Mit Startrainer zum Sixpack

Der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück bereitet sich diszipliniert auf seinen Boxkampf gegen Ex-Profi Luan Krasniqi vor

Von Susanne Roth Erstellt: 14. September 2013, 00:00 Uhr
Mit Startrainer zum Sixpack Attacke: Auch der Sandsack muss einiges aushalten, als Uwe Hück (re.) unter Anleitung von Startrainer Ulli Wegner die ersten Hiebe setzt. Foto: Roth

Uwe Hück nähert sich allmählich seinem Kampfgewicht. Ein paar Fettpolster sollen sich noch in Muskeln umwandeln, um dem Boxkampf mit Ex-Europameister Luan Krasniqi gewachsen zu sein. Dafür hat sich der Porsche-Betriebsratsvorsitzende einen der besten Trainer der Welt nach Pforzheim geholt.

Pforzheim. Normales Training im Pforzheimer Boxzentrum sieht anders aus: Am Mittwochabend stehen im Untergeschoss Blitz-Schirme zum Ausleuchten, hier eine Filmkamera, dort eine Fotokamera, fragende Menschen dazwischen, Kulis kritzeln auf Schreibblöcke, während im Hintergrund Stöhnen die Treffer auf Sandsäcke begleitet. Im Mittelpunkt der schwitzenden Leiber: Box-Startrainer Ulli Wegner, der den Porsche-Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück auf seinen Benefiz-Boxkampf gegen den ehemaligen Boxprofi Luan Krasniqi vorbereitet.

Er hat schon einmal mit ihm trainiert und sofort gesehen: „Der hat Siegeswillen.“ Und das reizt Ulli Wegner natürlich, dafür lässt er gern in Berlin alles stehen und liegen, um drei Tage lang in Pforzheim mit Uwe Hück in den Ring zu steigen. Besser: Der ehemalige DDR-Profi und heutige Trainer im Profilager schickt seinen Schützling zwischen die Seile – mit einem Sparringspartner, den der Pforzheimer Trainer Ayhan Isik aussucht. An diesem Abend heißt er Alexander Wehrbach, ein Schrank von einem Mann. Er hat sich schon warm gemacht und wartet auf seinen Gegner. Doch der ist noch unterwegs von einer Vorstandssitzung bei Porsche. „Bisschen was muss der Uwe ja auch noch arbeiten“, wie Uwe Hück klar macht, als er dann mit einer Viertelstunde Verspätung in Trainingsklamotten die Treppe hinunter federt. „Da ging es um Hunderttausende von Euro.“, setzt er nach. „Aber ich hab’ denen dann auch gesagt: Jungs, ich muss los.“ Genug geredet. „Tagsüber kämpfe ich mit Worten… abends mit Taten“, sagt ein wie immer Optimismus verströmender Uwe Hück gut gelaunt. Er freut sich auf den Kampf, sein Kampfgewicht von 100 Kilogramm hat er. „Das bisschen Fett wandelt sich auch noch in Muskelmasse, am Ende habe ich mein Sixpack“, sagt er.

Hück: „Ich gehe sicher nicht in der ersten Runde K.o. und in der fünften auch nicht.“

Sechsmal pro Woche Training – alles eine Frage von Disziplin, die er auch seinen Jungs im Haidach vermitteln will. „Können ist nicht die Frage, aber Wollen.“ Wenn ihm jemand das Wort „unmöglich“ vorhalte, dann erst recht. „Ich gehe sicher nicht in der ersten Runde K.o. und in der fünften auch nicht.“ Grinst und wickelt sich die Box-Bandagen um die Hände. Bis er so weit ist, kann Ulli Wegner ruhig noch ein paar Minuten plaudern.

Der Mann, der 1970 mit Wismut Gera DDR-Mannschaftsmeister wurde, Ende der 90er-Jahre ins Profilager wechselte und Männer wie Sven Ottke, Arthur Abraham und Marco Huck zu Weltmeistern machte, weiß, dass ihm nicht viel Zeit bis zum Kampf zwischen Uwe Hück und Luan Krasniqi am 16. November in Ludwigsburg bleibt. Aber „bisschen was aus ihm rauskitzeln“, das geht. Gute Anlagen sind ja da, psychisch, als auch physisch. Dass sich der Aufwand lohnt, hat er gleich gesehen. Denn Perlen vor die Säue werfen, das will auch ein Ulli Wegner nicht. „Das muss sich schon lohnen“, findet er – selbst wenn es sich um einen Benefizkampf handelt und letztlich die gute Sache zählt.

„Der Mann ist halt 51 Jahre alt“, sagt Ulli Wegner. Das ist dann so eine Sache mit den Ratschlägen. Aber er denkt schon, dass Uwe Hück ein bisschen auf ihn hören wird. „Ich mach’ alles, was der sagt“, kommentiert Uwe Hück. Das will was heißen, schließlich ist Uwe Hück kein Küken mehr. Der 100-Kilo-Mann hat nicht nur 51 Jahre auf dem Buckel, sondern auch 38 Jahre Thaiboxen. Und das könnte auch das einzige Problem werden: Uwe Hück muss nämlich schön die Füße unten lassen, wenn er gegen den Profi Luan Krasniqi antritt. „Am Anfang war das schon schwierig, aber jetzt geht es“, meint Uwe Hück. Er hat sich unter den Pforzheimer Jungs warm gemacht, nachdem er sanft dem Handy-Fotoshooting ein Ende gesetzt hat. Beantwortet gern noch letzte Fragen, zappelt aber schon vor Ungeduld.

„Ich muss jetzt mal“, sagt Uwe Hück, der noch betont, dass er natürlich ausführlich die Kampftechnik seines Gegners studiere, aber ansonsten keinen Bammel hat. „Ich mach das ja schon so lange“, winkt er ab. Dann geht es ran an die Buletten, besser: an Alexander Wehrbach. Nach der ersten Runde kommt er an die Bande, hört aufmerksam Ulli Wegner zu. „Die Deckung besser oben halten, aber sonst ist schon gut“, lautet das Signal. „Ich will ihn ja nicht zu sehr kritisieren, sondern das Positive, was in ihm steckt, herausholen“, betont der Startrainer.

Nach der zweiten Runde, die für Laien-Augen auch recht ausgeglichen wirkt, fragt Hück kokettierend die Presseleute: „Und, war ich gut?“ Und gibt die Antwort auch gleich selbst: „Der wiegt noch mal 35 Kilogramm mehr als ich.“ Um dann mit schweißüberströmtem Gesicht und kampfwütigen Augen in die Kamera von Elk Galley zu schauen, der für den Veranstalter „Michaelis Event“ filmt: „Das ist noch nicht alles.“ Die Botschaft kommt sicher an. Dank Facebook und Youtube auch beim Gegner.

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