Fußballtrainer brauchen einen Plan B

Alle Vereine wollen zum Rückrundenstart eine fitte Mannschaft aufbieten – Die Trainingsbedingungen sind aber nicht überall gleich

Von Lukas Huber Erstellt: 4. Februar 2019, 00:00 Uhr
Fußballtrainer brauchen einen Plan B Wenn der Platz – wie hier bei den Sportfreunden Mühlacker – im Winter für die Rückrunde geschont wird, müssen die Trainer bei der Gestaltung der Einheiten oft kreativ sein. Denn nicht jeder Verein hat den Luxus, auf einen nahezu unzerstörbaren Kunstrasen zurückgreifen zu können.Foto: Huber

Die Fußballmannschaften in der Region starten in diesen Tagen nach und nach in die Vorbereitung für die Rückrunde. Doch nicht in jedem Verein haben die Kicker ordentliche Bedingungen, um sich für die Punktspiele fit zu machen.

Enzkreis. Ob bei Schnee, Eis oder kaltem Regenwetter – wer in der Rückserie erfolgreich sein will, muss in den Wochen der Vorbereitung die Basis dafür legen. Denn nur die Spieler, die genügend Kraft und Ausdauer mitbringen und die Teams, die gut zusammenspielen, gewinnen üblicherweise später auch die wichtigen Begegnungen. In den unteren Amateurligen ist es aber vielerorts so, dass die widrigen Wetterbedingungen den Trainingsbetrieb deutlich erschweren. Diejenigen Vereine, die etwa keinen Kunstrasen haben, finden nach der in der Regel niederschlagsreichen Winterpause einen matschigen oder gar vereisten und damit in beiden Fällen einen sehr schwer bespielbaren Platz vor.

Bei den Sportfreunden Mühlacker, die in der Kreisklasse A1 Pforzheim um Punkte kämpfen etwa, ist der vordere Platz am Vereinsheim derzeit gesperrt, um ihn für die Partien in der Runde zu schonen. „Er wurde zwar im Sommer erst erneuert, hat aber unter der langanhaltenden Trockenheit gelitten“, sagt Spielleiter Jan Blutbacher. Zwar stehe noch ein zweites Feld für die Einheiten zur Verfügung, das sei aber stark beansprucht, weil es auch von den Jugendteams genutzt werde. Im Notfall müsse sich der neue Trainer Ehab Ahmad einen Plan B überlegen – infrage kommen etwa Fitnessübungen im Hallenbad.

„Schwierig“ sind die Bedingungen auch beim FV Knittlingen, wie Coach Alexander Zimmermann berichtet. „Deshalb haben wir, je nach Wetterlage, immer zwei Pläne zur Hand.“ Seien Übungen mit dem Ball wegen holpriger Platzverhältnisse nicht möglich, werde mehr an Kraft und Ausdauer gefeilt. „Im Februar steht beispielsweise Kampfsporttraining in Bretten an.“

Sorgen, dass sich jemand auf dem tiefen oder gefrorenen Untergrund verletzen könnte, hat Michael Horntrich, Trainer des FV Lienzingen. „Trotzdem wollen wir effektiv arbeiten“, sagt er und nennt seine Alternativen zu Übungen mit Ball auf dem Feld: „Entweder wir gehen schwimmen, ins Fitnessstudio oder machen Waldläufe.“ Ausweichen muss auch der FC Viktoria Enzberg-Trainer Bernd Common, weil im Stadtteil beide Felder derzeit gesperrt seien. „Da haben wir in gewisser Weise einen strukturellen Mangel.“ Allerdings habe er das Glück, dass seine Mannschaft in der Halle wenigstens etwas kicken könne.

Das trifft auch auf die SG Ölbronn-Dürrn zu. Trainer Dietmar Dierlamm will die Wochen vor dem Startschuss auf alle Fälle nutzen – notfalls mit Kräftigungsübungen oder Läufen: „Wir müssen etwas machen.“ Besser haben es die SpVgg Zaisersweiher, die immerhin auf einem kleinen Kunstrasen spielerische Übungen absolvieren kann, und die Fvgg 08 Mühlacker. Laut Trainer Hüsnü Gür bietet der Hartplatz neben dem Hallenbad dafür ordentliche Bedingungen. „Der ist allemal besser als ein holpriger und tiefer Rasen“, findet er. Denn wenn der Ball nicht gerade rolle, mache das wenig Spaß. Damit müsse man, wie Thomas Barho, Abteilungsleiter Fußball beim TSV Ötisheim, äußert, im Winter aber einfach leben. Seine Mannschaft habe immerhin das Glück, dass sie dank guter Kontakte ab und zu bei den Kickers Pforzheim auf dem Kunstrasen trainieren dürfe.

