Training mit lebendigen Gewichten

Mittrainiert: Bei Fit dank Baby im Tanzstudio Friedrich hat MT-Reporterin Julia Klassen auch ohne eigenen Säugling Spaß

Von Julia Klassen Erstellt: 18. August 2018, 00:00 Uhr
Training mit lebendigen Gewichten Die 8,5 Monate alte Lena hat sichtlich Freude an ihrer Rolle als Trainingspartnerin von MT-Reporterin Julia Klassen. Foto: Fotomoment

Viele Frauen, die ein Kind bekommen haben, kennen das Problem: Irgendwie ist man nicht mehr so fit wie vor der Schwangerschaft. Aber irgendwie hat man auch keine Zeit für sich – geschweige denn für Sport. Im Tanzstudio von Tanja Friedrich können Mütter zusammen mit ihren Babys an ihrer Fitness arbeiten, die Babys spielen dabei eine gewichtige Rolle. MT-Mitarbeiterin Julia Klassen hat mittrainiert.

Mühlacker. Plötzlich halte ich Olga in den Armen. Sie schaut mich mit starren Augen an und ist ganz ruhig, als ich sie auf meine Hüfte setze. Um uns herum krabbeln und robben Babys. Manche liegen auf dem Bauch und schauen die neuen Kursteilnehmer neugierig an, manche brabbeln, andere gönnen sich vor dem Training noch eine kleine Stärkung an der Brust ihrer Mutter. Olga hat offensichtlich keinen Hunger. Dabei könnte sie es vertragen. Sie ist klein, vielleicht 50 Zentimeter lang, und sehr leicht, nicht mal ein Kilo wiegt sie, schätze ich. Olga macht immer noch keinen Mucks.

Vermutlich liegt es daran, dass Olga eine Puppe ist – und heute meine Trainingspartnerin. Damit habe ich einen erheblichen Vorteil gegenüber den anderen Müttern, die mit ihren echten und quietschfidelen Kindern bei Fit dank Baby im Tanzstudio Friedrich teilnehmen. Ihre Säuglinge wiegen deutlich mehr als meine Olga, zwischen sieben und zehn Kilo, und sie bewegen sich. Und da bei Fit dank Baby mit dem Baby trainiert wird, spielt das Gewicht des Nachwuchses keine zu unterschätzende Rolle. Je schwerer, desto anstrengender. Ich werde es später auch noch am eigenen Leib erfahren.

„Bei uns wächst das Trainingsgewicht mit“, sagt Tanja Friedrich, die die Kurse seit 2012 in ihrem Tanzstudio anbietet. Sobald frischgebackene Mütter ihre Rückbildung abgeschlossen haben, können sie mit ihren Babys zum wöchentlichen Training kommen. „Für viele Mütter kommt es nicht infrage, ihre Babys für die Dauer einer Sportstunde bei Oma oder Papa zu lassen; wenn sie stillen, geht das ja meistens auch gar nicht“, weiß Tanja Friedrich, selbst Mutter einer 14-jährigen Tochter. „Für diese Mamas ist das Fit-dank-Baby-Programm optimal. Sie selbst haben die innere Ruhe, weil ihre Babys bei ihnen sind, und die Babys haben ihren Spaß. Obendrauf gibt es den Austausch mit anderen jungen Müttern“, sagt die Tanzlehrerin aus Bauschlott. Eine Krabbelgruppe mit Fitnessprogramm also.

Es ist überraschend ruhig im Trainingsraum der Tanzschule. Kein Baby schreit, keines ist unruhig. Meines schon gar nicht. Mit großen Augen beobachten die Kleinen ihre Mamas, als es mit dem Aufwärmen losgeht. Während wir die Arme kreisen lassen und die Muskeln dehnen, liegen die meisten Babys auf der Matte. Ein, zwei besonders mobile Exemplare haben sich allerdings auch schon auf den Weg gemacht – und schauen sich meine Olga genauer an.

