Das Gedächtnis des Sports wird 20

Das IfSG mit Sitz in Maulbronn archiviert unzählige Dokumente aus Vereinen und Verbänden

Von Steffen-Michael Eigner Erstellt: 2. Mai 2013, 00:00 Uhr
Das Gedächtnis des Sports wird 20 Einen Toast auf 20 erfolgreiche Jahre: Martin Ehlers (IfSG-Geschäftsführer), Claus Schmiedel (SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag), Erich Hägele (IfSG-Vorsitzender), Andreas Felchle (Maulbronner Bürgermeister und IfSG-Schatzmeister), Dieter Schmidt-Volkmar (Präsident des Landessportverbandes LSV) Foto: Eigner

Mehrere Dutzend Gratulanten haben sich am Dienstagabend eingefunden, um bei einem Empfang das 20-jährige Bestehen des Instituts für Sportgeschichte Baden-Württemberg (IfSG) zu feiern. Nicht ganz zufällig hat das Institut seinen Sitz seit 1994 in Maulbronn. Eine Standortwahl mit Symbolcharakter.

Maulbronn. In einer launigen Ansprache blickte Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle zurück auf die Anfänge des am 4. Oktober 1993 in Ostfildern-Nellingen gegründeten IfSG, das sich ein wenig anders konstituiert habe als zunächst gedacht, aber seither erfolgreiche Arbeit tue. „Wir hatten uns etwas institutionelleres vorgestellt“, räumte Felchle ein, der zu den Gründungsvätern des IfSG zählt und seit 20 Jahren als dessen Schatzmeister amtiert. Die ursprüngliche Idee sei gewesen, das Institut etwa dem Ministerium für Kultus und Sport oder dem Sport-Institut der Universität Tübingen anzugliedern. Beides scheiterte aus unterschiedlichen Gründen.

Stattdessen wurde das IfSG ein eingetragener Verein mit heute etwa 100 Mitgliedern. „Etliche Sportfachverbände und auch Sportkreise sind unter den Mitgliedern, aber auch Persönlichkeiten aus Sport und Politik“, erklärt Martin Ehlers. Der Maulbronner Stadtarchivar fungiert zugleich als Geschäftsführer des IfSG, ist für diese Tätigkeit gegen Entgelt sechs Stunden pro Woche freigestellt, was dem IfSG die Kosten für einen eigenen Angestellten erspart. „In der Praxis sind es eher 38 Stunden plus sechs“, verriet Ehlers augenzwinkernd am Rande.

Bei der Gründung des Instituts vor 20 Jahren fehlte noch ein Standort. Mehrere Vorschläge wurden verworfen. Die Wahl fiel schließlich auf Maulbronn. „Weil hier ein dem IfSG mittlerweile eng verbundener Bürgermeister rumrannte, und weil hier Räume vorhanden waren, in denen man anfangen konnte“, bekannte Andreas Felchle, der ein Jahr zuvor auf den Chefsessel im Maulbronner Rathaus gewählt worden war. Außerdem sei der Standort symbolisch perfekt. Maulbronn, die alte württembergische Oberamtsstadt, liege seit der Kreisreform 1973 im Regierungsbezirk Nordbaden, und beheimate sowohl Sportvereine, die badischen, als auch solche, die württembergischen Verbänden angehörten, verdeutlichte Felchle.

Beim Institut für Sportgeschichte in Maulbronn lagert mittlerweile das Archiv des Württembergischen Landessportbundes (WLSB). „Dessen Dokumente lagen vorher eher gerümpelhaft in der Sportschule Tailfingen“, erzählte Andreas Felchle. Die Archive der badischen Sportbünde und des Landessportverbandes (LSV) sind in den staatlichen Archiven in Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart untergebracht. „So haben die Verbände ihre Dokumente in der Nähe und leichter greifbar“, begründet Martin Ehlers diese geografische Verteilung.

Wissenschaftliche Arbeit und Beratung für Vereinsvertreter

Das IfSG in Maulbronn könnte dennoch als eine Art Gedächtnis des baden-württembergischen Sports betrachtet werden. Als die zentrale Dokumentationsstelle des Sports in Baden-Württemberg beherbergt es eine ständig wachsende Bibliothek mit sportspezifischen Bänden, Nachschlagewerken, Vereins- und Ortschroniken sowie eine stattliche Sammlung von Mikrofilmen, auf denen Dokumente von Sportverbänden und Vereinen gesichert sind. Die Mikroverfilmung ist ein Angebot, das die Verbände und Vereine kostenlos nutzen können. „Die Original-Dokumente verbleiben in der Regel vor Ort“, so Ehlers.

Das IfSG gibt eine wissenschaftliche und kulturgeschichtliche Schriftenreihe heraus, veranstaltet Ausstellungen und wissenschaftliche Symposien, so auch im kommenden Oktober, wenn es in Maulbronn um das Thema „Sportgeschichte vernetzt“ geht.Darüber hinaus bietet das Institut Beratung und regelmäßig Schulungen für Vereins- und Verbandsvertreter an, etwa wenn es darum geht, ein Festbuch zu einem Jubiläum zusammenzustellen.

Für seine Arbeit steht dem Institut ein Jahresetat von rund 73000 Euro zur Verfügung, davon kommen 28000 Euro durch Mitgliedsbeiträge zusammen, 5000 Euro steuert der LSV bei, weitere 40000 Euro schießt das Kultusministerium zu.

Gleich im Anschluss an den feierlichen Empfang hielt das IfSG seine Hauptversammlung ab, auf der der Vorstand um den IfSG-Vorsitzenden Erich Hägele größtenteils wiedergewählt wurde. Neue stellvertretende Vorsitzende sind Prof. Dr. Annette Hofmann und Claus Schmiedel, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, die ihre Ämter von Erich Hägele und Pfarrer Volker Steinbrecher übernahmen. Von Mechthild Laur übernahm Karl-Josef Schäfer das Amt des Schriftführers. Und schließlich wurden neben Prof. Dr. Ansgar Thiel noch drei Landtagsabgeordnete als Beisitzer gewählt: Jochen Haußmann (FDP), Staatssekretär Jürgen Walter (Grüne) sowie der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk, der sich am Dienstagabend wegen einer anderen Veranstaltung hatte entschuldigen lassen.

www.ifsg-bw.de

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