Boule-Asse zeigen ihr Können

Bififditu-Turnier: Präzisionssportler aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz liefern sich teilweise hochklassige Duelle

Von Jan Simecek Erstellt: 7. August 2018, 00:00 Uhr
Boule-Asse zeigen ihr Können Tobias Müller misst mit der Schnur den Abstand zwischen Boule- und Holzkugel.

Beim 16. Bififditu-Turnier am Wullesee in Mühlacker ist den Zuschauer wieder einmal hochklassiges Boule geboten worden. Dabei mussten sich die Lokalmatadore Tobias Müller und Diol Abdoulaye im Finale des Doublette-Turniers knapp geschlagen geben.

Mühlacker. Ein Hut ist fast schon obligatorisch, die Sonne knallt gnadenlos herunter. Das Thermometer zeigt im Schatten deutlich über 30 Grad, die Schattenplätze sind rar und begehrt. Auf den Boule-Bahnen gibt es um die Mittagszeit ohnehin kein Fleckchen Schatten. Der sonst so ruhige, beschauliche Boulesport wird bei der 16. Auflage des Bififditu-Traditionsturniers zu einer echten Belastungsprobe für die Spieler.

Bei brütender Hitze ist regelmäßige Flüssigkeitszufuhr selbst beim bewegungsarmen Boule ein Muss. Wasser, Cola, aber auch mal ein Pastis – ganz wie auf einem Dorfplatz im Süden Frankreichs. Ansonsten trocknet gefühlt das Hirn ein. Klar denken fällt in dieser Hitze ohnehin schon schwer. Und so widerfährt dem Doublette-Turnier unterm Sender, was es eigentlich nicht verdient hat. Wer ausgeschieden ist, sucht schnell das Weite. Am Nachmittag wird die Anlage des Bouleclub (BC) Mühlacker zusehends leerer. Dabei laufen erst jetzt die interessanten Spiele. Die Lokalmatadore und amtierenden deutschen Meister Tobias Müller (Ötisheim) und Diol Abdoulaye (Lomersheim), beide allerdings für den Bundesligisten Horb startend, treten beispielsweise gegen den mehrfachen deutschen Meister Jean-Luc Testas (Malsch) und dessen Partner Christian Bossert (Rastatt) an. Es ist so etwas wie ein vorweggenommenes Finale und hat entsprechend die einzige Bahn bekommen, die inzwischen ein wenig Schatten bietet.

Doublette ist eine von zahlreichen Varianten des Boule. Gespielt wird in Zweier-Teams, jedem Spieler stehen pro Aufnahme sechs Kugeln zur Verfügung. Verwirrend ist es dennoch zu Beginn. Wer fängt an? Wer ist an der Reihe? Und warum werden beim Boule Schweine geworfen? Wer zu Spielbeginn das Schweinchen (französisch Cochonnet), also die Zielkugel, wirft, wird ausgelost. Zwei Fragen sind damit beantwortet. In den folgenden Aufnahmen – so heißen die Spielrunden – darf jeweils der das Schwein werfen, der die letzte Aufnahme gewonnen hat. Wer aber zwischendurch gerade an der Reihe ist, wirkt weiter undurchsichtig. Es ist das Team, dessen beste Kugel weiter vom Schweinchen entfernt liegt.

Damit sind eigentlich fast alle Unklarheiten beseitigt. Bleibt nur die Frage, ob es eine bestimmte Reihenfolge gibt, in der die jeweiligen Mitglieder der Teams werfen müssen. Dazu gibt es weitere Aufklärung von Erwin Müller, Boule-Veteran und Pressemann beim BC Mühlacker: Das sei Sache des Teams. Auf diesem hohen Niveau hätten sich meist Spezialisten zusammengetan. Da sei zum einen der Pointeur, der Leger, und der Tireur, der Schütze. Die Begriffe erklären sich fast von selbst. Der eine versucht, die eigenen Kugeln möglichst nah an die Sau zu werfen. Der andere versucht, die gut gelegten Kugeln des Gegners wegzuschießen. Idealerweise können beide Spieler beide Spielarten ein wenig, denn es kommt durchaus vor, dass dem Tireur früh die Kugeln ausgehen und dann der Pointeur noch eine Kugel aus dem Weg räumen muss. Oder umgekehrt kann es reichen, wenn der Tireur die letzte Kugel hat, diese einfach nur besonders gut zu platzieren. So ausgestattet mit Regelkunde kann man dem hochklassigen Viertelfinale folgen. Testas und Bossert sind eher eine Zweckgemeinschaft. Das wird deutlich, als Bossert zu Beginn einige Kugeln nicht so gut legt, woraufhin er von Testas kritisiert wird. Müller und Abdoulaye beraten sich dagegen immer wieder, sind Teamplayer. Müller, der in Ötisheim von klein auf das Boulespiel erlernt hat, legt, und Abdoulaye, der nach seiner Ankunft in Deutschland beim BC Mühlacker seine sportliche Heimat gefunden hatte, schießt beinahe überragend.

Das Spiel ist spannend und zieht immer mehr Zuschauer in seinen Bann. Genau genommen sind es überwiegend Spieler, die auf den anderen Bahnen ihre Partien bereits beendet haben, und die vor der Hitze nicht gleich nach Hause, sondern in den spärlichen Schatten flüchten. Sie beobachten ein hochklassiges Spiel in einem starken und vor allem weit verbreiteten Feld. Im Prinzip ist fast ganz Baden-Württemberg abgedeckt. Die Teilnehmer kommen aus Backnang, Mannheim, Ettenheim; aus dem benachbarten Elsass und der Schweiz; aus Horb, Neuffen oder Waiblingen. Es sind zahlreiche amtierende oder ehemalige Meister im Feld – und dennoch hätte das Turnier noch besser besetzt sein können. Die mehrfache deutsche Meisterin Heike Raab half aber beispielsweise im Küchenteam, statt selbst zu melden.

Müller und Abdoulaye hatten nach Ansicht vieler eine Favoritenrolle im Feld. Dieser wurden sie auch gerecht. Sie setzten sich im Viertelfinale gegen Testas und Bossert durch, und auch im Halbfinale behalten sie gegen die Ötisheimer Jörg Hagmann und Felix Hand die Oberhand. Doch dann finden sie im Finale mit Etienne Feyertag und Alexandre Goland (BC Strasbourg) ihre Meister und verlieren deutlich mit 4:13. Zumindest ein Sieg geht noch an zwei hiesige Akteure: Im B-Turnier der zu Beginn in der Barrage gescheiterten Teams setzen sich Wolfgang Unger und Matthias Unger (BC Mühlacker) durch.

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