Faustball: „Wir geben keinen Ball verloren“

Die Faustballerinnen des TSV Ötisheim sind derzeit auf dem besten Weg, erstmals in die 1. Bundesliga aufzusteigen

Von Silas Schüller Erstellt: 13. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Faustball: „Wir geben keinen Ball verloren“ Teambesprechung: Nach der Trainingseinheit richten sich alle Blicke auf Coach Irina Vetter. Foto: Schüller

Der Zweitligist TSV Ötisheim möchte bei seinem zweiten Heimspieltag am Sonntag (ab 11 Uhr) einen weiteren Schritt in Richtung Meistertitel machen. Dafür geben die Spielerinnen beim Training Vollgas – und sorgen dafür, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

Ötisheim. Wenn die Ötisheimer Faustballerinnen für die Doppelspieltage in der 2. Bundesliga Süd trainieren, breitet sich in der ansonsten eher tristen Sporthalle eine angenehm positive Stimmung aus. Es wird geflachst, veralbert und gelacht, sodass beinahe der Eindruck entsteht, die einstündige Trainingseinheit diene nur der kollektiven Belustigung.

Warum diese Einschätzung nicht der Wahrheit entspricht, aber auch nicht völlig verkehrt ist, zeigt sich nach dem Aufwärmprogramm, dass die neun Sportlerinnen mit Leichtigkeit absolvieren. Angeführt von Spielertrainerin Irina Vetter, die während der Einheit alle Kommandos gibt, schlagen sich die Faustball-Asse ein und schonen dabei weder sich noch die Bälle. Da wird gesprintet, gesprungen und gehechtet, was angesichts des Hallenbodens nicht immer ohne Kratzer bleibt. Erstaunlicherweise verzichten die meisten Spielerinnen auf Knieschoner und werfen sich unbekümmert in jeden Ball, der ihnen vor die Faust kommt. Es folgen 30 Minuten, in denen die Frauen in Gruppen an den verschiedenen Schlägen arbeiten und sich gegenseitig assistieren. Im Hinblick auf den zweiten Heimspieltag am Sonntag, bei dem es gegen die fränkischen Mannschaften Niedernhall und Staffelstein geht, wird die Intensität hochgehalten.

Erst am vergangenen Sonntag war der TSV in Gärtringen zu Gast und setzte seine Erfolgsserie mit den Siegen neun und zehn eindrucksvoll fort. Gerade einmal drei Sätze hat der ungeschlagene Tabellenführer bisher abgegeben, was sich auch am sechsten Doppelspieltag nicht ändern soll. So dreschen die Ötisheimerinnen einen Ball nach dem anderen über das blau-weiß gestreifte Band, das in zwei Meter Höhe hängt. Als sich die nächsten Sportgruppen schon in Position bringen, um die Halle in Beschlag zu nehmen, ruft Irina Vetter ihre „Mädels“ zusammen und beschließt die launig anstrengende Trainingsstunde mit einer kurzen Ansprache. Bevor es am Sonntag ernst wird, hat die Spielertrainerin morgen Abend noch einmal Zeit, um sich mit ihrer Mannschaft den letzten Schliff holen. Denn alles andere als zwei weitere Siege kommt für die ambitionierten Spitzenreiter nicht infrage.

„Es ist schon so, dass sich unsere Ansprüche seit Saisonbeginn verändert haben“, erklärt Vetter, die ursprünglich einen Platz im oberen Tabellendrittel erreichen wollte. Nun steuert der TSV direkt aber auf den ersten Aufstieg in die 1. Bundesliga zu, und diese einmalige Möglichkeit will sich niemand entgehen lassen: „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, wann dann?“, stellt die 32-Jährige eine verständliche Frage, schließlich waren die Voraussetzungen für einen Sprung ins deutsche Oberhaus nie besser: Bei noch sechs ausstehenden Spielen kann Ötisheim vier davon vor eigenem Publikum austragen und hat zudem zwei Siege mehr als der Verfolger Staffelstein auf dem Konto. Mit Blick auf Sonntag, wenn es zum Spitzenduell mit dem Zweitplatzierten kommt, erwartet Vetter „einen spannenden Gegner, der uns richtig fordern wird“.

Das, so gibt die Angreiferin zu, sei nicht bei allen bisherigen Spielen der Fall gewesen. Gleichwohl habe die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr (Platz sieben) an Konstanz gewonnen und stehe zurecht ganz oben. „Was uns diese Saison besonders auszeichnet, ist der Zusammenhalt und der absolute Siegeswille. Wir geben keinen Ball verloren, wollen aber nicht nur den Ehrgeiz in den Vordergrund stellen“, verrät Vetter. Genauso wichtig wie der Erfolg sei der Spaß, den man gemeinsam habe. Dass dieser familiäre Zusammenhalt vor allem dann von Bedeutung ist, wenn es mal nicht so läuft, haben die TSVlerinnen in der Vergangenheit erfahren. Nun stehen sie vor dem großen Wurf: „Ich habe in den letzten Jahren oft den Eindruck gehabt, dass unsere Gegner immer dann gut waren, wenn wir gegen sie spielen mussten. In dieser Saison läuft es anders, vielleicht werden wir jetzt für die frühere Arbeit belohnt“, sagt Vetter.

Was nicht vergessen werden dürfe, sei die Homogenität des Kaders; so sei es mittlerweile fast egal, welches Quintett von den sieben Mannschaftsmitgliedern (Nadine Schnaugst, Kristina Schnaugst, Stephanie Frech, Marie Rothmaier, Stefanie Späth, Larissa Vetter, Irina Vetter) im Spielfeld stehe und wer gerade pausiert. Da nimmt sich die Trainerin auch selbst in die Pflicht: „Es gibt niemanden bei uns, der immer spielt. Wir haben gesagt, dass jeder seine Anteile bekommen soll, und das setzen wir auch um.“

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