Fassbier landet in der Biogasanlage

Keine Feste – kein Absatz: Wiernsheimer Brauerei sieht sich in der Corona-Krise zu einem schmerzhaften Schritt gezwungen

Von Norbert Kollros Erstellt: 29. April 2020, 00:00 Uhr
Fassbier landet in der Biogasanlage Drastischer Schritt in der Corona-Krise: Nach weniger als einer halben Stunde sind rund 1500 Liter Export- und Dunkelbier aus der Wiernsheimer Adler-Brauerei von den Braumeistern Conrad (re.) und Robert Volk in einem Schacht der Biomethananlage in Mühlacker entsorgt. Foto: Kollros

Zu einer ungewöhnlichen Zweckbestimmung für sein Fassbier sieht sich der Inhaber der Wiernsheimer Adler-Brauerei, Robert Volk, gezwungen: Am Dienstag kippte er gemeinsam mit Sohn Conrad rund 1500 Liter Export-Bier in den Gärungskreislauf der Biomethan-Anlage der Stadtwerke Mühlacker.

Wiernsheim. Sein Bier sei ein naturbelassenes Frischeprodukt, handwerklich in einer Kleinbrauerei hergestellt, sagt der Brau- und Mälzermeister, und es habe deshalb auch eine weitaus begrenztere Haltbarkeit als Erzeugnisse der Bierindustrie. Es sei zudem nicht absehbar, wann seine Fassbierkunden – vorwiegend Gaststätten und Festveranstalter auf Vereinsebene – wieder ihren Betrieb aufnehmen könnten.

Als Corona noch kein Thema gewesen sei, habe der Familienbetrieb – auch die Ehefrau Ramona und die Söhne Leopold und Conrad legen mit Hand an – Vorräte für die nahende Festsaison angelegt. „Dann hat es uns im vollen Lauf eiskalt erwischt, als Mitte März der Gesetzgeber jegliche Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit stoppte und Gaststätten schloss“, so der Brauermeister mit rund dreieinhalb Jahrzehnten Berufserfahrung. Also entschlossen sich die Volks schweren Herzens, ihre Vorräte und das von ihren Kunden zurückgenommene Fassbier wegzuschütten. „Wir haben uns sehr hohe Qualitätskriterien auferlegt, und denen bleiben wir auch in der Krise treu“, so der Brauereichef.

Man könne aus geschlossenen Gastronomien zurückgenommenes Bier nicht in einigen Wochen wieder als „frisch“ in den Verkehr bringen und ausschenken, macht Robert Volk klar. Unter einer Abfüllung in Flaschen würde die Qualität leiden. „Mir blutete wirklich das Herz“, erinnert sich Volk an den Zeitpunkt, als die Entscheidung zur Bierentsorgung auf der Biomethan-Anlage getroffen wurde. Gleichzeitig stärken viele Stamm- und auch Neukunden Volks den Rücken, indem sie vermehrt Flaschenbier im Adler-Abholmarkt in Wiernsheim kaufen. Gleichwohl sei es ein kleiner Trost, dass aus dem Gerstensaft nun wenigstens noch elektrische Energie gewonnen werde sowie Biomethan, das ins Mühlacker Erdgasnetz eingespeist wird.

Robert Volk hat trotz des Verlusts von Bier im Wert von rund 6000 Euro – übrigens unter zollamtlicher Aufsicht – seinen Galgenhumor nicht verloren. Man leiste einen typischen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, witzelte er. Die Brauerei liefert seit Jahren ihren Produktionsrückstand Biertreber zur Biomethananlage, und die produziert aus den Gärresten der Fermentierung neuerdings Dünger in Pelletform. Und diesen hat der Getränkeabholmarkt der Volks mittlerweile auch im Sortiment.

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