Flanke, Schuss und Tor

Taktikschule: Der langjährige DFB-Stützpunkttrainer Patrick Bouquerot erklärt modernen Fußball – Heute: die Hereingabe vom Flügel

Von Julia Klassen Erstellt: 13. Februar 2018, 00:00 Uhr
Flanke, Schuss und Tor Die Entstehung des 1:0-Führungstreffers am 21. Spieltag der 1. Bundesliga für Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln: Shinji Kagawa läuft auf den kurzen Pfosten, Christian Pulisic auf den langen, André Schürrle besetzt den Rückraum, in den sich auch Torschütze Michy Batshuayi mit einer kurzen Bewegung absetzt.Grafik: Klassen / fussballtraining.com

Dreierkette, flache Vier, abkippende Sechs, falsche Neun? Wer da bislang nur Bahnhof versteht, dem hilft unser Taktikfuchs: Patrick Bouquerot war Stützpunkttrainer des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Enzberg und erklärt in dieser Serie den modernen Fußball. Heute: „Die Hereingabe vom Flügel“.

Patrick Bouquerot ist unser TaktikfuchsPatrick Bouquerot ist unser Taktikfuchs

Enzkreis. Viele Tore im Fußball fallen nach Hereingaben vom Flügel. Damit der Ball dann auch im Kasten landet, sollte der potenzielle Torschütze Platz und möglichst keine Gegenspieler im Weg haben. Taktikfuchs Patrick Bouquerot erklärt das richtige Verhalten von Stürmern bei Hereingaben von außen.

Welche Varianten der Hereingabe vom Flügel gibt es?

Man unterscheidet zwischen hohen und flachen Hereingaben, zwischen solchen, die in den Sechzehn-Meter-Raum vor das Tor kommen und denen, die in den Raum vor den Sechzehner geschossen werden. Außerdem gibt es Hereingaben, die zum Tor gezogen werden und solche, die vom Tor weggehen. „Wenn man von der linken Seite mit dem linken Fuß schießt, so wie es von VfB-Abwehrspieler Emiliano Insua öfter zu sehen ist, geht der Ball weg vom Tor. Hereingaben, die von der linken Seite aus mit dem rechten Fuß geschossen werden, wie es von Ex-Nationalspieler Philipp Lahm bei der WM 2006 zu sehen war, gehen zum Tor“, erläutert Bouquerot.

Welche Räume können bei Hereingaben vom Flügel angespielt werden?

Bouquerot erklärt dies am Beispiel des 1:0-Führungstreffers von Michy Batshuayi für Borussia Dortmund in Köln am 21. Bundesliga-Spieltag (Endstand 3:2):

Die Bälle können auf den kurzen Pfosten kommen, das heißt, in den Bereich vor dem ballnahen Torpfosten. „Bälle auf den kurzen Pfosten werden vorwiegend flach gespielt“, sagt Patrick Bouquerot. Der Zielspieler läuft hierbei in Erwartung der Hereingabe entweder von der Mitte beziehungsweise dem ballfernen Bereich des Sechzehners diagonal in Richtung des kurzen Pfostens oder aber von einer ballnahen Position um die 16-Meter-Linie herum gerade nach vorne durch. Dabei versucht er, in eine Lücke zwischen die dort befindlichen Verteidiger zu kommen.

„Der Laufweg wird in höchstem Tempo zurückgelegt, um mögliche Gegenspieler abzuschütteln“, betont der Taktikfuchs, „Die Hereingaben sind meist besonders stark gespielt, da ein Klärungsversuch der Verteidiger somit erschwert und unter Umständen ein Eigentor provoziert wird.“ Bei dieser Variante der Hereingabe ist das Timing besonders entscheidend, die Wege von Ball und Stürmer müssen sich in jeweils höchstem Tempo nahe des gegnerischen Tors treffen, um zum Erfolg zu kommen. „Beim 1:0 vom BVB läuft Shinji Kagawa auf den kurzen Pfosten, wird zwar selbst nicht angespielt, zieht den Gegenspieler von Torschütze Batshuayi aber mit“, sagt Patrick Bouquerot.

Was ist die zweite Variante?

Die zweite Möglichkeit ist es, die Hereingabe in Richtung des langen Pfosten zu spielen, also in den Bereich des ballfernen Torpfostens. Diese Bälle werden meist hoch gespielt. Der Zielspieler läuft aus dem mittigen oder dem ballfernen Bereich des Sechzehners in diese Position.

„Dabei muss er den Ball stets im Blick haben“, betont Patrick Bouquerot, „Aufgabe des Stürmers ist es, in die geschlagene Flanke hineinzulaufen – nicht umgekehrt! Der Flankengeber spielt stets einen Zielraum an, nicht den genauen Punkt, an dem der Stürmer steht, das wäre in dieser Präzision technisch nicht umsetzbar.“ Beim 1:0 des BVB läuft Christian Pulisic auf den langen Pfosten, wird zwar selbst nicht angespielt, bindet aber seinen Gegenspieler, sodass Torschütze Batshuayi in der Mitte Freiraum bekommt.

Und Variante drei?

Außerdem können Hereingaben auch in den Rückraum kommen. Als Rückraum wird der Bereich vor der gegnerischen Abwehrkette bezeichnet, klassischerweise zwischen Fünfmeter- und Sechzehnmeterlinie. „In diesem Bereich bieten sich oft Freiräume, wenn die gegnerische Abwehrkette Spieler am kurzen beziehungsweise langen Pfosten kontrollieren muss und das gegnerische Mittelfeld nicht weit genug mit nach hinten gerückt ist, wie beim 1:0 der Dortmunder gesehen“, erklärt der Trainer. Dabei kann ein Angreifer sowohl vom Mittelfeld nach vorne laufen wie Dortmunds Andre Schürrle, sich aber auch von der Abwehr nach hinten weg vom Tor absetzen wie Batshuayi.

„Bei der WM 2014 wurden beim Spiel über den Flügel erstmals vermehrt Bälle auf Zielspieler im Rückraum abgelegt, in der Folgezeit auch in der Bundesliga eine sehr beliebte Variante“, weiß Patrick Bouquerot.

Wie sieht der Idealfall aus?

„Im Idealfall werden bei Hereingaben von außen wie vom BVB demonstriert alle beschriebenen Räume besetzt beziehungsweise angelaufen“ sagt Patrick Bouquerot, „zum einen ergeben sich dadurch für den Ballbesitzer vielfältige Handlungsoptionen, zum anderen wird die verteidigende Mannschaft vor große Probleme gestellt, alle potenziell gefährlichen Spieler und Räume zu kontrollieren.“

Was haben Sie sich beim Fußballschauen schon immer gefragt? Unser Taktikfuchs Patrick Bouquerot hat bestimmt eine Antwort darauf. Schicken Sie Ihre Frage einfach per E-Mail an:
redaktion@muehlacker-tagblatt.de.

Die bisher erschienenen Folgen der Serie
„Taktikschule“ gibt es im Internet auf
www.muehlacker-tagblatt.de/taktikschule

Weiterlesen

TSV Maulbronn landet Dreier gegen Fatihspor

Maulbronn (joe). Der TSV Maulbronn hat gegen die Reserve des Fatihspor Pforzheim einen 2:1-Erfolg eingefahren. Vor heimischer Kulisse gerieten die Maulbronner früh mit 0:1 in Rückstand (8.) SIE MÖCHTEN DEN… »