Zwillinge erleben zweigeteiltes Sportjahr

Erfolgsrezepte: Karina und Florian Mantai blicken auf ein 2017 zurück, in dem es für beide lediglich zur Hälfte gut lief

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 29. Dezember 2017, 00:00 Uhr
Zwillinge erleben zweigeteiltes Sportjahr An Karina und Florian Mantai scheinen die Kalorien abzuperlen: Ihr Ofenschlupfer gereicht jeder schwäbischen Hausfrau zur Ehre. Foto: Eigner

Wie genießen die erfolgreichen Sportler der Region die stillen Tage, was kommt auf den Tisch. Dieser Frage geht das Mühlacker Tagblatt derzeit nach, entlockt den Athleten ihr Lieblingsrezept. Für diese Folge unserer Serie waren wir bei Degenfechterin Karina Mantai und Fußballtorwart Florian Mantai zu Gast.

Illingen. Im vergangenen Sommer hat Karina Mantai ihr Abitur gemacht, Tauberbischofsheim verlassen und ist zu ihrem Freund Hubert Königswieser – ebenfalls Degenfechter – nach Linz in Oberösterreich gezogen. Im nahe gelegenen Wels studiert die 19-Jährige nun Maschinenbau. Der Umzug war auch mit einer sportlichen Umstellung verbunden.

Zwar startet Karina Mantai weiterhin für den FC Tauberbischofsheim, doch trainiert sie nun bei der Fechtunion Linz. „Ein leistungsorientierter Verein, da gibt es einige Fechter auf meinem Niveau“, ist sie zufrieden mit dem neuen Umfeld. Auch auf ihren neuen Trainer Robert Rigo hat sie sich gut eingestellt. „Mariusz Strzalka in ,Tauber‘ hat seine Lektionen vorwiegend über die Klingenarbeit aufgebaut, Robert simuliert mehr die Dynamik eines Gefechtes“, stellt Mantai seither fest.

Ihr Zwillingsbruder Florian hingegen hatte im zu Ende gehenden Jahr keinen Wechsel zu verarbeiten. Er lebt weiterhin im elterlichen Haus in Illingen, strebt an der Kerschensteiner Schule in Mühlacker dem Abitur entgegen, steht nach wie vor beim SV Illingen im Fußballtor, wo er sich in der Hinrunde mit Marcel Lauser und Benjamin Färber abgewechselt hat. „Eigentlich habe ich immer entweder in der ersten oder der zweiten Mannschaft gespielt“, so Florian Mantai.

Auch wenn die Zwillingsgeschwister Karina und Florian Mantai inzwischen getrennte Wege gehen, so haben sie doch weiterhin einiges gemeinsam. An beiden scheinen die Kalorien der Weihnachtsfeiertage komplett abzuperlen, weswegen Karina Mantai einen Ofenschlupfer gebacken hat, der jeder schwäbischen Hausfrau zur Ehre gereicht. Damit muss sie sich auch im mit Süßspeisen verwöhnten Österreich nicht verstecken. Ganz ohne Sport kann Karina Mantai ohnehin nicht, regelmäßig geht sie Joggen, betreibt Kraft- und Fitnesstraining. Schon als Zehnjährige verwunderte sie ihre Eltern damit, dass sie immer dann besonders vom Training schwärmte, wenn sie mit einem anständigen Muskelkater nach Hause kam.

Eine weitere Gemeinsamkeit: beide Geschwister hatten 2017 mit Verletzungen zu kämpfen: Florian setzte ein Meniskusriss von Januar bis zum Sommer außer Gefecht, vor Kurzem hat er sich im Schulsport erneut am Knie verletzt und muss bis mindestens Ende Januar mit dem Sport aussetzen. Karina ließ im Sommer eine angeborene Überbeweglichkeit des Daumengelenks operativ beheben, die beim Fechten immer wieder Schmerzen verursacht hatte. Seither aber lief es sportlich nicht mehr ganz so wie gewünscht.

In den ersten Turnieren Angst um die operierte Hand

„Mit der letzten Saison war ich total zufrieden“, sagt Karina Mantai wenig überraschend. Immerhin qualifizierte sie sich erstmals für die Europa- und die Weltmeisterschaften der Junioren (U20), wenngleich sie dort eine Medaille mit dem Team jeweils knapp verpasste. „Mit der aktuellen Saison bin ich dagegen noch gar nicht zufrieden“, fügt sie dann hinzu. Die operierte Hand, wenngleich gut verheilt, spielt vielleicht eine Rolle, aber nicht allein. Es ist wohl auch eine Zeitfrage, denn das Studium hält sie bisweilen bis nach 20 Uhr an der Uni. Stunden, die dem Training verloren gehen. Aber es ist auch Kopfsache.

