Zwischen Detroit und Defensive

Ball und Beruf: Für seinen Arbeitgeber kommt Raphael Gulden in der Welt herum, beim TSV Ötisheim spielt er als Innenverteidiger

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 7. Januar 2016, 00:00 Uhr
Zwischen Detroit und Defensive Raphael Gulden arbeitet im Maschinenbau bei der Witzenmann GmbH in Pforzheim, wo jede Abteilung jährlich eine eigene Fußballmannschaft zum Firmenturnier stellt. Foto: Stahlfeld

Was machen die Amateurfußballer der Region eigentlich sonst so? Dieser Frage ist das Mühlacker Tagblatt nachgegangen und stellt einige der Fußballer und ihren beruflichen Alltag in loser Folge vor. Diesmal haben wir Raphael Gulden vom TSV Ötisheim an seinem Arbeitsplatz in Pforzheim besucht.

Enzkreis. Zum Glück ist Ende Januar und Anfang Februar beim Fußball noch Winterpause, sonst müsste der TSV Ötisheim doch glatt auf einen Innenverteidiger verzichten. Raphael Gulden ist dann nämlich für gut zwei Wochen beruflich in Indien unterwegs, wo die Pforzheimer Firma Witzenmann, bei der Raphael Gulden arbeitet, seit 2008 in der Stadt Chennai eine Niederlassung betreibt. Gulden wird dort beim Aufbau einer Rohrschweißanlage helfen.

Von Indien aus so kurz mal zum Training oder zum Spiel – daran ist freilich nicht zu denken, auch wenn der 22-Jährige ansonsten einiges tut, um seine Fußballleidenschaft leben zu können. Denn diese Leidenschaft gilt nicht nur dem TSV Ötisheim. Am Arbeitsplatz in der Witzenmann-Halle in Pforzheim hängen auch Aufkleber vom VfB Stuttgart. Gulden besitzt eine Dauerkarte. Und wenn er sonntags ein Spiel für den TSV Ötisheim hat und der VfB ebenfalls in Stuttgart spielt dann kann es schon mal eng werden. „Da fahr ich nach meinem Spiel noch schnell ins Stadion, auch wenn es nur zur zweiten Halbzeit reicht“, erzählt der Ötisheimer und gesteht, dass er manchmal als bekennender VfB-Fan im Betrieb keinen leichten Stand hat – wie auch, wenn der Meister ausgerechnet Bayern-Fan ist. „Es gibt kleine Neckereien“, so Gulden, der montags die Sprüche schon kennt, wenn der VfB mal wieder verloren hat. „Was in letzter Zeit öfters vorkommt“, leidet der Fußballer mit seinem Lieblingsverein.

Ob Arbeit oder Fußball, nur Engagement bringt Erfolg

Gulden schloss im Februar 2015 seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Witzenmann ab und ist dort im Maschinenbau tätig. Er und seine Kollegen halten die Technik instand. Wie das Beispiel Indien zeigt, gehören Reisen zu den ausländischen Werken bei Gulden zum Programm.

Indien ist keinesfalls der erste Auslandsaufenthalt für Raphael Gulden während seiner Zeit bei Witzenmann. Schon als Auszubildender war er für sieben Wochen in den USA. „Jedes Jahr werden zwei Azubis in den Sommerferien nach Detroit geschickt“, erzählt der einstige Realschüler. „In den USA gibt es kein duales Ausbildungssystem. Alles ist anders“, stellt Gulden rückblickend fest. „Auch die Leute sind etwas verrückter.“

Dass ausgerechnet er für die Detroit-Reise ausgewählt wurde, liegt vielleicht an seinem Engagement. „Mit Einsatzbereitschaft hat es immer was zu tun, es gibt nichts geschenkt“, zieht Raphael Gulden Parallelen zwischen seiner Arbeit und dem Fußball. Hier wie dort müsse man sich einbringen, um Erfolg zu haben.

Gulden hat außerdem noch Glück. Bei Witzenmann wird Sport wichtig genommen. „Wir haben eine eigene Betriebsmannschaft“, berichtet Gulden vom jährlich stattfindenden Witzenmann-Cup, zu dem die einzelnen Abteilungen Teams stellen. Beim Internationalen Witzenmann-Cup reisen dann auch die Kollegen aus Spanien, Italien und anderen Ländern mit Niederlassungen an. Mit der Azubi-Mannschaft hat er in den letzten Jahren immer den zweiten Platz belegt. Und beim Turnier gleich die Kollegen aus den anderen Abteilungen kennengelernt.

Seine Arbeit an der Werkbank kann anstrengend sein, doch auch da kommt ihm sein Hobby Fußball zugute: „Ich bin körperlich fit.“ Fußball oder Beruf – für Raphael Gulden ist vermutlich das eine so wichtig wie das andere. Und beides zusammen lässt ihn gut sein, bei der Arbeit und auf dem Platz: „Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch richtig machen.“

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