„Will die 100 Tore vollmachen“

Der im Winter vom FV Lienzingen zum CfR Pforzheim gewechselte Stürmer hat mit der Oberliga noch nicht abgeschlossen

Von Silas Schüller Erstellt: 23. Januar 2019, 00:00 Uhr
„Will die 100 Tore vollmachen“ Beim A-Ligist Lienzingen war Daniel Reule in der Hinrunde der Dreh- und Angelpunkt, erzielt in 16 Partien elf Treffer. In Zukunft wird er mit Pforzheim vier Klassen höher spielen. Foto: Schüller

Ob Karlsruhe, Hoffenheim, Kaiserslautern, Reutlingen oder Mannheim: Daniel Reule hat in seiner Karriere schon viele Vereine hautnah erlebt. Im Interview verrät der 35-Jährige, warum er in der Winterpause zum CfR Pforzheim gewechselt ist, bei welchem Club er sich am wohlsten fühlte und wo die größten Unterschiede zwischen dem Amateur- und Profifußball liegen.

Ein alter Bekannter: Der Pforzheimer Neuzugang Reule präsentiert mit CfR-Finanzvorstand Wolfgang Fischer das Trikot des badischen Oberligisten. Ein alter Bekannter: Der Pforzheimer Neuzugang Reule präsentiert mit CfR-Finanzvorstand Wolfgang Fischer das Trikot des badischen Oberligisten.

Herr Reule, Sie haben bei Lienzingen ein halbes Jahr in der A-Klasse gespielt. Nun sind Sie zum CfR Pforzheim gewechselt, hat Sie die Oberliga noch einmal gereizt?

Es ging mir einfach darum, noch mal höher zu spielen und richtig Gas zu geben. Da kam als Ziel eigentlich nur Pforzheim infrage, weil die in der Region am höchsten spielen. Außerdem ist der CfR mein Jugendverein, wo ich meine ganze Jugendzeit verbracht habe. Deshalb wollte ich diesen Schritt jetzt angehen.

Hätten Sie sich im Herbst nach den drei Jahren in Ispringen und Ihrer Position als Spielertrainer in Lienzingen vorstellen können, auf anspruchsvollem Niveau zu spielen?

Über diese Fragen habe ich nie mit jemandem gesprochen, aber für mich war es eigentlich immer klar, dass ich noch einmal angreifen möchte, wenn ich beruflich angekommen bin und familiär alles läuft. Diese Voraussetzungen sind jetzt im Winter gegeben, und deshalb habe ich jetzt vor, die nächsten eineinhalb Jahre mit Pforzheim Gas zu geben.

Wie kam der Kontakt mit dem CfR zustande, ist man auf Sie zugekommen oder haben Sie den ersten Schritt gemacht?

Der erste Schritt ging schon von mir aus, wobei die Entscheidung erst recht kurzfristig im Winter fiel. Ich hab mal mit dem Vorstand gesprochen, und dann hat man sich miteinander auf die eineinhalb Jahre geeinigt.

Ihr Wechsel zu Pforzheim liegt demnach nicht an Ihrem ehemaligen Lienzinger Team?

Keinesfalls, mit Lienzingen war alles in Ordnung. Nach der Vorrunde steht die Mannschaft mit 34 Punkten ja super da [Platz drei; Anmerkung der Redaktion], ich bin mir sicher, dass sie das auch ohne mich packen werden. Die leisten richtig gute Arbeit, außerdem haben sie mit Michael Horntrich einen Top-Trainer und super Motivator. Vielleicht werde ich an der ein oder anderen Stelle fehlen, aber dann wird halt ein anderer meine Tore machen.

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit in Lienzingen, was ist Ihnen positiv in Erinnerung geblieben?

Ich bin ja zum FV gegangen, weil ich Michael privat kenne und ihm einen Gefallen tun wollte. In Lienzingen ist es so ähnlich wie in Ispringen; es sind sehr viele Leute in der ersten und zweiten Mannschaft aktiv, zum Training kommen fast immer 40 Spieler. Es geht sehr familiär zu, jeder engagiert sich im Verein oder im Clubhaus. Ich habe mich in dieser Gemeinschaft sehr wohlgefühlt und eine tolle Zeit gehabt.