„Letzte Saison war mein erstes Weltcup-Jahr, und ich hatte davor nicht gedacht, dass ich etwas reißen könnte“, erzählt sie. Entsprechend locker ging sie in die Turniere. Das ist nun anders. Karina Mantai will das vergangene Jahr bestätigen, sie fühlt den Druck. Auch die OP vom Sommer wirkt noch nach. „Ja, ich hatte etwas Angst“, gibt sie zu. Bei den nationalen Ranglistenturnieren in Bad Segeberg und Osnabrück war sie als Fünfte und Elfte jeweils vorne mit dabei, bei den Junioren-Weltcups in Laupheim Mitte Oktober, in Luxemburg Anfang Dezember und zuletzt in Burgos (Spanien) schied sie jedoch schon im 128er-Tableau aus. „Das lag meist daran, dass ich die Runde verhauen habe“, analysiert sie. Durch schwächere Resultate aus der Gruppenphase eines Turniers landet man in der Setzliste für die Direktausscheidung unweigerlich weiter hinten und bekommt dementsprechend eine Gegnerin von weiter vorn.

Zuversicht schöpft sie dennoch aus dem jüngsten Weltcup in Spanien. Dort nämlich legte sie mit sechs Siegen aus sechs Gefechten eine blitzsaubere Vorrunde hin, war dadurch an Nummer 20 gesetzt, erhielt im 256er-K.o. ein Freilos. Eher unter die Kategorie Pech sortiert Mantai ein, dass sie dann in ihrem ersten K.o.-Gefecht mit Montserrat Viveros aus Paraquay nicht zurecht kam und diese obendrein einen guten Tag erwischt hatte.

Obwohl sie in der rollierenden deutschen Juniorinnen-Rangliste von Platz eins auf Nummer sechs abgerutscht ist, in der deutschen EM- und WM-Qualifikation, für die nur die Weltcups zählen, gar nur an achter Stelle liegt, will sie die Europameisterschaften Anfang März und die Weltmeisterschaften einen Monat später noch nicht in den Wind schreiben. Dazu müsste sie jedoch beim letzten Weltcup in Bratislava (Slowakei) am 3. Februar mindestens unter den ersten 32 landen, je nach Abschneiden der übrigen Deutschen könnte der Einzug ins Achtel- oder gar Viertelfinale nötig sein, um in der Rangliste entsprechend vorzurücken. „Im Fechten kann alles passieren. Wenn man einen guten Tag erwischt und es mal läuft…“, bleibt Karina Mantai optimistisch.

Vorfreude auf das erste Training mit der Illinger Mannschaft

Die Junioren-EM in Sotschi und die WM in Verona sind vermutlich die vorerst letzte Chance, an internationalen Meisterschaften teilzunehmen. Denn im Sommer verlässt sie das Juniorenalter, und bei den Aktiven weht dann ein anderer Wind, das hat sie vor sechs Wochen beim Turnier in Colmar zu spüren bekommen. „Da habe ich von einer erfahrenen Französin ganz schön auf die Mütze gekriegt. Die allermeisten brauchen einige Jahre, bis sie bei den Aktiven vorne mitmischen können“, berichtet Mantai, die erst einmal schauen will, wie sie Sport und Studium mittel- und langfristig unter einen Hut bekommt.

Ihr Zwillingsbruder geht das neue Jahr ebenso mit sportlichem Optimismus, wenngleich ohne internationale Ambitionen an. „Ich möchte einfach Spielpraxis bekommen“, sagt Florian Mantai und freut sich schon auf die ersten Trainingseinheiten mit dem Illinger Torwarttrainer Gerd Fechner und der Mannschaft. Cheftrainer Tobias Häfner hat dem Weihnachtsspeck auch schon den Kampf angesagt: „Er hat schon angedeutet, dass es härter wird“, sagt Florian Mantai und grinst.

Anders als seine Schwester zieht es ihn auch nicht ins Ausland. Nach dem Abitur möchte er in Ludwigsburg eine Ausbildung beim Zoll beginnen, dort hat er bereits als Realschüler ein sogenanntes BORS-Praktikum gemacht.

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