Zweimal über den zweiten Bildungsweg

Ball und Beruf: Sowohl als Architekt wie auch als Fußballer ist Tim Baum gewissermaßen ein Spätberufener

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 16. Januar 2016, 00:10 Uhr
Zweimal über den zweiten Bildungsweg Architektur geht heutzutage ohne Reißbrett: Tim Baum plant seine Neubauten komplett am Computer. Foto: Eigner

Seit Kurzem besucht das Mühlacker Tagblatt Amateurfußballer der Region dort, wo sie Profis sind: am Arbeitsplatz. In loser Folge stellen wir die Spieler und ihren beruflichen Alltag vor. Im fünften Teil unserer Serie geht es um einen, der mal Stürmer, mal Verteidiger spielt: Tim Baum von der SG Ölbronn-Dürrn.

Ölbronn-Dürrn. Eine große, lichtdurchflutete Dachgeschosswohnung in einem ruhigen Neubaugebiet in Stein, umfunktioniert zum Architekturbüro, ist der Arbeitsplatz von Tim Baum. In der Regel morgens gegen 8 Uhr fährt er von seinem Wohnort Kieselbronn in sein Büro und schaltet den PC ein. Ein großes Reißbrett sucht man vergeblich, Häuser werden heutzutage mit der Maus auf dem Bildschirm entworfen. Genau das ist die Aufgabe von Tim Baum in dem kleinen vierköpfigen Familienunternehmen „RS bauwerq GmbH“, das im März 2013 gegründet wurde. Er konzipiert und plant den Neubau von Mehrfamilienhäusern vom Grundriss bis hin zum Zuschnitt der Wohnungen.

„Das sind klassische Bauträgergeschichten. Wir schauen uns gemeinsam Grundstücke an, die wir dann erwerben. Darauf bauen wir Häuser und verkaufen dann die Wohnungen“, erklärt Tim Baum das Geschäftsmodell von RS bauwerq. Jüngst wurde ein Objekt in Königsbach fertiggestellt. „Da sind jetzt die Leute eingezogen. Unter anderem haben wir zurzeit ein Projekt in Birkenfeld am Laufen, wo der Rohbau fertig ist. Für ein Projekt in Ötisheim warten wir auf die Baugenehmigung.“

Tim Baum war nicht immer Architekt, gleichwohl hatte er schon in seinem vorherigen Berufsleben auf dem Bau zu tun. „Ich war Zimmermann und habe irgendwann beschlossen, dass ich nicht mit über 50 noch auf Dächern herumturnen will.“ Er wählte den zweiten Bildungsweg, machte die Fachhochschulreife, studierte dann in Karlsruhe. Ausschließlich Bürotätigkeit ist allerdings auch nicht sein Ding. „Ich bin kein reiner Entwurfsarchitekt, der immer nur am PC sitzt. Ich muss auch mal auf dem Bau sein und mir den Fortschritt der Arbeiten ansehen.“

Tim Baum war auch nicht immer Fußballer, auch da ist er eher ein Spätberufener. „Ich habe lange Tennis gespielt, aber natürlich oft mit den Kumpels irgendwo gekickt. Fußball im Verein habe ich aber erst mit 13 oder 14 Jahren angefangen“, erzählt der 30-Jährige, der mit Ausnahme einer kurzen Zeit beim 1. FC Kieselbronn in der Landesliga, immer bei der SG Ölbronn-Dürrn aktiv war. Denn in Dürrn ist Tim Baum aufgewachsen.

In der Jugend spielte er Verteidiger, wechselte in der A-Jugend dann in den Angriff. Etliche Jahre lief er auch in der Aktivenelf als Stürmer auf, bis ihn Gero Italiano vor etwa zwei Jahren wieder als Innenverteidiger aufstellte. Diese Position bekleidet Tim Baum unter dem seit Saisonbeginn amtierenden Trainer Dietmar Dierlamm. „Das funktioniert ja auch ganz gut. Und vorne haben wir einen, an dem ich momentan eh nicht vorbeikäme“, sagt Tim Baum mit einem Grinsen. Seine Mannschaft ist in der Kreisklasse A 1 Tabellenführer und stellt in Florian Breit, der in dieser Saison schon 25 Treffer erzielt hat, auch den Führenden der Torjägerliste.

Beruf und Fußball unter einen Hut zu bekommen, ist für Tim Baum überhaupt kein Problem. „Mein Chef ist selber Fußballfan und sponsert uns sogar“, sagt Baum und zeigt die rote Trainingsjacke, die sowohl der Schriftzug des Vereins als auch des Architekturbüros ziert. „Wer eine Mannschaftssportart wie Fußball betreibt, ist ein Teamplayer. Und auch hier im Architekturbüro arbeiten wir als Team“, sieht Michael Spindler, der Gesellschafter und Geschäftsführer der RS bauwerq GmbH, einen klaren Vorteil in Tim Baums sportlicher Aktivität. Und weil Spindler ebenfalls aus Dürrn stammt, hat auch er eine emotionale Bindung zur SG Ölbronn-Dürrn.

Tim Baum selbst empfindet den Fußball als körperlichen und geistigen Ausgleich zu beruflichem Stress. „Wir trainieren zweimal pro Woche, hinzu kommt ein Punktspiel sonntags. Sobald ich auf dem Sportplatz bin, kann ich den Kopf abschalten“, sagt Baum.

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