Schlag auf Schlag

Mittrainiert: Beim GC Pforzheim, der am kommenden Wochenende seinen 30. Geburtstag feiert, geht es lockerer zu als gedacht

Von Julia Klassen Erstellt: 20. Mai 2017, 00:00 Uhr
Schlag auf Schlag Julia Klassen hat den Dreh beim Abschlag relativ schnell raus, auch wenn mancher Drive danebengeht. Foto: Fotomoment

Kaum eine andere Sportart hat so sehr mit Vorurteilen zu kämpfen wie Golf. Vom Sport für Superreiche bis zum Sport für alte Herren ist alles dabei. MT-Mitarbeiterin Julia Klassen wollte beim Schnuppertraining beim GC Pforzheim herausfinden, ob an den Klischees etwas dran ist.

Golftrainer Normand Cournoyer korrigiert die Körper- und Schlägerhaltung von Julia Klassen.Golftrainer Normand Cournoyer korrigiert die Körper- und Schlägerhaltung von Julia Klassen.

Ölbronn-Dürrn. Früher galt: Betuchte Herren ab einem gewissen Alter spielen meistens Golf. Das ist wahrscheinlich immer noch so. Aber: Auch junge Männer, junge und nicht mehr ganz so junge Frauen, Kinder und Jugendliche trifft man heute auf dem Golfplatz. „Die Sportart hat sich geöffnet“, heißt es. Das ist schnell gesagt. Ob es auch stimmt und warum anscheinend immer mehr Menschen die Golfleidenschaft packt, das will ich beim Golfclub Pforzheim herausfinden.

Noch bevor ich auf der Anlage in Ölbronn-Dürrn ankomme, stelle ich mir die Frage aller Frauen: Was ziehe ich an? Im Kopf gehe ich die Bilder von Golfern durch, die ich kenne: Tiger Woods, Martin Kaymer, Nick Faldo, Bernhard Langer. Ein Polohemd habe ich nicht zur Hand, aber eine bequeme Stoffhose und ein T-Shirt tun es wohl auch. Dazu Turnschuhe – fertig ist mein Golf-Outfit, von dem ich hoffe, das es der Etikette entspricht.

Als ich Normand Cournoyer sehe, bin ich beruhigt. Das Outfit passt. Der 42-Jährige ist Kanadier, Golfprofessional und für die nächsten Stunden mein Trainer. Auch er musste sich erst an die etwas strengeren Regeln auf deutschen Golfplätzen gewöhnen. „In Kanada gibt es eine andere Golf-Philosophie“, erzählt er: „Dort braucht man keine Platzreife, da heißt es Pay and Play, also bezahle und spiele.“ In Deutschland braucht man, ehe man auf den clubeigenen Golfplätzen spielen darf, die Platzreife. Das ist eine Art Führerschein für Golfer. So soll sichergestellt werden, dass Anfänger erst dann auf dem Golfplatz spielen, wenn sie sich und andere nicht gefährden, ein einigermaßen zügiges Spiel gewährleisten können – und die Regeln und Etikette kennen. Dieser deutschen Gründlichkeit kann der Kanadier durchaus Positives abgewinnen: „Die Plätze sehen hier sehr viel besser aus, eine gewisse Etikette muss sein, man darf aber die Lockerheit nicht verlieren. Vor allem soll Golfen ja Spaß machen.“

Das will ich jetzt testen. Und zwar auf der Driving Range, dem Übungsplatz. Einer der größten in Süddeutschland übrigens. Aus seinem Golfbag zieht der Coach zielsicher ein Eisen und drückt es mir in die Hand. Wie man aus der Fülle von Schlägern immer den richtigen erwischen soll, ist mir ein Rätsel. „Es gibt für jede Situation den Passenden“, erklärt mir Normand Cournoyer, „ein Elektriker kommt ja auch nicht mit nur einem Schraubenzieher zur Arbeit.“

