Mit Abwehrbollwerk zum Prestigeerfolg

Die Lienzinger bleiben beim Stadtpokal ohne Gegentor und sind vorne in den wichtigen Momenten zur Stelle

Von Silas Schüller Erstellt: 14. Januar 2019, 00:00 Uhr
Mit Abwehrbollwerk zum Prestigeerfolg Kein Halten mehr gibt es bei den Lienzingern nach dem Finalsieg gegen Lomersheim.

Dank einer starken Defensivleistung hat der FV Lienzingen (FVL) beim Hallenstadtpokal die Gegner auf Distanz gehalten und sich zum Turniersieger gekrönt. Dabei nahm FVL-Trainer Michael Horntrich eine entscheidende Rolle ein.

Mühlacker. „Mir tun jetzt alle Knochen weh, ich weiß nicht, ob ich morgen laufen kann. Aber eins ist sicher: heute wird gefeiert“. Für Michael Horntrich war der Sonntagnachmittag in der Enztalsporthalle nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Doch im Glücksrausch des Erfolges konnten dem 39-Jährigen die körperlichen Wehwehchen überhaupt nichts anhaben.

Im Vorfeld hatte der FVL-Trainer mit der Mannschaft entschieden, dass er anstelle des Stammtorhüters Fabian Bergtold zwischen den Pfosten stehen wird. „Wir wollten den Spielaufbau immer über den Torwart laufen lassen, und ich wusste, dass ich diese Pässe noch draufhabe“, sagt Horntrich, der mit seiner Ausstrahlung sowohl die eigenen als auch die gegnerischen Spieler sichtlich beeinflusste. Dass die Lienzinger in fünf Partien ohne Gegentor blieben, bestätigt den Keeper in der gewählten Aufstellung: „Es ist alles so gelaufen, wie wir und das vorgestellt haben“. Er wisse nicht, ob es ein Team schon einmal geschafft habe, den Stadtpokal ohne Gegentor zu gewinnen.

In der Gruppenphase hielt sich der FVL noch etwas zurück, kam nach dem 3:0-Erfolg über Großglattbach nur noch zu zwei Remis gegen die Sportfreunde und Enzberg. Brisanterweise hatten auch diese beiden Mannschaften gegen Großglattbach gewonnen, sodass die Tordifferenz über den Halbfinaleinzug entscheiden musste. Während hierbei Enzberg und Lienzingen die Nase vorne hatten, setzten sich in der anderen Gruppe die SG Roßwag/Mühlhausen und Phönix Lomersheim mit jeweils zwei Siegen und einem Remis durch. Es folgten zwei umkämpfte Begegnungen, in denen alle vier Halbfinalisten mit viel Leidenschaft agierten und den Zuschauern spektakuläre Spielszenen servierten. Gegen Roßwag/Mühlhausen zogen die Lienzinger, die mit der lautesten Anhängerschaft angereist waren, das Tempo dann so stark an, dass der Württembergische Kontrahent nicht mehr zum Zuge kam. Die Männer von SG-Trainer Ulli Stengel verloren plötzlich den Faden und mussten sich nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Gegentoren mit dem Spiel um Platz drei abfinden. Anders das zweite Semifinale: Enzberg überrumpelt Phönix mit einem schnellen Doppelschlag, verpasst das dritte Tor und fängt in der Schlussphase zwei vermeidbare Gegentreffer. Im Neunmeterschießen glänzen Phönix-Keeper Yannick Jensen und Viktorias Bastian Voges mit starken Paraden, letztlich zeigt Enzberg einmal mehr Nerven. Das Duell der Geschlagenen gestaltete sich anschließend als nicht so spannend, was wohl schlicht daran lag, dass die SG ihr Pulver schon in der Vorrunde verschossen hatte. „Wir waren in der Gruppenphase gefühlt die beste Mannschaft, verlieren dann aber die Zielstrebigkeit und gehen als Vierter aus der Halle“, ärgert sich Ulli Stengel. Mehr als das 1:4 gegen Enzberg dürfte dem Trainer die Analogie zu der Hinrunde Sorgen bereiten, schließlich lief es auch da anfangs richtig gut – bevor ein Einbruch die Bilanz verhagelte.

Nicht ganz so enttäuscht blickt Simon Roller auf das Abschneiden seiner Jungs. Die Lomersheimer erreichten nie ihr Leistungslimit im Laufe des Turniers, boten den selbstbewussten Lienzingern im Finale dennoch die Stirn. „Am Ende macht eben eine Aktion den Unterschied“, stellt Roller fest. Freilich gab es auch vor dem Siegtreffer von Dominik Seifert Chancen auf beiden Seiten, allerdings sorgten Horntrich und Jensen lange dafür, dass auf beiden Seiten die Null stand. Mit der knappen Führung im Rücken ließ Lienzingen im Ballbesitz nichts mehr anbrennen und spielte die Uhr souverän herunter. Ebenso routiniert, aber keinesfalls aufgesetzt, fiel anschließend der Jubel aus, der die Halle mit anhaltenden Sprechgesängen erfüllte.

„Wir wissen natürlich, dass der sportliche Wert dieser Veranstaltung nicht der größte ist, aber hier geht es ja eigentlich nur ums Prestige“, sagt Michael Horntrich vor der Siegerehrung, die mit Oberbürgermeister Frank Schneider einen standesgemäßen Rahmen erhält. Der Rathauschef bekennt in seiner Ansprache, dass er sich glücklicherweise mit jedem siegreichen Verein freuen könne, da ja – mit Ausnahme der Ötisheimer – alle aus dem Mühlacker Stadtgebiet kämen. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn das neue Sportfreunde-Mitglied Schneider (wir berichteten) auf dem Lienzinger Siegerfoto zu sehen ist.

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