Von Höhenflügen und Abstürzen

Bilanz einer Saison: Lomersheim, Roßwag/Mühlhausen und Türkischer SV Mühlacker sind die Gewinner, Enzberg der große Verlierer

Von Lukas Huber Erstellt: 21. Juni 2019, 00:00 Uhr
Von Höhenflügen und Abstürzen Die Kicker des TSV Phönix Lomersheim feiern die Rückkehr in die Bezirksliga Enz-Murr, aus der sie vor zwei Jahren abgestiegen waren.Fotos: Schüller, Huber

Die Fußballsaison 2018/19 ist Geschichte. Sie hat in der Region sowohl große Gewinner mit Höhenflügen als auch Verlierer hervorgebracht, die abgestürzt und auf dem harten Boden der Tatsachen aufgeschlagen sind.

Enzkreis. „Was simmer?? Meister simmer“, hieß es auf der Facebook-Seite des TSV Phönix Lomersheim bereits am 12. Mai nach dem 2:0-Sieg gegen Besigheim. Zu diesem Zeitpunkt mussten in der Kreisliga A3 Enz-Murr zwar noch fünf Partien gespielt werden, doch das Team vom Wässerle hatte sich durch konstant starke Leistungen über die ganze Spielzeit hinweg einen so großen Vorsprung herausgespielt, dass Verfolger TASG Hessigheim den Sprung auf den ersten Platz nicht mehr schaffen konnte. So hatten die Kicker der ersten Mannschaft von Phönix also ordentlich Grund zum Feiern – was sie Mitte Juni bei einem Ausflug auf die Insel Mallorca auch taten. Letztlich holten sie sich mit 77 und damit 15 Zählern Vorsprung den Meistertitel – und kehren nach dem Abstieg vor zwei Jahren in der kommenden Runde wieder in der Bezirksliga zurück. Kein Verein im Verbreitungsgebiet des Mühlacker Tagblatt spielt höher.

Die Ligakonkurrenten SV Illingen und SV Iptingen hingegen haben ihre Ziele, die sie vor der Runde ausgegeben hatten, nicht erreicht. Die Illinger, die zwar lange vorne mitspielten und sich im Gegensatz zur Vorsaison verbessern wollten, kamen auf den sechsten Rang. Iptingen hatte einen einstelligen Tabellenplatz angestrebt und wurde am Ende Zehnter – mit einem Polster von sechs Zählern auf den direkten Abstiegsplatz in die B-Liga.

Aus eben dieser – nämlich der Kreisliga B7 Enz-Murr – stößt der zweite große Gewinner des Jahres nun zu Illingen und Iptingen: die SG Roßwag/Mühlhausen. 70 Punkte holte die Elf von Ulli Stengel, die sich damit ebenfalls Meister nennen darf. Dass dieses Kunststück allerdings gelingen würde, war zum Jahreswechsel keineswegs in trockenen Tüchern. Nach dem letzten Spiel in 2018 lag die SG mit 33 Zählern nur auf dem dritten Platz – hinter dem VfB Vaihingen und dem TSV Ensingen. Nach der Winterpause machte das Team dann seine Hausaufgaben ordentlich und verlor kein einziges Spiel mehr. Bei elf Siegen kostete nur ein Unentschieden am letzten Spieltag gegen Vaihingen Punkte.

Die anderen Teams in der B7 können nicht wirklich zufrieden sein. Der SV Sternenfels etwa, der nach dem elften Platz in der Vorsaison einen besseren Rang anstrebte, wurde 14. und damit Vorletzter. Nun soll ein Trainerwechsel eine Verbesserung bringen: Imam Özalp geht als Assistenzcoach nach Lienzingen und wird, wie der Verein kürzlich mitteilte, von Jochen Heim ersetzt. Bekannt ist er vor allem durch sein kurzes Engagement 2015 beim TSV Phönix Lomersheim, das nur von Sommer bis Oktober dauerte.

Phönix Lomersheim II (Achter), der TSV Großglattbach (Neunter) und der TSV Wiernsheim (Elfter) beendeten ihre Saison im Niemandsland der Tabelle der B7 Enz-Murr. Bei den beiden letzteren Vereinen stehen für die kommende Runde Trainerwechsel an. Martin „Eule“ Kern hört nach vier Jahren in Großglattbach auf und wechselt nach Wiernsheim, wo er Serkan Ibar beerbt. Für Kern kommt Daniel Fuchs, der früher den SV Iptingen trainierte, in den Mühlacker Stadtteil.