Ich lege mir den Ball zurecht, schwinge den Schläger nach hinten, so wie es mir der Profi gezeigt hat. Ich ziehe das Eisen durch und schaue wie ein alter Hase dem Ball hinterher – das Problem ist, dass ich ihn nicht sehe. Er liegt nämlich immer noch dort, wo ich ihn hingelegt hatte. „Ganz normal“, kommentiert Normand Cournoyer, „am Anfang trifft man nicht gleich.“ Er korrigiert den Griff, meine Haltung und die Stellung des Schlägers. Beim zweiten Versuch treffe ich den Ball. Allerdings hoppelt er eher über die Wiese, als dass er in hohem Bogen 200 Meter weit segelt wie bei Normand Cournoyer.

Mein Ehrgeiz ist geweckt und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Immer wieder treffe ich den Ball jetzt richtig. Es ist ein tolles Gefühl. Immer wieder gehen die Schläge aber auch total daneben. Am besten funktioniert es, wenn ich wenig Kraft einsetze und locker bleibe. „Anfänger denken oft, je härter sie draufhauen, desto weiter fliegt der Ball“, sagt mein Trainer, „dabei kommt es nur darauf an, wie man den Ball trifft. Die Weite reguliert man über die verschiedenen Schläger.“

Besondere Voraussetzungen brauche man nicht, betont Normand Cournoyer: „Jeder kann golfen lernen, egal in welchem Alter.“ Etwas leichter hätten es allerdings diejenigen, die bereits Tennis, Hockey, Badminton, Squash oder Volleyball gespielt haben. „Auch Boxer und Turner tun sich interessanterweise leichter“, sagt der Trainer, der bereits in Griechenland, in der Karibik und in Frankreich gearbeitet hat – und dessen zweijähriger Sohn sogar schon den Schläger schwingt. In diesem Alter hat übrigens der US-Star Tiger Woods auch angefangen. „Normalerweise können Kinder ab etwa fünf Jahren mit Golfen anfangen“, sagt Cornelia Zoller von der Geschäftsleitung des Golfclub Pforzheim, „in diesem Alter können Kinder fast jede sportliche Bewegung durchführen – und das Ganze spielerisch. Die Kinder putten mit Plastikschlägern oder führen den Ball durch einen Parcours, um eine Schläger-Ball-Koordination zu erlernen.“

An Letzterem könnte ich auch noch eine ganze Weile arbeiten, doch das Training neigt sich dem Ende zu und wir wollen auch noch putten. Denn das ist ja das Ziel beim Golfen: den Ball im Loch versenken. Hierfür gibt es natürlich einen anderen Schläger, den Putter. Man braucht eine ruhige Hand und ein gutes Auge, sonst kullert der Ball so wie bei mir am Ziel vorbei.

Bis zu meiner Platzreife dürfte es noch dauern. „Wie schnell man die erreicht, ist abhängig davon, wie oft man trainiert und wie talentiert man ist“, sagt Normand Cournoyer, „manche schaffen das in einem Monat.“ Dann hat der Golfer die Möglichkeit, das ganze Clubleben auszukosten. „Bei uns geht es gesellig zu“, sagt Cornelia Zoller, „es ist für jeden etwas dabei. Der sportliche Spieler kann sich bei den Mannschaften engagieren. Senioren, Damen und Herren pflegen ein sportliches und geselliges Miteinander und auch der Privatrundenspieler kann alleine oder mit Freunden seinen Sport in einer faszinierenden Naturlandschaft ausüben.“

Klingt alles toll. Doch wer kann sich das leisten? Golf ist doch schweineteuer – sagt das Klischee. Cornelia Zoller relativiert dies: „Golf entwickelt sich immer mehr zum Breitensport. So kostet mittlerweile eine Mitgliedschaft, mit der man ganzjährlich täglich seinem Sport nachgehen kann, nicht mehr als beispielsweise 14 Tage Skifahren im Jahr.“ Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den 26. Mai. Dann feiert der Golfclub nämlich seinen 30. Geburtstag und bietet Schnupperstunden für Einsteiger an – und das ganz umsonst.

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