Zum Singspiel robben sie dann aber lieber schnell wieder zu ihren Mamas. Denn nun sind die Babys an der Reihe. Das „Lied über mich“ kennen Mütter und Kinder schon. Fröhliches Glucksen und Lachen sind zu hören, als wir das Lied gemeinsam singen und die Babys kitzeln, streicheln und bewegen. Nur Olga gibt sich mal wieder unbeeindruckt. „Kinder…“, denke ich: „Sie geben einem ja so viel zurück.“ Puppen allerdings nicht. Ich strenge mich trotzdem an.

Nach der Gesangseinlage wird klar, warum Tanja Friedrich uns zur Begrüßung einen blauen Bauchgurt umgelegt hat. Dort hinein werden jetzt die Babys geschnallt. Als wir uns alle vor dem großen Spiegel versammeln, sitzt Olga sicher und fest auf meiner Hüfte mit dem Gesicht zu mir. Tanja Friedrich prüft nochmals, ob auch wirklich jedes Kind die richtige Position hat, dann geht es los. Aerobic mit Zusatzgewichten – wir marschieren, gehen mit großen Schritten nach rechts und links, heben die Knie und schlagen die Fersen an den Po. Die Kinder wippen im Takt mit, und die meisten haben sichtlich Spaß. Eines ist allerdings auch eingeschlafen.

Nur Olga… nun ja, Sie wissen schon. Dafür ist sie, wie gesagt, schön leicht. Die anderen Frauen werfen mir neidische Blicke zu, und ich stelle mir vor, wie anstrengend das Ganze mit acht Kilo mehr vor dem Bauch sein mag. Ziemlich anstrengend wahrscheinlich, vor allem, wenn man erst wenige Monate zuvor ein Baby zur Welt gebracht hat. Ich komme nämlich auch mit meiner Olga schon ein bisschen ins Schwitzen.

Nach dem Aerobic-Teil geht es wieder auf die Matte. Nun kommen Übungen für Bauch, Beine und Po und natürlich – ganz wichtig nach einer Geburt – für den Beckenboden. Tanja Friedrich gibt die Wiederholungen vor und achtet darauf, dass die Übungen richtig ausgeführt werden. Sie hat übrigens auch eine kleine Olga bei sich, mit der sie die korrekte Technik zeigt. „Wir beanspruchen alle Muskelgruppen, das gibt am Anfang schon ziemlich Muskelkater“, sagt sie und erinnert sich: „In den ganzen Jahren haben erst zwei Mamas die Übungen als zu leicht empfunden.“

Leicht habe ich es nun übrigens auch nicht mehr. Denn ich habe Olga gegen Lena getauscht. Die Kleine schaut mich mit einem zuckersüßen Lächeln an, als ich sie, auf dem Rücken liegend, zum ersten Mal mit gestreckten Armen in die Höhe stemme. Lena, das hat mir ihre Mutter verraten, wiegt stolze zehn Kilo. Ich schaue kurz nach links, wo ihre Mama mühelos meine zarte Olga in die Höhe stemmt. Lena gluckst. Trotz der Zusatzkilos macht das Training mit einem Baby aus Fleisch und Blut doch noch mehr Spaß. Und es ist natürlich effektiver. Daran habe ich keinen Zweifel, denn nach der zehnten Wiederholung spüre ich meine Muskeln schon ganz schön. Doch weil Lena so schön lacht, mache ich tapfer weiter, denn – und das wissen alle Eltern: Wenn sie lächeln, dann ist alles vergessen. Zumindest fast. Zumindest meine Muskeln werden sich morgen bestimmt an die Anstrengung erinnern.

Danach darf ich Lena bäuchlings auf meine Schienbeine legen. Meine Knie sind angewinkelt, und ich schaukle die Kleine vorsichtig vor und zurück. Bei mir geht das in die Bauch-, bei Lena in die Lachmuskeln, was ja irgendwie dasselbe ist. So haben wir beide etwas davon.

Nach der Übung gebe ich Lena zu ihrer Mama zurück. Und bekomme Olga wieder. Sie kommt mir jetzt noch leichter vor als zuvor. Und noch lebloser. Die restlichen Übungen und den Stretchingteil zum Abschluss mache ich mit Olga, die alles teilnahmslos über sich ergehen lässt. Ich schaue zu Lena und ihrer Mama. Mama schwitzt, Lena hat Spaß. Das sind die neun Kilo Zusatzgewicht auf jeden Fall wert.

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