Deutsche Sporthilfe die Auszeichnung „Juniorsportler des Jahres“ verliehen.

Derlei muss man allerdings von der Mutter erfahren, die nur zu gern über ihre Tochter und deren Erfolge spricht. Sappho Çoban selbst ist da wesentlich bescheidener. Oder hat vielleicht auch schon die nächsten Ziele anvisiert: „Grand Prix“ und „Grand Slam“ heißen die und natürlich: die Olympischen Spiele in vier Jahren. Auf die Frage, ob sie das schaffe, wo sie doch gerade eben erst in die nächsthöhere Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm gewechselt ist und nun bei den Erwachsenen startet, schaut sie fast etwas entsetzt. „Natürlich“, erwidert Sappho Çoban und zeigt lächelnd ihre Grübchen. Schließlich ist sie jetzt in der Nationalmannschaft.

Als frischgebackene Polizeimeisterin der Bundespolizei ist ihr Trainingsplan nun auch zugleich ihr Dienstplan. Dafür musste sie umziehen, um in der Bundespolizeisportschule in Kienbaum bei Berlin zu trainieren. „Schon ungewohnt“, sagt sie, was sich mehr auf den Umzug von ihrem Zuhause in Kämpfelbach in die Bundeshauptstadt bezieht als auf den Sport. Die Mitglieder der Nationalmannschaft kennt sie ja schon länger, die sind vertrauter als die seit Februar neue Umgebung.

Zwei bis dreimal trainiert sie jeden Tag dort, fährt aber „so oft es geht“ ihre Mutter besuchen und natürlich auch ihren früheren Verein, den Budo-Club Karlsruhe. Dort hat ihre Karriere auch ihren Anfang genommen. Die kleine Sappho begleitete ihre Mutter oft zu deren Aikido-Training. Warum nicht mit der Kleinen mal Judo versuchen? Im Kindergarten hieß es, Sappho habe zu viel Energie. „Aber das Judo hat auch nicht geholfen“, sagt die Mutter lachend. Offenbar war der Bewegungsdrang schon immer ausgeprägt bei der Ausnahme-Sportlerin „Ich habe ja noch Fußball gespielt und andere Sportarten gemacht“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Im Fußball war ich richtig gut.“

So gut, dass sie als Torfrau beim Karlsruher SC eingesetzt wurde, dann aber frustriert war, wenn die Mannschaft nicht so lief, wie sie es gern gehabt hätte. Und so fiel die Entscheidung auf Judo, weg vom Mannschaftssport, hin zum Einzelkampf, bei dem man nur für die eigenen Fehler geradestehen muss. „Die Wochenenden waren eben auch sehr voll, wenn wir nicht auf dem Fußballplatz waren, dann beim Judo“, sagt Mutter Stella.

Die Konzentration auf die Sportart Judo hat Sappho Çoban offenbar gut getan. Und der Sport übt eine große Faszination auf sie aus: „Es ist jedes Mal was anderes, kann schon in zwei Sekunden vorbei sein.“ Und jeder habe seinen individuellen Stil, kein Kampf gleiche dem anderen, auch wenn man natürlich auch vor einem Kampf den Gegner und dessen Schwächen und Stärken genau studiere. Ihr Stil, so sagt Sappho Çoban, sei ein sehr klassischer und an der Technik orientierter. „Ich kämpfe technisch sehr sauber, und wenn ich durchkomme, dann hat man keine Chance mehr.“ Bisweilen trainiert sie auch gern mit Männern. „Die sind so explosiv.“ Anders als sie selbst, sie bezeichnet sich eher als „ruhig, kühl überlegend“.

Die jüngere Schwester Xenia ist angeblich noch talentierter

„Endlich“ im Erwachsenenbereich auf die Matte zu gehen, ist eine Herausforderung. Aber eine, auf die sie sehnsüchtig gewartet hat. Und es ist für sie auch wichtig, Vorbild für Kinder zu sein, um die sie sich nach Möglichkeit auch kümmert. „Natürlich schauen die zu einem auch auf.“ Was sie ihnen mit auf den Weg gibt? „Nie aufgeben nach einer Niederlage, immer weitermachen.“ Das hat sie sich auch beim „Grand Prix“ in Zagreb (Kroatien) Ende September gesagt, als sie sich darüber ärgerte, knapp an einer Medaille wie vorbeigeschrammt zu sein. Dort verlor Sappho Çoban den Kampf um Bronze gegen Natalija Golomidowa aus Russland.

Derzeit wird Sappho Çoban auf Platz 50 der Weltrangliste geführt. Die ersten 14 werden für die Olympischen Spiele nominiert. Aber das hat ja noch vier Jahre Zeit. Währenddessen kann Mutter Stella Çoban schon mal Platz machen für die nächste erfolgreiche Judo-Kämpferin der Familie. Die vier Jahre jüngere Schwester Xenia zieht nach. Ein paar nationale und internationale Urkunden und Medaillen hängen bereits im Flur. Und Sappho Çoban scheint mächtig stolz zu sein, hat der kleinen Schwester sogar eine eigene Rubrik auf ihrer Webseite gewidmet und sagt über Xenia: „Sie ist sogar noch talentierter.“

www.sappho-coban.de
www.facebook.com/sapphocobanofficial

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