Auf den Hund gekommen

Mittrainiert: Beim HSV Mühlacker muss sich Julia Klassen auf vierbeinige Partner einstellen – und diese auf die MT-Reporterin

Von Julia Klassen Erstellt: 9. September 2017, 00:00 Uhr
Auf den Hund gekommen Julia Klassen (re.) leitet Merlin durch den Parcours, Trainerin Sandra Meier beobachtet den Lauf aus dem Hintergrund. Foto: Fotomoment

Er ist beste Freund des Menschen, sagen seine Liebhaber. Also liegt nahe, mit dem besten Freund auch Sport zu treiben. Das wird beim Hundesportverein Mühlacker seit mehr als 100 Jahren getan. MT-Mitarbeiterin Julia Klassen hat zwar selbst keinen Hund, aber trotzdem Spaß beim Agility-Training des HSVM.

Pebbles ist neugierig.Pebbles ist neugierig.

Mühlacker. Dieser Blick! Pebbles schaut mich mit großen, runden Hundeaugen an. So als würde sie fragen: „Was willst du denn von mir?“ Die kleine Chihuahua-Dame dreht sich unsicher zu Daniela Pfeiffer um. Erst als die Pforzheimerin ihrer Hündin aufmunternd zunickt, folgt Pebbles mir. Aufgeregt springt sie an mir hoch. Sie scheint mich zu mögen. Gut, eventuell liegt das auch an der Tüte mit rohem Hackfleisch, die mir ihre Besitzerin gerade noch in die Hand gedrückt hat.

Pebbles ist dreieinhalb Jahre alt und bereits eine erfahrene Agility-Sportlerin. Ich bin 38 Jahre alt, habe keinen Hund und mit Hundesport bin ich bislang noch nie in Berührung gekommen. Das könnte lustig werden.

Agility ist die wohl bekannteste Hundesportart. Entstanden ist sie 1978 in England bei der größten Hundeausstellung der Welt, der Crufts Dog Show. Nachempfunden ist sie dem Springreiten. Das heißt, Hund und Mensch müssen einen Hindernis-Parcours durchlaufen. Möglichst schnell und möglichst ohne Fehler. Beim Hundesportverein Mühlacker kann man seit 1995 Agility betreiben. Der HSVM war einer der ersten Vereine in der Region, der diese Sportart in sein Angebot aufgenommen hat.

Pebbles ist ziemlich verwirrt, aber Hackfleisch stimmt milde

Bevor es losgeht, beobachte ich aber erst einmal die erfahrenen Hund-Mensch-Teams. Merlin, den Parson Russel Terrier mit Martina Betz, den Australian Shepherd Miles mit Lauren Mayer und eben Pebbles mit Daniela Pfeiffer. Die Frauen schreiten den Parcours zunächst ohne Hunde ab und sehen dabei hochkonzentriert aus. Die Strecke ist jedes Mal neu. Die drei überlegen ganz genau, welches für sie und ihren Vierbeiner der beste Weg durch die Hindernisse ist. Was sie sich jetzt überlegen, müssen sie sich gut merken. Denn nachher, wenn der Hund dabei ist, muss es schnell gehen. „Ein falscher Wechsel kann einen schon aus dem Konzept bringen“, sagt HSVM-Trainerin Sandra Maier.

„Hier könnte ich einen Blinden machen“, findet Martina Betz. „Oder einen Belgier“, gibt Lauren Mayer zu bedenken. Ich verstehe nur Bahnhof, bis mir Sandra Maier erklärt, dass es hierbei um die Wechsel der Führungsseite geht. Beim Agility werden die Hunde nämlich nicht nur auf einer Seite, sondern rechts und links geführt. Gerade so, wie es der Parcours erfordert. Dabei unterscheidet man grob gesagt zwischen Wechseln, bei denen man den Hund im Blick behält oder blinden Wechseln.

Ich staune, als die Teams wenig später durch den Parcours rasen. Die Kommandos sitzen, die Wechsel auch.

Bevor ich es mit Pebbles, Miles und Merlin auch mal ausprobieren darf, erklärt mir Sandra Meier erst einmal, was meine Aufgabe bei dem Ganzen ist. Mehrere Male gehen auch wir nun die Hindernisse ab. Für den Anfang beschränken wir uns aber auf einen kleineren Teil der Strecke. Meier zeigt mir genau, wie ich laufen muss, um den Hund bestmöglich zu führen.

So schwer kann es nicht sein, denke ich. Pebbles wird das schon machen.

Schließlich habe ich die Hündin ja zuvor beobachtet, wie sie mit Daniela Pfeiffer durch den Parcours gewetzt ist. Mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit hat sie jede Hürde und jedes Hindernis mühelos genommen.

Ich merke schnell, dass ich mich irre. Denn das, was am Ende so mühelos aussieht, bedarf jahrelangen Trainings. Hund und Mensch müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Sonst rennt der Vierbeiner überall hin, nur nicht dorthin, wohin er soll.

So wie jetzt bei mir. Pebbles jedenfalls ist offensichtlich ziemlich verwirrt von der neuen Partnerin an ihrer Seite, die ihr so gar nicht die Zeichen und Kommandos gibt, die sie gewohnt ist. Nur das Hackfleisch stimmt sie milde.Sandra Maier gibt mir noch ein paar Tipps. Und dann klappt es. Wir meistern die drei Hindernisse: zwei Sprünge und einen Tunnel.

Bis zu drei Jahre dauert es, bis Hund und Herrchen turnierreif sind

Auch mit Merlin und Miles funktioniert es nach anfänglichen Schwierigkeiten ganz gut, so dass wir auch die Wippe und den Slalom ausprobieren. Ich merke, dass jeder Hund eine andere Führung braucht, unterschiedliche Kommandos, unterschiedliche Leckerlis, unterschiedliche Techniken.

Nicht jeder Hund ist übrigens für Agility geeignet. „Für zu große oder zu schwere Hunde ist der Sport nichts“, sagt Sandra Maier, „die Hunde landen immer auf einer Pfote, das ist ab einem gewissen Gewicht nicht gut für die Gelenke.“

Bis zu drei Jahre dauert es, bis aus Hund und Herrchen ein eingespieltes Team wird, das an Turnieren teilnehmen kann. „Wenn einer im Team, also Hund oder Mensch, bereits Erfahrung hat, dann geht es schneller“, sagt Sandra Maier.

Ich habe bei meinem Probetraining eindeutig von der Erfahrung meiner Hundepartner profitiert. Ich glaube allerdings, alle drei waren froh, als sie wieder mit ihren Lieblingsmenschen durch den Parcours wetzen durften.

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