Eine solche Option hat der TSV Maulbronn, derzeit Dritter in der Kreisklasse B1 Pforzheim, nicht. Dafür verfügt der Verein über drei Plätze, zwei davon mit Flutlicht. „Die Verhältnisse sind kritisch, das Training sollte aber möglich sein“, gibt Abteilungsleiter Daniel Göbl eine Wasserstandsmeldung. „Der Platzwart hebt mahnend den Finger und sagt uns, dass wir vorsichtig sein sollen.“ Notfalls – also bei „Riesenniederschlag“ – seien Laufeinheiten auf der Tartanbahn möglich. So werde der Trainingsbetrieb keinesfalls ganz stillstehen. Das gilt auch für den Türkischen SV Mühlacker – sofern die Spieler auch die Einheiten besuchen. Es stehe zwar wie für die Nullachter der Hartplatz zur Verfügung, doch nicht jeder seiner Kicker habe Lust, auf dem sandigen Untergrund zu trainieren oder zu spielen, sagt Trainer Kerim Günacti – zumal zuletzt drei von acht Flutlichtmasten aus Sicherheitsgründen entfernt wurden und das Feld daher schlecht ausgeleuchtet sei.

Das Licht ist beim SV Illingen, Fünfter in der Kreisliga A3 Enz-Murr, weniger ein Problem. Dafür sind die Einheiten im Eichwald-Sportpark mehr abhängig vom Wetter. Derzeit seien die Verhältnisse trotz der Niederschläge passabel, so Co-Trainer Gerd Fechner. „Deshalb gehen wir zunächst auf den Platz.“ Für den Fall, dass sich die Lage in den kommenden Wochen verschlechtere, bestehe noch immer die Möglichkeit, in die Stromberg-Sporthalle auszuweichen. In der Vergangenheit, wenn der Platz gesperrt gewesen sei, seien auch schon Läufe absolviert worden – „das war aber natürlich nicht wirklich optimal“.

Da hat es Phönix Lomersheim, Spitzenreiter der A3, mit seinem großen Kunstrasen deutlich komfortabler. „Bei uns sind die Bedingungen in Ordnung“, vermeldet Trainer Simon Roller. Er könne Einheiten mit dem Ball normal durchziehen, was mancherorts schwieriger wäre. Und wenn einmal über Nacht Schnee falle, dann sei der am Abend meist wieder weg.

Ligakonkurrent SV Iptingen wartet zwar derzeit noch, bis der neue Kunstrasen im Frühjahr fertiggestellt ist, darf bis dahin aber den in Wiernsheim nutzen. „Ginge das nicht, hätten wir ein Problem, weil unser Rasen – je nach Witterung – vermutlich bis April gesperrt ist“, sagt Trainer Martin Weeber, der dankbar ist über den ebenen Untergrund, auf dem „flüssigere Einheiten“ als auf holprigem Rasen möglich seien. Das kommt auch dem TSV Wiernsheim – beheimatet in der Kreisliga B7 – zugute, der am vergangenen Mittwoch die Vorbereitung aufgenommen hat. Wie Coach Serkan Ibar erklärt, gebe es dabei auch keine Kollisionen mit dem SVI. „Die Trainingszeiten haben wir miteinander abgesprochen.“ Problematisch kann es laut Martin Weeber nur in einem Fall werden: „Bei Minusgraden wird es wegen der Glätte etwas rutschig und gefährlich, dann machen wir lieber Lauf- und Kräftigungsübungen.“

Mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben der SV Sternenfels, der TSV Großglattbach und die SG Roßwag/Mühlhausen, die allerdings allesamt keinen Kunstrasen haben, nicht. „Wenn es regnet und dann gefriert, können wir nicht auf den Platz“, sagt etwa TSV-Spielleiter Andreas Geiger. „Wir sind auf gutes Wetter angewiesen, ansonsten können wir notfalls in die Halle gehen.“ Beim SVS sind die Bedingungen laut dem Vorsitzenden Alexander Kopp „kritisch“, dennoch sei es das Ziel, keine Einheiten absagen zu müssen. Notfalls werde gejoggt. So sieht der Schlachtplan auch bei der SG aus, wie der neue Spielleiter Christian Schwab mitteilt: „Wir versuchen das Beste, der Trainer wird sich sicherlich etwas ausdenken.“

Einig sind sich jedenfalls alle: Die Vorbereitung im Winter bringt deutlich mehr Herausforderungen mit als die im Sommer. Die gelte es zu meistern – notfalls mit einer ordentlichen Portion Kreativität.

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