Doppelt passt besser

Taktikschule: Der langjährige DFB-Stützpunkttrainer Patrick Bouquerot erklärt den modernen Fußball – Heute: der Doppelpass

Von Julia Klassen Erstellt: 1. Februar 2018, 00:00 Uhr
Doppelt passt besser Der linke Mittelfeldspieler ist am Ball, spielt diesen auf den linken Zehner und spurtet selbst die Linie entlang. Von seinem Mitspieler erhält er den Ball postwendend zurück. Der rechte Verteidiger der gegnerischen Mannschaft wird dadurch ausgespielt.Grafik: Klassen / fussballtraining.com

Dreierkette, flache Vier, abkippende Sechs, falsche Neun? Wer da bislang nur Bahnhof versteht, dem hilft unser Taktikfuchs: Patrick Bouquerot war Stützpunkttrainer des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Enzberg und erklärt in dieser Serie den modernen Fußball. Heute: „Der Doppelpass“.

Patrick Bouquerot ist unser TaktikfuchsPatrick Bouquerot ist unser Taktikfuchs

Enzkreis. Es gibt viele Doppelpässe. Ausweisdokumente, TV-Sendungen, ja sogar verbale Doppelpässe. Auf dem Fußballplatz spielt der Doppelpass auch eine große Rolle, jedem Fan dürfte diese taktische Finesse ein Begriff sein. Doch wie genau spielt man den perfekten Doppelpass, wann setzt man ihn am besten ein und wann sollte man es besser lassen? Und was ist bitte ein abgebrochener Doppelpass? Patrick Bouquerot klärt auf.

Was ist ein Doppelpass?

Als Doppelpass bezeichnet man eine Passkombination mit zwei beteiligten Spielern, in der Spieler A zu Spieler B passt und dieser den Ball unmittelbar zu Spieler A zurückspielt. „Es gibt in Lehrbüchern unterschiedliche Auffassungen darüber, ob auch vom Doppelpass gesprochen wird, wenn Spieler B den Ball nicht direkt, sondern erst nach mehreren Berührungen zu A zurückspielt“, erklärt Patrick Bouquerot.

Wann und wo kommt der Doppelpass zum Einsatz?

Prinzipiell ist der Doppelpass in allen Bereichen des Spielfelds denkbar. „Angewendet wird er aber zumeist in der gegnerischen Hälfte, häufig am Flügel, bisweilen aber auch durchs Zentrum“, sagt der Taktikexperte.

Welche Rollen kommen den beteiligten Spielern zu?

Der Passgeber löst den Doppelpass aus; in der Grafik ist dies der linke Mittelfeldspieler. Der sogenannte Wandspieler, in der Grafik übernimmt der linke Zehner diese Funktion, empfängt den Ball des Passgebers und spielt ihn wieder zu diesem zurück.

Welche Ziele werden mit einem Doppelpass verfolgt?

Mit dem Doppelpass kann ein Gegenspieler ausgespielt werden, ohne dass der Ballbesitzende dafür in einen direkten Zweikampf gehen muss. In unserer Grafik wird der Gegenspieler des linken Mittelfeldspielers ausgespielt. „Zum Teil kann man sich mittels Doppelpass auch aus engen Situationen in der gegnerischen Hälfte befreien und den Ball so sichern“, sagt Patrick Bouquerot.

Welche Voraussetzungen müssen für das Anwenden des Doppelpasses erfüllt sein?

Die räumliche Nähe des ballführenden Spielers zu seinem Gegenspieler muss gegeben sein. „Ist der Abstand zu groß, ist es für den Verteidiger leicht, den gespielten Doppelpass abzufangen“, betont Patrick Bouquerot. Außerdem sollte die Distanz zum Wandspieler an das Lauftempo des Passgebers angepasste sein. „Aus dem Stand heraus können gute Fußballer auch auf zwei bis drei Meter einen erfolgreichen Doppelpass spielen, aus dem Tempo heraus ist allerdings eine größere Distanz erforderlich, da der Doppelpass technisch sonst kaum umsetzbar ist“, sagt der langjährige DFB-Stützpunkttrainer.

Wie läuft die Aktion ab?

Der ballführende Spieler dribbelt seinen Gegner an und versucht, ihn in eine seitliche oder nach vorne gerichtete Bewegung zu bringen. In der Grafik dribbelt der linke Mittelfeldspieler nach innen. Mit dem Andribbeln des Passgebers löst sich der Wandspieler von seinem Gegenspieler und kommt kurz entgegen (Grafik: Der Zehner kommt entgegen). Dann folgt der Pass des Passgebers auf den Wandspieler, mit einem schnellen Antritt startet der Passgeber daraufhin in den freien Raum entgegen der Bewegungsrichtung des Verteidigers. In der Grafik startet der linke Mittelfeldspieler nach vorne in den freien Raum. Optional kann auch ergänzend das Kommando „Doppelpass“ zur Verständigung/Absprache verwendet werden. Schließlich folgt ein möglichst direkter Pass des Wandspielers in die Bewegungsrichtung seines Mitspielers.

Welche taktischen Varianten gibt es?

Das Spiel über den Dritten: Ist der direkte Rückpass durch einen Gegenspieler versperrt, kann der Wandspieler den Ball auf einen dritten Mitspieler weiterleiten, der den Ball dann zum Passgeber zurückgibt. Diese taktische Variante wurde bereits in einer früheren Folge Taktikschule erklärt.

Eine weitere Möglichkeit ist der abgebrochene Doppelpass: Erkennt der Wandspieler, dass die Verteidiger auf einen Doppelpass spekulieren, täuscht er diesen nur an und nimmt den Ball selbst entgegengesetzt in die andere Richtung mit.

Was sind die Vorteile des Doppelpasses?

„Bei präziser Ausführung ist der Doppelpass aufgrund des Lauf- und Handlungsvorsprungs der Angreifer für die unmittelbaren Gegenspieler kaum zu verteidigen“, sagt Patrick Bouquerot.

Was sind die Nachteile des Doppelpasses?

Ein in der Nähe befindlicher Verteidiger hat unter Umständen große Chancen, den Doppelpass abzufangen, wenn er die Situation gut vorausahnt. In der Grafik wäre dies zum Beispiel der ballnahe Innenverteidiger des Gegners.

Was haben Sie sich beim Fußballschauen schon immer gefragt? Unser Taktikfuchs Patrick Bouquerot hat bestimmt eine Antwort darauf. Schicken Sie Ihre Frage einfach per E-Mail an:
redaktion@muehlacker-tagblatt.de.

Die bisher erschienenen Folgen der Serie
„Taktikschule“ gibt es im Internet auf
www.muehlacker-tagblatt.de/taktikschule

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