Wie Guardiola Leipzig aus dem Pokal warf

Taktikschule: Der langjährige DFB-Stützpunkttrainer Patrick Bouquerot erklärt den modernen Fußball – Heute: der Pep-Ball

Von Julia Klassen Erstellt: 4. November 2017, 00:00 Uhr
Wie Guardiola Leipzig aus dem Pokal warf Der "Pep-Ball" ist ein Lupfer über eine dicht gestaffelte Abwehrkette hinweg in den Lauf eines Stürmers. Grafik: Klassen / fussballtraining.com

Dreierkette, flache Vier, abkippende Sechs, falsche Neun? Wer da bislang nur Bahnhof versteht, dem hilft unser Taktikfuchs: Patrick Bouquerot war Stützpunkttrainer des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Enzberg und erklärt in dieser Serie den modernen Fußball. Heute: „Der Pep-Ball“

 

Enzkreis. Der FC Bayern hat es mal wieder geschafft. Vor kurzem rettete sich der Rekord-Pokalsieger gegen RB Leipzig im Elfmeterschießen ins DFB-Pokal-Achtelfinale gerettet. Dass es so weit kommen konnte, haben die Bayern auch einer taktischen Raffinesse zu verdanken, die ihr ehemaliger Trainer erfunden hat.

 

Was ist der „Pep-Ball“?

„So bezeichnet man einen gechippten, das heißt hoch gespielten Ball über eine nach vorne laufende Abwehrreihe“, erklärt Patrick Bouquerot.

 

Woher kommt die Bezeichnung?

Diese taktische Variante hat sich der ehemalige Bayern-Trainer Pep Guardiola ausgedacht, um die gegnerische Defensive auszuspielen. Entwickelt und umgesetzt hat sie der Spanier bereits zu seiner Zeit beim FC Barcelona. Als er nach München kam, brachte er den Pep-Ball mit.

 

Wie wird der „Pep-Ball“ vorbereitet?

„Eine direkte Vorbereitung der Aktion gibt es nicht“, sagt der Taktikfuchs, „sehr wohl aber typische Ausgangssituation: Der vordere Flügelspieler ist am Ball, die gegnerische Defensive steht sehr nah am eigenen Tor und versperrt dadurch die Handlungsmöglichkeiten für den ballbesitzenden Spieler. Normalerweise kann die angreifende Mannschaft aus dieser Situation keine unmittelbare Torgefahr erzeugen.“ (siehe Grafik)

 

Wie läuft die Aktion ab?

Über einen Rückpass ins Zentrum wird die zugestellte Situation auf dem Flügel aufgelöst. Dadurch schiebt die gegnerische Abwehr nach vorne, um den neuen Ballbesitzer unter Druck zu setzen. Mit dem gespielten Rückpass startet ein Spieler der angreifenden Mannschaft aus dem Mittelfeld nach vorne in die Spitze und der Ball wird hoch in den Lauf des durchlaufenden Spielers gespielt.

Welche Vorteile hat der „Pep-Ball“?

„Die Abwehrspieler haben aufgrund der entgegengesetzten Laufrichtung nach vorne keine Chance mehr einzugreifen“, erklärt Patrick Bouquerot, „außerdem kann ein hoch gespielter Ball nicht einfach abgefangen werden.“

 

Welche Rolle spielte der „Pep-Ball“ im Pokalspiel Bayern gegen Leipzig vor eineinhalb Wochen?

Er führte in der 73. Minute zum 1:1-Ausgleich für Bayern durch Thiago. RB Leipzig stand nach dem Platzverweis (54.) in Unterzahl sehr tief, dadurch kamen die Bayern über die Flügel zunächst kaum durch. Nach einem Rückpass auf Jérôme Boateng versuchten die Leipziger, den deutschen Nationalspieler über gemeinsames Herausschieben unter Druck zu setzen. „Thiago erkannte die Situation und lief gegen die Laufrichtung der Leipziger vom Mittelfeld in die Spitze“, erklärt der Fußball-Trainer. „Er bekam den hohen Ball von Boateng und erzielte den Ausgleich, der Bayern in die Verlängerung rettete.“

 

Bei welchem Spieler ist das Handlungsmuster besonders häufig zu beobachten?

„Gerade Thiago spielt extrem häufig gechippte Bälle über die Abwehrkette“, sagt Patrick Bouquerot, „daran merkt man, dass er unter Pep-Guardiola sowohl in Barcelona als auch in München lange Zeit gespielt hat. Auf diese Art und Weise bereitet er eine Vielzahl exzellenter Torchancen vor – als Abschlussspieler wie gegen Leipzig tritt er allerdings seltener in Erscheinung.“

 

Was haben Sie sich beim Fußballschauen schon immer gefragt? Unser Taktikfuchs Patrick Bouquerot hat bestimmt eine Antwort darauf. Schicken Sie Ihre Frage einfach per E-Mail an:
redaktion@muehlacker-tagblatt.de.

Die bisher erschienenen Folgen der Serie
„Taktikschule“ gibt es im Internet auf
www.muehlacker-tagblatt.de/taktikschule

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