Wirkliche Gewinner gibt es in der Kreisklasse A1 Pforzheim im Verbreitungsgebiet des Mühlacker Tagblatt nicht, dafür aber einen Verlierer: den FC Viktoria Enzberg, der den Gang in die B1-Klasse antreten muss. Bis zum Frühjahr hatte Bernd Common in Enzberg als Trainer das Zepter geschwungen, dann wurde er von Sascha John ersetzt, der bis zum Ende des Jahres 2018 beim Ligakonkurrenten Sportfreunde Mühlacker unter Vertrag stand. Zum Zeitpunkt des Wechsels hatten die Enzberger noch vier Punkte Vorsprung auf das damalige Schlusslicht TSV Ötisheim, doch weil auch mit John der Erfolg ausblieb und Ötisheim in der Rückrunde besser auftrat als in der Hinserie, geht es für die Viktoria eine Etage nach unten. Ein Grund dafür ist sicherlich die schwache Torausbeute des FC, der schon vor der Runde über ein Stürmerproblem geklagt hatte und insgesamt nur 24-mal traf – das bedeutet den schlechtesten Wert der Kreisklasse A1.

Mit dem Abstieg hätte es aber durchaus auch andere treffen können: Lange waren die Sportfreunde und die Fvgg 08 Mühlacker akut gefährdet. 08 rettete sich aber am letzten Spieltag mit einem 2:1-Sieg gegen Meister 1. FC Nußbaum, den Sportfreunden reichte am vorletzten Spieltag ein Punkt gegen die SpVgg Zaisersweiher.

Apropos: Auch die SpVgg spielte lange Zeit gegen den Abstieg, verstärkte sich aber in der Winterpause und kam stark ins Jahr 2019, so dass kurz vor Schluss sogar noch die Aufstiegsrelegation in Reichweite war. Am Ende ging der Elf von Jürgen Widmann aber etwas die Luft aus.

Gar nicht wirklich in den Trott kam die SG Ölbronn-Dürrn, die nach dem Abstieg im vergangenen Jahr aus der Kreisliga Pforzheim den direkten Wiederaufstieg anvisiert hatte. Daraus wurde wegen nicht konstanter Leistungen und insgesamt 13 Niederlagen nichts. Am Ende musste das Team von Dietmar Dierlamm mit dem siebten Platz, also dem grauen Mittelfeld der Tabelle, leben. Sicherlich enttäuscht sind auch die Verantwortlichen des FV Lienzingen und des FV Knittlingen. Beide Vereine lieferten sich über weite Strecken ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den begehrten zweiten Rang, der für die Aufstiegsrelegation berechtigt. Den schnappte sich allerdings am Ende der FV Göbrichen, der das Entscheidungsspiel gegen SpG Unterreichenbach/Schwarzenberg mit 5:2 nach Verlängerung für sich entschied und damit dem 1. FC Nußbaum in die Kreisliga Pforzheim folgen darf. Lienzingen, wo Michael Horntrich Trainer ist, musste sich mit dem dritten Platz zufrieden geben, Knittlingen rangiert mit seinem Trainerduo Alexander Zimmermann und Alexander Genthner einen Rang dahinter.

In der A-Klasse wird in der kommenden Saison indes der Türkische SV Mühlacker mitmischen, der sich zum dritten großen Gewinner im Verbreitungsgebiet des Mühlacker Tagblatt geschossen hat. Zwar wurde die Mannschaft am Ende nur Zweiter in der Kreisklasse B1 Pforzheim hinter der TG Stein, doch das lag nur am leicht schlechteren Torverhältnis und änderte nichts am sicheren Aufstieg, den sich die Türken vor der Runde sehnlichst gewünscht hatten. Wer in der kommenden Saison an der Seitenlinie bei den Mühlackerern stehen wird, war zuletzt noch unklar. Kerim Günacti wird, wie berichtet, wohl eher nicht weitermachen.

Der TSV Maulbronn, der in der B-Klasse „eine gute Rolle spielen“ wollte, hat sein Ziel erreicht: Die Verantwortlichen hatten sich vor Rundenbeginn einen Platz unter den Top-Fünf gewünscht, am Ende landete der TSV auch auf Platz Fünf. Die zweite Mannschaft des TSV Knittlingen, die lange Zeit abstiegsbedroht war, schaffte es noch rechtzeitig vor Schluss aus der Gefahrenzone. Das sei, wie der Verein kürzlich mitteilte, auch die Vorgabe gewesen.

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