Gedoppelt erobert besser

Taktikschule: Der langjährige DFB-Stützpunkttrainer Patrick Bouquerot erklärt den modernen Fußball – Heute: das Doppeln

Von Julia Klassen Erstellt: 17. Oktober 2017, 00:00 Uhr
Gedoppelt erobert besser Zwei oder gar mehr Verteidiger attackieren den Ballführenden und schränken so dessen Möglichkeiten ein.Grafik: Klassen / fussballtraining.com

Dreierkette, flache Vier, abkippende Sechs, falsche Neun? Wer da bislang nur Bahnhof versteht, dem hilft unser Taktikfuchs: Patrick Bouquerot war Stützpunkttrainer des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Enzberg und erklärt in dieser Serie den modernen Fußball. Heute: „Doppeln“.

Patrick Bouquerot ist unser TaktikfuchsPatrick Bouquerot ist unser Taktikfuchs

Enzkreis. Zu zweit geht vieles besser. Das gilt nicht nur fürs normale Leben, sondern auch für den Fußball. Denn wenn zwei gegen einen spielen, hat es der einzelne deutlich schwerer. Allerdings gibt es natürlich auch beim sogenannten Doppeln nicht nur Vorteile.

Was ist Doppeln?

Doppeln ist die Bezeichnung für eine Situation, in der zwei Verteidiger gemeinsam den gegnerischen Spieler am Ball attackieren.

Wie ist das Doppeln entstanden?

Doppeln gibt es erst seit Entstehung der Viererkette und der damit verbundenen Ablösung der Manndeckung. „Anstatt dass jeder Verteidiger für einen Angreifer zuständig ist und diesen permanent verfolgt, verschiebt die verteidigende Mannschaft geschlossen zum Ball und versucht dort Überzahl herzustellen“, erklärt Patrick Bouquerot, „Spieler in ballfernen Spielfeldbereichen werden dazu freigelassen, wie zum Beispiel die gegnerischen Innenverteidiger, wenn der Ball nahe am eigenen Sechzehner ist.“ Im Optimalfall gelingt es so, dem Ballführenden mit gleich zwei eigenen Spielern entgegenzutreten.

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Wie läuft das Doppeln idealerweise ab?

Aufgabenteilung: Ein Verteidiger attackiert aktiv und versucht den Gegner zu stören beziehungsweise den Ball zu erobern. Sein Partner sichert ihn ab und geht dazwischen, sobald der Angreifer den Ball freigibt. „Das tut er beispielsweise, indem er ihn im Dribbling am ersten Gegenspieler vorbeilegt. Er erlaubt dem attackierenden Verteidiger also mehr Risiko beim Versuch der Balleroberung zu gehen“, verdeutlichst der Taktikfuchs.

Welche Varianten gibt es?

Eine Variante des Doppelns ist das Lenken des Ballführenden hin zu einem Mitspieler. „Angewendet wurde dies zum Beispiel von Real Madrid unter José Mourinho in München: Marcelo als Linksverteidiger hat Gegenspieler Arjen Robben permanent den Weg an der Auslinie versperrt und ihn so gezwungen, in die Mitte zu dribbeln. Dort standen die zentralen Mittelfeldspieler von Real und setzten Robbens Aktionen mit Unterstützung von Marcelo ein Ende“, erinnert sich Patrick Bouquerot.

Welche Fehler sind häufig zu beobachten?

Oftmals agieren die Verteidiger im Gefühl der numerischen Überlegenheit viel zu passiv. Anstatt tatsächlich aktiv zu versuchen, den Ball zu erobern, wird mehr oder weniger nur begleitet und der Angreifer hat dann häufig diverse Optionen, Torgefahr zu kreieren. „Auch Abstimmungsschwierigkeiten, welcher der Verteidiger wie attackiert, um als Team den Ball erobern zu können, sind häufig zu sehen“, sagt der Trainer.

Was sind die Vorteile des Doppelns?

Durch das Doppeln werden die Optionen des ballführenden Spielers limitiert. Er hat also kaum noch oder keine Möglichkeiten, den Ball an einen Mitspieler weiterzupassen oder selbst damit zu dribbeln. Somit vergrößert sich die Chance auf Balleroberung.

Was sind die Nachteile des Doppelns?

Zum Teil ist ein hoher Laufaufwand erforderlich, um zwei oder gar mehr Spieler in unmittelbare Nähe des Ballführenden zu bekommen. Durch das Doppeln entstehen außerdem Unterzahlsituationen in anderen Bereichen des Spielfeldes, die der Gegner bei einer erfolgreichen Spielverlagerung nutzen könnte.

Wann wird das Doppeln häufig angewendet?

Vor allem gegen starke Flügelspieler. „Felix Magath ließ zum Beispiel mit Schalke in München Arjen Robben und Franck Ribéry doppeln und war damit erfolgreich, Borussia Dortmund hat diese Spielweise unter Ex-Trainer Jürgen Klopp übernommen und den Bayern so massiv Probleme bereitet“, sagt Patrick Bouquerot.

Was haben Sie sich beim Fußballschauen schon immer gefragt? Unser Taktikfuchs Patrick Bouquerot hat bestimmt eine Antwort darauf. Schicken Sie Ihre Frage einfach per E-Mail an: redaktion@muehlacker-tagblatt.de.

Die bisher erschienenen Folgen der Serie
„Taktikschule“ gibt es im Internet auf
www.muehlacker-tagblatt.de/taktikschule

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