Offener Umgang hier wie dort

Ball und Beruf: Obwohl Ralph Augenstein den Beruf von seinem Hobby Fußball trennt, gibt es doch Verbindungen

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 28. Dezember 2015, 00:00 Uhr
Offener Umgang hier wie dort Bei der Arbeit: Der gelernte Schreiner Ralph Augenstein erledigt als Hausmeister der Pforzheimer Südstadtschule kleinere Reparaturen selbst. Foto: Stahlfeld

Was machen die Amateurfußballer der Region eigentlich sonst so? Dieser Frage ist das Mühlacker Tagblatt nachgegangen und stellt einige der Fußballer und ihren beruflichen Alltag in loser Folge vor. In diesem Teil unserer Serie geht es um einen Torhüter und Trainer: Ralph Augenstein von der Fvgg 08 Mühlacker.

Enzkreis. Fußball und Beruf seien zwei getrennte Bereiche seines Lebens, die man nicht miteinander vergleichen könne, betont Ralph Augenstein. Und dennoch: Über dem Schreibtisch in seiner Werkstatt hängen Zeitungsausschnitte, die von emotionalen Momenten in seiner sportlichen Karriere erzählen. Ralph Augenstein ist Hausmeister an der Südstadtschule in Pforzheim und Spielertrainer bei der Fußballvereinigung 08 Mühlacker. Letzteres notgedrungen. Weil der etatmäßige Torhüter ausfällt, steht Augenstein mit nun 47 Jahren regelmäßig zwischen den Pfosten, obwohl er seine aktive Laufbahn längst beendet haben wollte. Diese unfreiwillige Verlängerung seine Karriere aber machte einen weiteren Höhepunkt erst möglich.

Gleich neben den üblichen Familienfotos und Bildern, die vom Leben an der Schule erzählen, hängt ein großer Zeitungsartikel, der von einem sportlichen Duell zwischen ihm, Ralph Augenstein, Jahrgang 1968, und seinem 24-jährigen Sohn Kevin Augenstein berichtet. Am 13. September 2015 hielt der Vater im Tor der 08 Mühlacker einen Elfmeter seines Sohnes, der für den 1.FC Ispringen stürmt. „Die Konstellation war schon außergewöhnlich“, sagt Augenstein, der mit der Aktion bei seinem Sohn wohl ganz schön Eindruck schindete. Zu seiner Familie gehören außerdem zwei Töchter. Laura (21) und Aylin (18) wohnen mit ihm gleich neben der Südstadtschule.

Pünktlich um 20 vor 7 als Erster in der Schule

„Die Kinder waren früher immer mit auf dem Sportplatz dabei“, macht Augenstein deutlich, dass der Fußball schon lange ein fester Bestandteil seines Lebens ist. Vor 30 Jahren absolvierte er sein erstes Spiel als Aktiver. Der aus Stein stammende Fußballer kickte in der TG Stein von Jugend an. 2007 wechselte er zum TSV Maulbronn, erst als Torwart, dann als Spielertrainer. Auf Maulbronn folgte 2011 der TSV Großglattbach. Dort stand er zuletzt wieder als Spielertrainer im Tor, und bei der 08 Mühlacker ergeht es ihm nicht anders.

„Es wäre schon schöner, am Spielfeldrand zu stehen“, gibt Augenstein zu, der andererseits noch die notwendige körperliche Fitness besitzt, um seine Mannschaft im Tor zu verstärken. Tatsächlich war die Fvgg 08 Mühlacker schon bei Beginn der aktuellen Runde in der Kreisklasse A1 ein Wackelkandidat, und auch im Moment läuft auf dem Platz nicht alles rund. Doch die Krisen auf dem Fußballfeld werden für Augenstein nicht zur Lebenskrise. Im Gegenteil: Der Sport ist und bleibt für den Hausmeister ein Ventil zur Entspannung. „Beim Fußball kann ich abschalten, das ist kein Stress, sondern Erholung.“

Seit 1999 ist er an der Südstadtschule in Pforzheim tätig: „Ich gehöre schon zum Inventar.“ Die Grund- und Werkrealschule besuchen rund 340 Kinder. Der gelernte Schreiner erledigt kleinere Reparaturen und hält das Schulgelände sauber. Pünktlich um 20 vor 7 ist er morgens als Erster vor Ort und schließt das Schulgebäude auf: „Ich hab noch nie verschlafen.“ Mit den Schülerinnen und Schülern kommt der dreifache Vater gut klar. „Wichtig ist ein offener und korrekter Umgang, dann hat man keine Probleme“, sagt der Hausmeister, der seine Arbeit als Trainer damit nicht unbedingt vergleichen möchte.

Mit seinen Kickern führe er viele Gespräche. „Es ist wichtig, dass man für die Spieler da ist“, erklärt er, dass der Trainer auch als Psychologe gefordert sei. „Das Menschliche sollte im Vordergrund stehen“, sagt er über seine Arbeit auf dem Platz. Und vielleicht ist das auch die Verbindung zu seiner Arbeit. Den Kindern an der Südstadtschule jedenfalls wird er vermutlich ziemlich menschlich vorkommen, wenn sie sich über seine Weihnachtsdekoration im Innenhof freuen.

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