Steillagen-Training für den Gipfelsturm

Die SG Roßwag/Mühlhausen macht sich für die Rückrunde unter anderem im Weinberg fit und hat den Aufstieg im Visier

Von Maik Disselhoff Erstellt: 13. Februar 2019, 00:00 Uhr
Steillagen-Training für den Gipfelsturm VfB Vaihingen (blaue Trikots) gegen SG Roßwag/Mühlhausen: Trotz des 0:0-Endstands war das Duell der Lokalrivalen ein Leckerbissen für die Zuschauer. An die Leistung dieses Spiels muss die SG anknüpfen, wenn sie ihren Aufstiegstraum verwirklichen will. In dieser Szene setzt sich Marius Zimmermann gegen zwei Vaihinger Spieler durch.Foto: Schüller

Verschärfter Trainingsrhythmus, Testspiele und schweißtreibendes Konditionstraining in extremer Steillage: Die Spielgemeinschaft Roßwag/Mühlhausen macht sich für die Rückrunde warm und träumt weiterhin vom Aufstieg.

Mühlhausen/Rosswag. Die Fußballer von Trainer Ulli Stengel müssen zurzeit ganz schön schuften, um die zusätzlichen Pfunde, die sich über die Winterpause angesammelt haben, wieder loszuwerden. Auch konditionell gibt es viel zu tun. Rechtzeitig zum Anpfiff der Rückrunde in der Kreisliga B7 am 3. März muss die Form stimmen. Stengel, der die SG Roßwag/Mühlhausen seit zwei Jahren betreut, hat seinen Spielern deshalb ein schonungsloses Programm verordnet.

Dass er seinen Jungs in der Vorbereitung viel abverlangt, weiß der 53-Jährige. Aber es hilft nichts: „Die haben fast zwei Monate nichts gemacht“, so der Trainer, „die sind vom Leistungsstand her teilweise im Minus.“ Stengel macht sich bei seinem Fitnesstraining die Gegebenheiten vor Ort zunutze. Die Weinbaugemeinde Roßwag ist berühmt für ihre Steillagen, und in die hat der Trainer seine Spieler zum Lauftraining geschickt. Spätestens jetzt wissen alle SG-Spieler, dass der schwäbische Begriff „Stäffele“ nur dann niedlich klingt, wenn man die Stufen im Weinberg nicht im Eiltempo hinauf muss. Stengel ist mit der Motivation seiner Fußballer zufrieden. „Die ziehen beim laufintensiven und schweißtreibenden Training gut mit.“ Vielleicht liegt das auch an der Tabellensituation des 2016 fusionierten Teams, das in der Kreisliga B7 mit 33 Punkten aktuell auf Platz drei steht. Zweiter ist der TSV Ensingen, der ebenfalls 33 Zähler, aber eine bessere Tordifferenz aufweist. Spitzenreiter ist die SGM Riexingen II mit 36 Punkten. Dass es in der B7-Liga viele starke Mannschaften gibt, zeigt sich auch am Viert- und Fünftplatzierten. Der SG Roßwag/Mühlhausen sitzt der punktgleiche VfB Vaihingen im Nacken, dahinter folgt mit nur einem Punkt weniger (32) der SV Horrheim.

Der erfahrene Trainer Stengel ist nach den Erfahrungen der Vorrunde nicht erstaunt über die momentane Tabellensituation. Zu Beginn der Saison habe manch einer gedacht, dass es an der Spitze auf einen Zweikampf zwischen seinem Team und dem Rivalen aus dem benachbarten Vaihingen hinauslaufe. „Man hat dann schnell gesehen, wie stark die anderen sind.“ Das heißt im Umkehrschluss: Wer ganz vorne mitmischen will, darf sich kaum Schwächephasen erlauben. Stengel will mit seiner Spielgemeinschaft „ganz, ganz vorne“ dabei sein. Für den Aufstiegstraum müssen die Spieler des 53-Jährigen dreimal in der Woche trainieren. Derzeit kämen an die 20 Mann, die pro Einheit an die zwei Stunden gefordert sind. Die Übungseinheiten absolviert Stengel nicht auf dem Hauptspielfeld, sondern auf dem kleineren Spielfeld auf der anderen Seite der Enz. „Wir wollen das Hauptfeld schonen“, lautet die Begründung des Trainers, der mit seiner Mannschaft am vergangenen Sonntag beim FSV 08 Bissingen II ein erstes Freundschaftsspiel bestritten hat, das in der 82. Minute wegen des stürmischen Regenwetters vom Schiedsrichter beim Stand von 3:3 abgebrochen wurde. Stengel spricht von einem „ordentlichen“ Auftritt seines Teams, mit dem er zufrieden gewesen sei.

Am kommenden Samstag, 16. Februar, tritt die SG bei den Sportfreunden Mühlacker, die in der Kreisklasse A1 Pforzheim beheimatet sind, um 15 Uhr zum Freundschaftsspiel an, die Woche darauf empfängt der 1. FC Ispringen II (B1 Pforzheim) die Stengel-Elf zum Leistungstest, der um 16 Uhr angepfiffen wird. Mit dem Heimspiel gegen den VfR Sersheim beginnt am Sonntag, 3. März, die Rückrunde (15 Uhr). Gespielt wird in Roßwag, wo die Sanierung des Kabinenbereichs samt Toiletten und Duschen laut Stengel abgeschlossen ist. In Mühlhausen wird die SG hingegen nicht zu sehen sein. Dort beginnt im Frühjahr die Teilsanierung des Fußballplatzes. In der Hinrunde habe man gegen Sersheim knapp mit 2:1 gewonnen, berichtet Stengel, der zum Auftakt „eine ganz enge Kiste“ erwartet. Der Trainer wünscht sich von seiner Mannschaft einen spritzigen und bissigen Auftritt. Was passieren kann, wenn die Einstellung nicht stimmt, habe sich zum Ende der Hinrunde gezeigt, so der 53-Jährige. „Die letzten vier bis fünf Wochen hat man es im Training ein bisschen schleifen lassen, es hat etwas an Konzentration gefehlt. Vielleicht war auch der Akku leer. Jedenfalls hat sich das auf die Ergebnisse ausgewirkt – mit Ausnahme des Spiels gegen den VfB Vaihingen (0:0), wo die Mannschaft richtig gut war.“

Die SG wird in der Rückrunde in nahezu unveränderter Besetzung auflaufen. Mit Mittelfeldmann Stefan Senftleben muss das Team allerdings einen Abgang kompensieren. „Er ist nach Illingen gewechselt“, so Stengel, dem sein Trainerjob bei der SG auch noch nach zwei Jahren Freude macht. „Vom Charakter her ist die Mannschaft top, und der notwendige Ehrgeiz ist auch da.“ Gepaart mit dem nötigen Respekt ihm gegenüber und dem Spaß, den man abseits des Fußballs in der Freizeit miteinander habe, ergibt dies für Stengel ein stimmiges Gesamtpaket. Die Rückrunde kann also kommen.

Maik Disselhoff

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