Alles wie gehabt?

Die Faustballerinnen des TSV Ötisheim sind nach dem Hallenrunden-Aufstieg auch auf dem Rasen erfolgreich unterwegs

Von Silas Schüller Erstellt: 16. Mai 2019, 00:00 Uhr
Alles wie gehabt? TSV-Spielertrainerin Irina Kuhn wechselt nach dem ersten Satz gegen Bretten auf die ZuspieIer-Position und schafft mit ihrem Team rechtzeitig die Wende. Foto: Schüller

Für die Ötisheimer Faustballerinnen ist der Auftakt in die Rasen-Saison standesgemäß verlaufen: Der forsche Aufsteiger setzte sich in Bretten mit zwei 3:1-Erfolgen gleich an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga West. Das weckt Hoffnungen auf die nächste Meisterschaft.

Gesprächsbedarf gibt es reichlich bei den TSVlerinnen, die sich wie in der Hallensaison mit viel Humor und positiver Energie gegenseitig unterstützen.Gesprächsbedarf gibt es reichlich bei den TSVlerinnen, die sich wie in der Hallensaison mit viel Humor und positiver Energie gegenseitig unterstützen.

Bretten/Ötisheim. Im Fußballbetrieb ist es keine Seltenheit, dass die Akteure nach durchwachsenen Leistungen weniger die eigenen Defizite als vielmehr die äußeren Umstände wie die Rasenbeschaffenheit als Ursachen für misslungene Aktionen sehen. Dieses Argument ist vermutlich nur im Profibereich unzulässig und daher eine sichere Bank in der reichen Ausredensammlung vieler Amateurkicker.

In dieselbe Kerbe schlägt die Ötisheimer Spielertrainerin Irina Kuhn im Hinblick auf den Auftritt am ersten Spieltag der 2. Bundesliga West: „Der Platz war wirklich nicht im besten Zustand, was uns und auch den Gegnern das Spielen nicht leichtgemacht hat.“ Bedenkt man den Umstand, dass bei jedem Angriff das Spielgerät auf den Boden prallt, um dann mit einem weiteren Rasenkontakt über die Leine geschlagen zu werden, leuchtet die Aussage durchaus ein. Faustballer sind viel mehr auf den Belag angewiesen als Kreisliga-Bolzer, und wenn nach einem halben Jahr Hallensaison die ersten Partien unter freiem Himmel anstehen, fällt die Eingewöhnungsphase freilich etwas länger aus.

Für die Ötisheimerinnen, die ihre Vorbereitung aufgrund von kranken Spielerinnen und Regentagen einschränken mussten, ging es am Sonntag genau um diese Akklimatisierung. „Da wir in der Vergangenheit immer in der Schwabenliga gespielt haben, kannten wir weder den Platz noch die anderen Teams so richtig“, erklärt Kuhn, deren Antrag, zu dieser Rasensaison vom DFBL-Bereich Süd nach West zu wechseln, von den beteiligten Vereinen gebilligt worden war.

Gleich im ersten Spiel traf der TSV, der zu fünft angereist war, auf die Gastgeberinnen vom TV Bretten – und zog im ersten Satz in der Verlängerung den Kürzeren (13:15). Das lag indes nicht nur an dem holprigen Geläuf, auch mit der Aufstellung hatten die Liga-Neulinge zu kämpfen. „Manchmal wechseln wir vorne die Positionen, was wir diesmal auch versucht haben. Als wir den ersten Satz abgeben mussten, haben wir wieder in die alte Formation gewechselt“, berichtet die nominelle Zuspielerin Kuhn. Auf ihren Posten rückte Kristina Schnaugst, woraufhin sich Fehlerquote und Abstimmungsverhalten deutlich verbesserten. Das bedeutete zwar nicht, dass alles glatt lief – unter anderem legte Stefanie Späth hinten rechts einen durchwachsenen Auftritt hin –, aber zumindest markierte man fortan mehr Punkte als Bretten. Mit 11:6, 11:9 und 11:8 drehte Ötisheim die Begegnung zu seinen Gunsten, die Selbstverständlichkeit des Gewinnens kehrte zurück.

Allerdings mussten die TSVlerinnen auch in der zweiten Partie zunächst einen Satzverlust einstecken, gegen den hessischen Club TV Langen stand es nach 29 gespielten Bällen 14:15. Nun war das Team von Irina Kuhn erneut gezwungen, „sich zusammenzureißen“, schließlich wollte man nach einer Hallenrunde ohne Niederlage nicht schon beim ersten Sommerrunden-Auftritt als Verlierer vom Platz gehen. Und einmal mehr lieferte das Quintett den Beweis ab, dass es gegen nahezu jeden Gegner gewinnen kann, wenn die Konzentration stimmt. Entgegen dem ersten Durchgang verliefen die folgenden Sätze (11:5, 11:7, 11:8) analog zum Bretten-Spiel ohne weitere Probleme; vorne sorgte Marie Rothmaier für die gewohnte Punkte-Ausbeute, und bei Langener Angriffen arbeiteten Larissa Vetter und Stefanie Späth mit ihren Vorderfrauen in gewohnter Manier zusammen.

Angesichts der mit vier Teams dünn besetzten 2. Bundesliga West stellt sich somit schon jetzt die Frage, wie die Zielsetzung für die kommenden beiden Spieltage aussieht. Laut Irina Kuhn können sich alle Spielerinnen gut vorstellen, bei einem möglichen Meistertitel die Herausforderung des Aufstiegsspiels gegen den Vertreter der Süd-Gruppe anzunehmen, wenngleich diese Überlegungen noch nicht ausgereift seien. Natürlich habe der Sprung in die höhere Klasse seinen Reiz, doch das würde gleichzeitig eine höhere Belastung mit sich bringen. „Ein Grund, warum wir aus der Schwabenliga gewechselt sind, war die Aussicht, nicht mehr so viele Spieltage im Sommer absolvieren zu müssen“, erzählt die Spielertrainerin. In der 1. Bundesliga Süd würden die Ötisheimerinnen wahrscheinlich öfters gefordert sein – und könnten sich in der Vorbereitung vermutlich keine Auszeiten mehr leisten.

Dabei geht es allen letztlich nur um die Freude am Sport und an der Gemeinschaft, und diesbezüglich spielt der Unterschied zwischen der ersten oder zweiten Bundesliga keine Rolle.

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