Zweimal im Jahr hört die Freundschaft auf

Ball und Beruf: Torsten Riexinger ist beim Fußball der Kumpel und im Beruf der Chef von Manuel Bergtold und Steffen Weissert

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 5. Januar 2016, 00:00 Uhr
Zweimal im Jahr hört die Freundschaft auf Ein Team am Arbeitsplatz in Knittlingen: Torsten Riexinger (v.li.), Manuel Bergtold und Steffen Weissert. Foto: Stahlfeld

Was machen die Amateurfußballer der Region eigentlich sonst so? Dieser Frage ist das Mühlacker Tagblatt nachgegangen und stellt Fußballer und ihren beruflichen Alltag vor, heute mit einem Trio: Steffen Weissert vom TSV Maulbronn sowie Manuel Bergtold und Torsten Riexinger vom FV Lienzingen.

Enzkreis. Im einen Moment ist er der Kumpel, im nächsten der Chef und beim nächsten Mal der Trainer. Für Steffen Weissert und Manuel Bergtold nimmt Torsten Riexinger immer wieder eine andere Rolle ein. Kein Wunder: Das Trio begegnet sich nicht nur auf dem Fußball-Spielfeld, sondern auch am Arbeitsplatz.

„Werk 2“ der Nypro Healthcare GmbH in Knittlingen: Hier werden Werkzeuge für die eigene Produktion repariert, instandgehalten oder bei Bedarf neu gebaut. Und hier wird gelegentlich in einem Unternehmen, das eigentlich auf die Entwicklung und Produktion von medizinischen Kunststoffteilen spezialisiert ist, ganz branchenfremd fachgesimpelt.

War der Ausgleichstreffer gerechtfertigt? Wäre der Sieg verdient gewesen? Bei Steffen Weissert, Manuel Bergtold und Torsten Riexinger gehen die Meinungen in jedem Fall auseinander. Denn sie spielen in unterschiedlichen Vereinen. Steffen Weissert tritt beim TSV Maulbronn in der Kreisklasse B1 gegen den Ball, Manuel Bergtold steht beim Ligakonkurrenten FV Lienzingen im Tor. Und der Vorgesetzte von beiden, Torsten Riexinger, ist wiederum Trainer des FV Lienzingen.

„Meistens ist es so, dass man sich am Montag über die Fußballspiele vom Wochenende unterhält“, räumt das Trio ein, dass ab und zu auch am Arbeitsplatz das Thema Fußball ansteht. Dann wird analysiert. „Es ist aber nichts Ernstes oder Nachtragendes“, sagt Torsten Riexinger. Der 40-Jährige ist seit 2006 im Knittlinger Unternehmen tätig. Der gelernte Werkzeugmechaniker ist mittlerweile Werkzeugbau-Leiter. Doch nicht nur beruflich, auch in der Freizeit beim Fußball hat Riexinger als Trainer eine besondere Position. Seit 2014 trainiert er die Lienzinger, die ebenso wie der TSV Maubronn in der Kreisklasse B1 Pforzheim spielen. Und da geht es mitunter sehr eng zu. Zeitweise trennte die beiden Kontrahenten in der aktuellen Saison nur ein Punkt. Anfang Dezember belegte der FV Lienzingen den dritten Platz, auf Platz vier wartete der TSV Maulbronn auf seine Chance. So dicht sich die beiden Vereine auch auf den Fersen sind, aus dem sportlichen Wettkampf wird nie bösartige Rivalität, wie die drei betonen. „Die große Rivalität wie vor Jahren ist nicht mehr gegeben“, erklärt Riexinger. Ebenso wie er ist auch Bergtold ein echter Lienzinger. Der 26-Jährige steht beim FVL im Tor, und seit 2014 ist er auch beruflich in der „Mannschaft“ von Riexinger, also in seiner Abteilung. Der Trainer gab seinem Torwart damals sogar den Tipp, sich als Werkzeugmechaniker beim Unternehmen Nypro Healthcare zu bewerben. Steffen Weissert ist ebenfalls Werkzeugmechaniker und bereits seit seiner Lehrzeit im Knittlinger Unternehmen beschäftigt. Der 31-Jährige ist mittlerweile im administrativen Bereich des Werkzeugbaus tätig. Weissert kommt aus der Klosterstadt Maulbronn, lebt mittlerweile zwar in Berghausen, einem Ortsteil von Pfinztal, seinem Fußballverein ist er allerdings treu geblieben.

Maulbronn oder Lienzingen? Es gibt Fälle, da ist diese Unterscheidung völlig egal. Beim Elfmeterturnier in Zaisersweiher zum Beispiel oder beim Helvetia-Cup. Dann tritt das Trio nämlich gemeinsam in der Firmenmannschaft an. „Das funktioniert sehr gut“, bestätigen die Fußballer. Und ganz exakt bringt dann Steffen Weissert ihr Verhältnis auf den Punkt: „Es gibt nur zwei Sonntage im Jahr, wo wir für 90 Minuten keine Freunde sind.“ Dann nämlich, wenn der FV Lienzingen und der TSV Maulbronn in der Liga aufeinandertreffen.

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