Nicht ein einziges Mal auf 180

Mittrainiert: Beim Dartverein des Jugendraum Großglattbach trifft Julia Klassen selten ins Schwarze

Von Julia Klassen Erstellt: 21. April 2018, 00:00 Uhr
Nicht ein einziges Mal auf 180 Am Ende des Trainings fragt sich Julia Klassen, ob sie womöglich nicht einfach die falschen Pfeile bekommen hat. Foto: Fotomoment

Darts erfordert Konzentration und Zielsicherheit. Die Spieler vom DSC Jugendraum Großglabbich haben beides. Davon hat sich Julia Klassen in der Jubiläumsfolge unserer Serie überzeugt. Zum 50. Mal hat die Reporterin des Mühlacker Tagblatt nämlich „mittrainiert“.

Drei dieser Dartautomaten stehen im Großglattbacher Jugendraum.Drei dieser Dartautomaten stehen im Großglattbacher Jugendraum.

Mühlacker-Grossglattbach. „Ooo-oone Huuuundred aaaaand Eiiiightyyy!“ Nein, diesen legendären Satz ruft leider keiner bei meinem Dartabend im Jugendraum in Großglattbach. Kein Wunder, denn die höchstmögliche Punktzahl, die man in diesem Sport mit drei Würfen erzielen kann, nämlich 180, schaffe ich nicht. Dreimal müsste man dafür die Triple-20 treffen. In einer Runde. Ich schaffe das keinmal. In allen Runden.

Dabei habe ich früher gerne Darts gespielt. Gerne, nicht gut. Ich war eher eine vom Kaliber „Auch ein blindes Huhn und so weiter“. Immer mal wieder erzielte ich wirklich hohe Punktzahlen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wieso. Gezielt habe ich jedenfalls selten. Und wenn, dann traf ich garantiert etwas Anderes.

Nun bin ich also im altehrwürdigen Jugendraum Großglattbach, wo seit knapp zwei Jahren die Spieler und die Spielerin des DSV Jugendraum Großglabbich trainieren – in gemütlicher rauchfreier Atmosphäre. Die Stimmung ist gut. Wer gerade nicht die Pfeile wirft, sitzt bei einem Apfelschorle oder einer Cola an der Bar oder unterhält sich auf einem der Sofas. Später am Abend wird noch das C-Ligaspiel der dritten Mannschaft gegen den DC Triple 7 aus Pforzheim ausgetragen.

Gleich der erste Wurf lässt eine Blamage befürchten

Davor darf ich mittrainieren. Mein Trainingspartner heißt Adrian Sieber. Er spielt in der ersten Mannschaft und steht in der Rangliste der B-Liga auf Rang zwölf von 127 Spielern. „Ausgerechnet gegen einen der Besten muss ich ran“, denke ich. Philipp Rank, der Vorsitzende des Jugendraums scheint meine Gedanken zu erraten und beruhigt mich mit einem Grinsen: „Wenn er gegen Frauen spielt, wird er immer nervös. Das ist bekannt.“ Darts sei zu zehn Prozent Talent und zu 90 Prozent Kopfsache, ergänzt Philipp Rank, „an manchen Tagen kann man machen, was man will, und es geht gar nichts, da braucht man eigentlich nicht weiterspielen.“ Ich ahne schon, dass für mich heute einer dieser Tage sein wird.

Nervös bin ich nicht, ich habe ja nichts zu verlieren. Blamieren will ich mich aber auch nicht. Doch genau danach sieht es nach dem ersten Wurf aus. Denn der Pfeil verfehlt die Scheibe. „Das war ein Probewurf“, sage ich. War es nicht. Schade.

Adrian Sieber kennt kein Pardon. Und ich treffe im zweiten Versuch zumindest die Scheibe. Ein Punkt. Hah, besser als nichts! Wir spielen die Darts-Variante „301“. Das bedeutet, jeder Spieler hat zu Beginn 301 Punkte auf dem Konto, vor dort aus wird bis auf null heruntergespielt. In der Liga und in Turnieren treten in der Regel Mann gegen Mann an, spielt man nur zum Spaß, können sich auch mehrere Akteure gleichzeitig messen. Pro Runde hat man drei Würfe, die addiert werden. Bei mir muss man kein Rechengenie sein. Null plus eins plus 15 macht 16. Bei Adrian Sieber rechnet zum Glück der Automat. Triple-18 plus 20 plus 20 macht 94.

Drei Dartautomaten stehen mittlerweile im Jugendraum. Neu kostet so eine Maschine knapp 3000 Euro, der Verein hat seine aber gebraucht gekauft. „Wir sind durch unsere Veranstaltungen gut aufgestellt, so dass das kein großes finanzielles Problem war“, sagt Philipp Rank.

Ein Problem habe eher ich, allerdings ein sportliches. Denn ich treffe einfach nicht, zumindest nicht die hohen Zahlen. „Versuch es mal mit anderen Pfeilen“, rät mir Philipp Rank, „manchmal hilft das.“ Bei mir hilft es leider nicht. 135 Punkte habe ich noch auf dem Konto, als Adrian Sieber „aus“ macht, das heißt, als er mit seinem letzten Wurf genau auf null Punkte kommt. Im nächsten Spiel bin ich sogar noch schlechter. Aber dann! Ganz knapp, nämlich nur mit 14 Punkten Unterschied, beende ich das dritte Spiel. Dass Adrian Sieber phasenweise mit seiner linken Hand geworfen hat, möchte ich allerdings nicht unerwähnt lassen.

Danach darf ich gegen Sarah Pflüger antreten. Sie ist derzeit die einzige Frau in der Dartabteilung. „Darts ist immer noch ein Männersport“, sagt sie. Dabei kann eigentlich jeder und jede Darts spielen. Besondere Voraussetzungen gibt es nicht. Nur viel Training ist nötig. Sarah Pflüger ist gnädig. Ein Spiel geht letzten Endes tatsächlich an mich. Ich brauche dabei sogar nur sechs Runden, um auf null zu kommen. „Das ist richtig gut“, sagt Philipp Rank. „Auch ein blindes Huhn und so weiter“, denke ich und beende mein Training mit diesem Erfolgserlebnis.

Schließlich sind auch die Gegner für die abendliche Ligapartie schon da. Wenn sie allerdings gehofft haben, dass auch ich einer ihrer Gegenspieler bin, muss ich sie leider enttäuschen.

Ohne mich gewinnt der DSV Jugendraum Großglabbich III souverän mit 11:5 gegen die Gäste vom DC Triple 7 und behauptet den fünften Tabellenplatz.

„One Hundred and Eighty“, also 180, schafft allerdings auch im Ligaspiel keiner. „Das können nur die Profis“, sagt Philipp Rank. Viele davon haben er und fünf weitere DSV-Spieler Anfang des Jahres bei der legendären Dart-WM im Alexandra Palace in London, genannt „Ally Pally“, gesehen. „Sensationell“, sagt er, sei die Stimmung gewesen.

Ich finde, sie ist auch im Jugendraum super. Meine persönliche Darts-Karriere werde ich allerdings wohl eher nicht vorantreiben. Wobei, vielleicht hatte ich ja einfach nur die falschen Pfeile?

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