Die Turntiger retten nicht nur die Oma

Beim Gaukinderturnfest im Mühlacker Käppele-Stadion sind die Kleinsten die Größten

Von Julia Klassen Erstellt: 1. Juli 2019, 00:00 Uhr
Die Turntiger retten nicht nur die Oma Die Mini-Kinder des TV Mühlacker sind bei der Spielstation „Achtung Gold!“ mit vollem Einsatz dabei. Foto: Fotomoment

Rund 1500 Kinder haben am Wochenende beim Gaukinderturnfest in Mühlacker ihr Können gezeigt. Die 300 Jüngsten starten im Wettkampf der Turnminis und wandeln auf den Spuren von Räuber Hotzenplotz…

Mühlacker. Mattis weiß Bescheid. „Das sind die Kartoffeln von Petrosilius Zwackelmann“, sagt der Fünfjährige stolz, als er das Schild bei der fünften Station entdeckt. Jene Kartoffeln, die der Kasperl beim bösen Zauberer im Räuber-Hotzenplotz-Buch des Kinderbuchautors Otfried Preußler schälen muss. Heute aber sind die Kartoffeln weiße Golfbälle und Mattis und seine Mitstreiter von den Turnminis des TV Mühlacker müssen sie durch ein selbstgebautes Röhrensystem in einen Eimer bugsieren.

Teamwork steht beim Wettkampf der Turnminis beim Gaukinderturnfest in Mühlacker an erster Stelle. Gemeinsam, das merken die Kinder schnell, können sie alles schaffen. An sechs Stationen bekommen sie Aufgaben gestellt, die sie zusammen lösen müssen. „Es geht nicht um Schnelligkeit oder Punkte. Es geht darum, dass die Kinder Spaß haben“, betont Franziska Olt. Sie ist Übungsleiterin beim gastgebenden TV Mühlacker und gemeinsam mit ihren Trainerkolleginnen für die jüngsten Starter der Großveranstaltung zuständig. Die Turnminis sind zwischen drei und sechs Jahre alt, für viele ist es der erste Wettkampf und entsprechend aufgeregt sind die Kleinen. Mattis, Nela, Lotte und Marius sind ein Team. Sie nennen sich „Die Turntiger“, das haben sie sich selbst ausgedacht. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, werden sie am Ende das Objekt der Begierde um den Hals hängen haben – die Gaukinderturnfest-Medaille.

Mit richtigem Turnen hat der Wettkampf noch wenig zu tun. Wohl aber mit Körperbeherrschung und Koordination, Zielsicherheit und Geschicklichkeit. Beim Sandkisten-Transport müssen die rund 300 Kinder, die sich für den Turnmini-Wettkampf angemeldet haben, über Turnbänke und einen Schwebebalken balancieren und kleine Sandsäckchen in einen Wäschekorb werfen. „Das war nicht so schwer“, sagt die dreijährige Nela, die Jüngste in der Mannschaft.

Die sechs verschiedenen Stationen – in doppelter Ausführung, damit die Wartezeiten nicht so lang werden – haben die freiwilligen Helfer vom TV Mühlacker bereits am Morgen bei sengender Hitze aufgebaut. „Insgesamt“, sagt Karin Lutz, die Vorsitzende des TVM, „werden beim Turnfest rund 200 Helfer benötigt.“ Neben dem Gerätekommando helfen Mitglieder und Eltern an den Verpflegungsständen sowie beim Auf- und Abbau. Die Idee für das Hotzenplotz-Thema und die Vorgaben für die Geräteparcours kommen vom Turngau Neckar-Enz. „Jetzt müsst ihr die Oma retten“, sagt Laura Babacek. Die 15-Jährige ist seit rund zwei Jahren Übungsleiterin beim TVM und betreut die Turntiger bei ihrem Wettkampf. Ein Kind darf bei der Omarettung in einen Kastendeckel sitzen, der auf mehreren Gymnastikstäben liegt. Auf ihnen rollt der Deckel. Um Deckel und Oma ans andere Ende der Bodenmatte zu bekommen, müssen die Kinder die Stäbe immer wieder vorne anbauen. Mit vereinten Kräften gelingt dies auch. Die Oma der Hotzenplotz-Helden Kasperl und Seppel ist in Sicherheit. „Wir sind ganz schön stark“, findet der vierjährige Marius.

Die nächste Station wird zeigen, ob die vier Turntiger auch mutig genug sind, um sich in die Räuberhöhle zu trauen. Dort nämlich wartet ein Schatz auf sie. Die Höhle besteht aus einem aufgestellten Bodenläufer und auf dem Weg dorthin müssen die Kinder über und unter Matten klettern. In der Höhle darf sich jedes Kind einen Goldtaler mitnehmen, den Lotte stolz präsentiert.

Um Gold geht es auch bei der nächsten Station. Dass das Gold eigentlich Sand ist, der mit einer kleinen Schubkarre durch einen Parcours transportiert werden muss, ist den Kleinen egal. Mit großer Sorgfalt landet die kostbare Fracht schließlich im vorgesehenen Behälter.

Der Höhepunkt aber wartet bei der letzten Übung. Auf dem Bild, das die Station illustriert, prangt die allen Kindern bekannte Pfefferpistole vom Räuber Hotzenplotz. Nicht nur Mattis bekommt leuchtende Augen. Mit zwei Wasserspritzpistolen dürfen er und seine Mitstreiter einen Becher, der an einem Seil befestigt ist, nach unten schießen. Mit vereinten Kräften und großer Konzentration wird auch diese Aufgabe gelöst und Laura Babacek ist stolz auf ihre Turnminis. „Das habt ihr richtig klasse gemacht“, lobt die Übungsleiterin ihre Turntiger.

Die Belohnung lässt nicht lange auf sich warten: Bei der Siegerehrung bekommt jedes Kind seine Medaille umgehängt und dazu eine Urkunde überreicht. Verlierer gibt es beim Wettkampf der Jüngsten nicht. Hier sind alle Gewinner. Nela schaut sich die goldene Trophäe ganz genau an. Die erste Medaille ist für die kleinen Nachwuchsturner etwas ganz Besonderes. Im nächsten Jahr wollen sie alle wieder mitmachen. Denn hier können die Kleinsten die Größten sein. Und schließlich hat so manche Turnkarriere bei einem Gaukinderturnfest ihren Anfang genommen.

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