Weltmeisterin aus Enzberg – kaum zu glauben

Die Schlagfrau der U18-Nationalmannschaft Henriette Schell über Faustball, Nerven- und Konditionsstärke

Von Sven Heuer Erstellt: 30. Juli 2016, 00:00 Uhr
Weltmeisterin aus Enzberg – kaum zu glauben Mit einem Gläschen Sekt und einem selbstgemalten Banner wird die U 18-Weltmeisterin Henriette Schell beim TSV Calw begrüßt, für den sie in der 1. Bundesliga spielt. Foto: Heuer

Nur langsam begreift Henriette Schell, was sie mit dem Triumph bei der U18-Faustball-Weltmeisterschaft in Nürnberg-Eibach am letzten Wochenende erreicht hat. Die 17-jährige Schlagfrau aus Enzberg war die herausragende Spielerin im Team. Wie sie unter Druck die Nerven behält, erzählt sie im Interview.

Hallo Henriette, was empfinden Sie jetzt im Rückblick auf die WM? Können Sie es schon erfassen?

Nein. Ich bin Weltmeisterin und kann es kaum glauben.

 

Hatte Ihre Mannschaft nach sieben „heißen“ Begegnungen an vier Tagen noch Kraft zu feiern?

Oh ja, wir blieben noch lange auf der Sportanlage in Nürnberg, anschließend feierten wir im Mannschaftshotel, und zwar gemeinsam: Männer und Frauen, alle teilnehmenden Nationen – es war ein tolles Fest bis morgens um fünf. Und ich habe wieder viele Faustballer aus aller Welt kennengelernt.

 

Nach klaren Siegen mit jeweils 3:0 Sätzen gegen Indien, Schweiz und USA, 3:1-Triumphen gegen Brasilien und Österreich sowie einem 4:1 im Halbfinale, erneut gegen die Schweiz, standen die Brasilianerinnen im Endspiel beim 4:2 für Deutschland gegenüber…

Wir hatten eher die Österreicherinnen auf der Rechnung, und über die Südamerikanerinnen wussten wir praktisch nichts. Sie waren technisch sehr stark, auch in der Abwehr, und haben sich die Endspielteilnahme verdient. Denn sie waren ein echtes Team, alle pushten sich gegenseitig hoch.

„Wenn die Fans des Gegners mich aus dem Konzept bringen wollen, nehme ich mir vor: Euch drück‘ ich jetzt einen rein.“

 

Matchwinnerin im Halbfinale und im Endspiel wurde aber eine Henriette Schell, mit herausragenden Angaben und Angriffsbällen. Woher nehmen Sie diese unglaubliche Nervenstärke auch in brenzligen Situationen, wenn jeder Fehler spielentscheidend sein kann?

Ich setze mich nicht unter Druck und denke mir: Wenn wir gewinnen – super. Wenn nicht – auch nicht schlimm. Eigentlich ist es ganz einfach! Und wenn die Fans des Gegners mich bei den Angaben aus dem Konzept bringen wollen, nehme ich mir vor: So, euch drück‘ ich jetzt einen rein. Oftmals klappt es dann auch.

 

Das Nationalteam wirkte fast unbesiegbar. War es wirklich so einfach?

Man könnte schon sagen, dass wir ein Dream Team waren. Wir saßen abends alle zusammen in einem Zimmer, es war ein großer Zusammenhalt da. Der Kader war sehr ausgeglichen besetzt, und jeder gönnte es dem anderen, wenn der spielen durfte. Es hat einfach nur Spaß gemacht.

Der WM-Titel der U18 ist sicher Ihr größter sportlicher Erfolg?

Ja. Es hat alles gepasst. Und es ist ein großartiges Gefühl, das Trikot der deutschen Auswahl überzustreifen und die Nationalhymne zu hören.

 

Lässt sich der Erfolg noch toppen?

Schwierig. Aber, ehrlich gesagt, ich träume schon ein bisschen davon, später auch mal in der Damen-Nationalmannschaft aufzulaufen.

 

Diese WM-Auftritte waren sicher Empfehlungen. Weitere müssten in der Bundesliga folgen. Wie geht es jetzt weiter?

An diesem Wochenende spielen wir vom TSV Calw beim internationalen Turnier in der Schweiz gegen starke Konkurrenz. Das ist unsere Generalprobe für die Deutsche Meisterschaft der Frauen in Schleswig-Holstein. Dort wollen wir mindestens das Halbfinale erreichen und dann… mal sehen. Ja, und dann freue ich mich natürlich auf die Deutsche U18-Meisterschaft im September in Bardowick in Niedersachsen. Dort treffe ich mit meinen gleichaltrigen Calwer Teamkameradinnen auf die WM-Kolleginnen, beispielsweise aus Leverkusen oder Schneverdingen.

„Faustball ist eine geile Sportart, weil die Faustballer eine große Familie sind.“

 

Sie gelten auch als starke Ausdauerläuferin und Fußballerin?

Das Fußballspielen habe ich vor zwei Jahren beendet, um mich auf Faustball zu fokussieren. Aber ich gehe viel laufen mit Faustballfreunden des TV Enzberg. Meist um die acht Kilometer, abwechselnd mit Intervallläufen. Das ist gut für die Kondition und kommt mir beim Faustball zugute. Mir ist aufgefallen, dass manche Gegner, auch Brasilien im Endspiel, konditionelle Schwierigkeiten hatten. Dadurch verliert man die Konzentration und macht Fehler.

 

Wie läuft’s in der Schule?

Super, ich habe gerade mein Abitur mit 1,8 abgeschlossen. Nun will ich Wirtschaftsingenieurwesen studieren, in Karlsruhe, Pforzheim oder Stuttgart.

 

Dann könnten Sie weiter in Calw spielen, auch wenn es von Ihrem Wohnort Enzberg nicht gerade der nächste Weg ist.

Genau. Aber das Fahren war noch nie ein Problem. Die Zeit in Calw hat mich weitergebracht. Zum Glück haben mich meine Eltern unterstützt, mein Vater fuhr mich so oft zum Training. Im September werde ich 18, dann kann ich selbst fahren.

 

Was macht die Faszination Faustball aus?

Das ist eine geile Sportart, weil die Faustballer einfach eine große Familie sind. Man sieht sich immer wieder an Turnieren, kennt sich und kommt viel herum. Ich kann Kindern und Jugendlichen nur empfehlen, Faustball zu spielen.

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