Großer Schritt in Richtung Kunstrasen

Nach Ortstermin in Lomersheim scheint eine Mehrheit im Gemeinderat sicher – Zwei Fraktionen äußern noch Bedenken

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 9. Januar 2013, 00:00 Uhr
Großer Schritt in Richtung Kunstrasen Schon Ende Oktober, kaum drei Monate nach Saisonbeginn, bot der Trainingsplatz von Phönix Lomersheim an vielen Stellen ein trauriges Bild. Wenige Tage zuvor hatte ein Schiedsrichter den Platz für absolut unbespielbar erklärt und ein Jugendspiel aus Sorge vor Verletzungen kurzerhand abgesagt. Archivfoto: Eigner

180000Euro Zuschuss für Phönix Lomersheim zum Bau eines Kunstrasens sind im Haushaltsentwurf vorgesehen, über den der Gemeinderat Mühlacker am 5. Februar entscheiden will. Am Montagabend haben sich die Stadträte vor Ort informiert. Ihre Zustimmung scheint nur noch Formsache zu sein.

Mühlacker. „Ich bin weiterhin zuversichtlich“, sagt Karlheinz Mannhardt und hat nach dem Treffen ein gutes Gefühl. Der Vorsitzende des TSV Phönix Lomersheim und seine Vorstandskollegen sowie Fußball-Cheftrainer Eberhard Carl machten die Notwendigkeit eines Kunstrasens deutlich. Mehr als 20 der 36 Stadträte, darunter alle fünf Fraktionsvorsitzenden, nahmen an dem Ortstermin teil, auch Oberbürgermeister Frank Schneider war zugegen.

„Unser Platzbedarf ist weitaus höher, als es ein Rasenplatz verträgt“, machte Karlheinz Mannhardt deutlich, während die Stadträte unter Flutlicht über das matschige Trainingsfeld stapften und dessen Zustand begutachteten. In der Summe aller Mannschaften würden auf dem Rasen zwischen 800 und 900 Stunden Training pro Jahr absolviert, rechnete der Phönix-Vorstand vor. Hinzu kämen noch Verbandsspiele. „Dabei ist ein Rasen eigentlich nur 300 bis 400 Stunden so belastbar, dass er bei gründlicher Pflege in brauchbarem Zustand gehalten werden kann“, betonte der Vereinsvorsitzende..

Die Vereinsspitze hatte sich auf den Informationsabend offenkundig gut vorbereitet, konnte auch technische Fragen zum Aufbau eines Kunstrasens und zum Schutz von Grundwasser sowie gegen Hochwasser beantworten. „Die Planung des Vereins hat Hand und Fuß“, war der Eindruck des CDU-Fraktionsvorsitzenden Günter Bächle. Auch für eine behutsame Umsiedlung der Maulwurf-Population, die den Trainingsrasen bewohnt und mit Erdhügeln garniert, gibt es Pläne. Denn in einem Kunstrasen, den ein Schotterbett trägt, könnten die Tiere nicht mehr siedeln.

Nach dem gegenwärtigen Entwurf würde die Stadt dem TSV Phönix mit insgesamt 300000 Euro unter die Arme greifen, indem sie einen Zuschuss von 180000 Euro sowie ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 120000 Euro gewähren würde. Letzteres müsste wohl erst 2014 ausbezahlt werden, da laut Vereinsführung frühestens in der kommenden Winterpause an eine Realisierung des Bauvorhabens zu denken ist. „Da es sich dann auf zwei Haushaltsjahre verteilt, fällt es der Stadt auch leichter“, signalisiert Günter Bächle die Zustimmung der CDU-Fraktion.

Auch die Freien Wähler hat Phönix Lomersheim auf seiner Seite. Deren Gemeinderatsfraktion hatte bereits im November 2011 einen entsprechenden Antrag gestellt, und ihr Vorsitzender Rolf Leo bekräftigte nun erneut: „Wir stehen voll dahinter. Der Platz ist nicht mehr tragbar, und es gibt eben auch keine Ausweichmöglichkeiten, wo man einen dritten Rasenplatz bauen könnte.“ Also bleibe nur ein Kunstrasen. Allerdings unterstrich Leo auch, dass Phönix Lomersheim keineswegs eine Extrawurst gebraten bekomme: „Wenn man dem höchstklassigen Fußballclub der Stadt ein solches Projekt ermöglicht, erzeugt das natürlich einen gewissen Neid. Aber letztendlich handeln wir nach demselben Verfahren, wie wir das in früheren Jahren schon bei den Sportgeländen in Großglattbach und Enzberg getan haben.“ Nach Ansicht der Freien Wähler sei ein Kunstrasen in Lomersheim „eine ganz wichtige Investition in die Jugendarbeit der Stadt“.

Auch die SPD trägt den Haushalts-Entwurf mit. „Wir werden keinen Antrag stellen, den Posten für den Kunstrasen aus dem Etat herauszunehmen“, erklärte dazu der Fraktionsvorsitzende Thomas Knapp. Ein solcher Antrag müsste bis spätestens 15. Januar eingereicht werden. Knapp fand ebenso lobende Worte für Phönix Lomersheim: „Der Informationsabend war gut vorbereitet und gut gemacht. Ich hätte im Detail nicht so Bescheid gewusst, wie ich jetzt nach diesem Abend Bescheid weiß.“

Insofern sei der Ortstermin auch hilfreich für die Entscheidung im Gemeinderat gewesen, wo die Sozialdemokraten also ebenfalls dem Vorschlag der Stadtverwaltung folgen dürften. Diesen bezeichnete Thomas Knapp als „praktikabel und ausgewogen, auch gegenüber anderen Vereinen“. Somit scheint ein Beschluss nach dem Wunsch des TSV Phönix nur noch Formsache zu sein, denn CDU, SPD und Freie Wähler verfügen zusammen über 26 Sitze, repräsentieren damit fast drei Viertel des Gemeinderats. Bleibt der Posten im Haushalt, dann könnte auch Phönix Lomersheim die nächsten Schritte tun, etwa einen Zuschussantrag beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) stellen.

Die beiden weiteren Fraktionen FDP und LMU äußern zwar noch Bedenken, doch ein Antrag, den Haushaltsentwurf entsprechend zu ändern, ist wohl auch aus ihren Reihen nicht zu erwarten. „Die Platzverhältnisse sind verheerend, die Argumente des Vereins absolut nachvollziehbar“, äußert der FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Hanf Verständnis für die Phönix-Fußballer. Allein die finanzielle Seite bereitet den Liberalen noch Bauchschmerzen. „In der Sache spricht nichts gegen den Bau eines Kunstrasens. Aber angesichts der allgemeinen Haushaltslage der Stadt hadern wir noch mit der Summe. Es ist doch ein großer Betrag, der da für einen einzelnen Verein ausgegeben werden soll.“

Ähnliche Töne sind auch aus der Liste Mensch und Umwelt (LMU) zu hören, in deren Fraktion die Meinungen noch auseinandergehen, wie die Sprecherin Ulrike Fuchs einräumt. „Einige der Fraktionskollegen sehen das kritisch, weil es doch sehr viel Geld ist, das nicht nur einem einzelnen Verein, sondern sogar nur einer einzigen Abteilung zugute kommen soll.“ In einer Fraktionssitzung unmittelbar nach dem Ortstermin hätten sich zumindest einige der LMU-Stadträte dahingehend geäußert, dass man das Geld auch in die Turn- und Festhalle stecken könnte, womit die Mittel zwar in Lomersheim bleiben, aber auch anderen Sportarten nützen würden.

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