Was haben Sie sich mit Ihrem neuen Verein vorgenommen, haben Sie später vor, als Trainer beim CfR einzusteigen?

Die nächsten eineinhalb Jahre konzentriere ich mich auf das Spielen, danach werde ich dem Verein auf jeden Fall verbunden bleiben. Bis zum Sommer im nächsten Jahr will ich den Trainerschein haben, damit ich später in der Richtung was machen kann. Persönlich habe ich mir auch noch ein Ziel gesetzt. Da ich momentan bei 92 Toren in der Oberliga stehe, wäre es natürlich schön, wenn hier beim CfR noch ein paar dazukommen. Ich will die Hunderter-Marke erreichen, und das sollte in dieser Zeit doch möglich sein.

Der CfR spielt seit drei Jahren in der Oberliga, hat aber längerfristig Größeres vor. Was ist für den Club in naher Zukunft möglich?

Das Potenzial für einen Aufstieg ist mit der Stadt und der Mannschaft auf jeden Fall da, allerdings muss man sportlich erst einmal schauen, wie sich die Rückrunde entwickelt. Wir haben sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und wollen mit einer guten Vorbereitung wieder in die Form kommen, die wir zum Ende der Rückrunde hatten, als wir aus fünf Spielen drei Siege und zwei Unentschieden mitnehmen konnten.

Wie ist die Stimmung in der Mannschaft, hat jeder den Willen, in der Rückrunde oben anzugreifen?

Jeder Sportler sollte diese Haltung haben. So ist es auch bei uns, wobei in der Kabine über den Aufstieg nicht großartig gesprochen wird. Klar ist, dass alle jedes Spiel gewinnen wollen, und mit sechs Punkten hinter dem Zweiten ist die Motivation, vorne dranzubleiben, natürlich groß.

Beim FV Lienzingen waren Sie der Chef auf dem Platz, haben viele Ansagen gemacht und Verantwortung übernommen. Das ist im Holzhof naturgemäß anders. Wie sehen Sie Ihre neue Rolle als Pforzheimer Spieler?

Dass ich in Pforzheim nicht in jedem Spiel von Anfang an auf dem Platz stehen werde, ist für mich kein Problem. Ich kann die Situation richtig einschätzen und weiß, dass das Team auf mich zählen darf. Mit Gökhan Gökce, den ich schon seit vielen Jahren kenne, verstehe ich mich sehr gut. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass ich auf meine Einsätze kommen werde.

Sie haben mittlerweile bei einem Dutzend Vereine gespielt. Bei welchem Verein haben Sie sich am wohlsten gefühlt?

Da gibt es für mich gar nichts zu überlegen. Meine besten Jahre hatte ich zweifelsohne bei Waldhof Mannheim. Mit der Stadt, dem Verein an sich und den Fans ist es wirklich schwer, etwas Besseres zu finden. Da hat man in der Oberliga und Regionalliga gespielt, aber vom Gefühl her war das wie in der Bundesliga. Dort wird der Verein gelebt, und das ist schon etwas Besonderes.

Zu Beginn Ihrer aktiven Laufbahn haben Sie sogar mit dem KSC in der 2. Bundesliga gespielt und das Profigeschäft miterlebt. Was ist denn der große Unterschied zwischen dem Profi- und dem Amateurfußball?

Es geht immer um das Tempo und die Fitness. Wenn ich jetzt die A-Klasse mit der Oberliga vergleiche, muss ich sagen: Einen größeren Unterschied gibt es gar nicht. Danach ist der Übergang in die Regionalliga beziehungsweise die dritte Liga schon noch spürbar, aber nicht mehr so deutlich wie der Schritt, den ich jetzt gemacht habe. Von Liga zu Liga wird das Spiel ein bisschen schneller, was natürlich bedeutet, dass man eine bessere Fitness haben muss.

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