Schlammschlacht für mehr Hebammen

Rund 30 Mütter aus Mühlacker und der Region laufen beim „Muddy Angel Run“ in Stuttgart für einen guten Zweck mit

Von Maik Disselhoff Erstellt: 12. Juli 2019, 00:00 Uhr
Schlammschlacht für mehr Hebammen Gemeinsam mit ihrer Hebamme Manuela Röse (li.) nehmen Mütter aus Mühlacker und der Region am Muddy Angel Run in Stuttgart teil. Schon jetzt ist die Vorfreude bei ihnen groß.Fotos: Huber

Von der Rückbildungsgymnastik zur Schlammschlacht: Eine verrückte Idee motiviert eine Gruppe von Frauen aus der Region, Sport zu treiben – und das auch noch für einen guten Zweck.

Die Teilnehmerinnen wollen auf den Hebammenmangel aufmerksam machen.Die Teilnehmerinnen wollen auf den Hebammenmangel aufmerksam machen.

Mühlacker. Der Respekt vor dem Muddy Angel Run in Stuttgart dürfte bei den knapp über 30 Frauen aus der Region langsam steigen. Schließlich ist es nicht mehr weit bis zum 21. Juli. An diesem Sonntag müssen die Hobbysportlerinnen unerschrocken und tapfer sein, denn der Fünf-Kilometer-Lauf im Gazi-Stadion ist mit Hindernissen und Schikanen gespickt. Und der Name ist Programm: Schlammig wird es auch. Schwieriger als eine Geburt wird die Schlammschlacht aber nicht werden, was den harten Kern der großen Gruppe ermutigen dürfte.

Die Idee zur Teilnahme am Muddy Angel Run, bei dem ausschließlich Frauen ins Rennen gehen dürfen, wurde nämlich in einer Rückbildungsgruppe in Mühlacker geboren. Die Lienzingerin Franziska da Costa Matias erinnert sich: „Unsere Hebamme Manuela Röse macht in einem Fitnessstudio in Mühlacker eine anspruchsvolle Rückbildung mit Hanteln, Gummibändern und Bällen.“ Das sei schon „drillmaster-mäßig“, sagt da Costa Matias mit einem Lachen. Doch die Übungen sind für die Frauen, die auf dem Weg zurück zur alten Figur sind, wichtig. Denn während sich die Gebärmutter nach der Schwangerschaft auf ihre ursprüngliche Größe zurückbildet, brauchen Beckenboden und Bauchmuskulatur aktive Unterstützung.

Den Einfall, am Muddy Angel Run in Stuttgart teilzunehmen, hatte indes Franziska da Costa Matias, die ihre Tochter Paulina vor rund neun Monaten zur Welt gebracht hat. „Für mich und einige andere war das ein Anreiz, auch nach der Rückbildung in Bewegung zu bleiben“, erklärt die 30-Jährige. Für viele Mütter sei es nach einer Geburt ein Problem, den Allerwertesten für Sport hochzukriegen. Beim Muddy Angel Run ist aber der Spaßfaktor ganz wichtig, gleichwohl laufen, kriechen, krabbeln und klettern die Teilnehmerinnen auch für den guten Zweck. Ein kleiner Teil des Startgelds kommt dem Verein Brustkrebs Deutschland zugute.

Die Veranstaltung gibt es seit 2016. Gestartet wurde in der deutschsprachigen Region, mittlerweile gibt es laut der Internetseite der Organisatoren „über 30 Events in sechs verschiedenen Ländern“. Da Costa Matias hat noch keine Wettkampferfahrung, weiß aber, dass ohne Training nichts geht. Fast täglich joggt sie deshalb mit Schäferhundmischling Zorro durch die Lienzinger Landschaft. Dass die Herausforderungen, die der Parcours stellt, ein untrainierbares Überraschungspaket sind, weiß die junge Mutter. „Ich springe diesbezüglich einfach ins kalte Wasser“, sagt sie. Besser gesagt: in den kalten Schlamm.

Diesbezüglich stellt sich da Costa Matias übrigens eine ganz praktische Frage: „Was für Schuhe ziehe ich an, ich möchte die nach dem Event schließlich nicht ausmustern.“ Die 30-Jährige muss beim Muddy Angel Run Gas geben. Im Ziel wartet nämlich Ehemann Felix mit Tochter Paulina. „Mein Mann hat schon gewitzelt, dass ich mich beeilen muss, schließlich wird Paulina irgendwann Hunger kriegen“, sagt da Costa, die noch stillt, mit einem Lachen.

Ins Rennen gehen werden die Starterinnen aus der Region in der Landeshauptstadt alle mit einem speziellen T-Shirt. „Ohne meine Hebamme wäre ich alleine am Start“, steht auf dem Kleidungsstück. Der Hintersinn der Botschaft: „So eine Geburt ist ja wie ein Marathon mit Hindernissen, bei dem man manchmal denkt, alleine komme ich da nicht drüber.“ Die Unterstützung von Röse sei sehr wichtig gewesen. „Wir wollen gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Hebammen sind.“ Zur Erinnerung: Auch in der Region ist der Engpass rund um die Betreuung von Schwangeren und frischgebackenen Müttern spürbar.

Dass die Gruppe mit der Teilnahme an der Veranstaltung auf den Hebammenmangel aufmerksam machen will, begrüßt Manuela Röse, die im Rückbildungskurs aktuell rund 35 Mütter betreut, ausdrücklich. „Ich finde es gut, dass so auf das Problem aufmerksam gemacht wird“, sagt sie. Deshalb habe sie sich auch entschlossen, selbst am Muddy Angel Run teilzunehmen.

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