Experiment

Von Lukas Huber Erstellt: 16. Mai 2020, 00:00 Uhr
Experiment Experiment

Der Bundesliga-Betrieb muss jede Woche neu auf den Prüfstand

Es geht also tatsächlich wieder los: Nachdem wegen Corona in so gut wie allen Sportarten der Spielbetrieb – von den Amateuren bis ins Oberhaus – abgebrochen worden war, dürfen ab diesem Wochenende auf der Plattform des deutschen Profifußballs wieder Wettkämpfe ausgetragen werden. Dass dies angesichts der Gefahr einer Virus-Infektion noch möglich werden würde, hätten viele vor wenigen Wochen sicherlich noch ausgeschlossen.

Doch die Deutsche Fußballliga unter Christian Seifert hat ein Konzept erarbeitet und vorgelegt, das nicht zuletzt auch die politischen Entscheider überzeugte. Dass es auch seine Schwächen hat, liegt in einer Lage, wie sie aktuell herrscht, auf der Hand.

So dürfen Spieler wie Matthias Bader, der aus Mönsheim stammt und bei Darmstadt 98 unter Vertrag ist, also wieder ihren Beruf ausüben, und das trotz des Gegenwinds. Kritiker sagen nicht ganz zu unrecht, dass sich der Profifußball inmitten dieser schwierigen Zeiten eine dicke „Extrawurst“ brät, während andere – und zwar über die Sportwelt hinaus – sprichwörtlich nicht einmal ein Salatblättchen zu Essen bekommen.

Der Fußballfan, der sich nach der Bundesliga sehnt, tut sich schwer mit Kritik, doch ein Beispiel zeigt die Kluft zwischen Amateur- und Profibereich: Der FV Knittlingen hat wegen seiner Fürsorgepflicht und der strengen Auflagen mitgeteilt, dass derzeit nicht einmal der Trainingsbetrieb umsetzbar sei – obwohl er inzwischen erlaubt wäre. Gleichzeitig sieht Fußball-Deutschland am Wochenende im Live-TV wieder Zweikämpfe. Den Unterschied macht die kleinste Violine der Welt aus.

Das weiß auch Bader. „Natürlich geht es um viel Geld“, sagt er im Interview, macht aber darauf aufmerksam, dass an dem Geschäft mehr hängt als utopische Transfersummen und gigantische Gehälter. Letztendlich ist der Fußball ein Wirtschaftszweig mit vielen Arbeitnehmern, die um ihre Jobs bangen. Und die sollen nun mit Hilfe von Geisterspielen gerettet werden. Grundsätzlich ist dieser Plan gut gemeint, dass aber nur wenige Wochen der Pause ausgereicht haben, um ein Milliardengeschäft ins Wanken zu bringen, ist mehr als bedenklich und ruft nach Reformen in der Zukunft.

Nun richtet sich der Fokus aber zuerst auf die Kicker, die der Bevölkerung Abwechslung vom entbehrungsreichen Alltag mit dem Virus bescheren sollen. Ob das Konzept der DFL über die Wochen standhält, bleibt dabei abzuwarten. Fakt ist: Es ist ein Experiment, das nach jedem Spieltag neu auf den Prüfstand gestellt werden muss – und wird.

Der wahre Fußball, wie ihn Romantiker nennen würden, der sich abseits jeglicher finanzieller Interessen immer sonntags auf den Amateurplätzen abspielt, bleibt unterdessen im Dornröschenschlaf – auf unbestimmte Zeit.

Weiterlesen
Neue Saison, neue Szenarien

Neue Saison, neue Szenarien

Pforzheim/EnzkreiS. Am Pfingstwochenende stand in vielen Fußballligen in der Region eigentlich der letzte Spieltag der Saison 2019/20 auf dem Programm, doch auf den Sportplätzen herrschte Stille. Seit Mitte März ruht… »