„Brauer ist ein Künstlerberuf“

Leopold Volk will in die Fußstapfen seiner Eltern treten und den Familienbetrieb Adler-Bräu in Wiernsheim übernehmen

Von Norman Mummert Erstellt: 22. April 2014, 00:00 Uhr
„Brauer ist ein Künstlerberuf“ Mit einem Prüfstab testet Leopold Volk, ob sich Malz im Maischebottich gelöst hat. Foto: Mummert

Damit Gesetze gefeiert werden, müssen sie schon sehr bedeutend sein. Am 23.April 1516 wurde ein solches proklamiert: das deutsche Reinheitsgebot. Entsprechend begehen Bierfans den „Tag des deutschen Bieres“.

Wiernsheim. Von Weitem ragt sie wie ein Turm aus dem Boden und überblickt sämtliche Wohnhäuser rings umher: die Kleinbrauerei Adler-Bräu in Wiernsheim. Das große Massensterben der kleinen Brauereien ist mittlerweile abgeklungen. „Aber Kleinbetriebe haben es gegenüber großen Brauereiketten immer noch schwer“, sagt einer, der im Hause Adler-Bräu zukünftig die Geschicke lenken soll, Leopold Volk. Der Geschäftsführungsaspirant lernt Brauer und Mälzer und tritt damit in die Fußstapfen seiner Eltern. „Ich bin Brauer in fünfter Generation“, erklärt er. Gedrängt habe ihn dazu aber niemand. „Ich mache das freiwillig. Mein Vater sagt immer ,Brauer ist kein Beruf, sondern eine Berufung‘“, so Volk.

„Ich liebe einfach den Geruch von Maische, wenn ich ins Sudhaus komme“

Leopold Volk

Zuvor hat er eine Reihe von Praktika, beispielsweise in einer Schreinerei und einer Metzgerei absolviert. Wirklich gefallen habe es ihm dort aber nicht, weshalb es ihn zurück in den heimischen Betrieb zog. „Ich liebe einfach den Geruch von Maische, wenn ich ins Sudhaus komme“, schwärmt Volk. Maische ist eine Mischung aus Malzschrot und Wasser, bei der Stärke in Zucker umgewandelt wird. Dann nimmt Leopold Volk einen Prüfstab zur Hand, öffnet den Maischebottich und stochert im Innern des Gefäßes herum, um zu überprüfen, ob sich auch das Malz gelöst hat. Der Maischeprozess ist für den Geschmack des Bieres äußerst wichtig. „Außerdem gefällt mir, dass wir noch die alten Maschinen nutzen“, fügt Volk hinzu.

Wo in Großbetrieben das Bierbrauen von Computersystemen überwacht wird, müssen Volk und seine Eltern, die beide Brauer und Mälzer sind, noch Hand anlegen. Genau das imponiert dem angehenden Geschäftsführer. „Ich finde das praktische Arbeiten spannender als die Theorie“, erklärt er und schließt damit ein mögliches Studium des Brauwesens von vornherein aus. Allerdings sorgt vor allem die Rationalisierung der Produktionsabläufe dafür, dass immer weniger Brauer und Mälzer gefragt sind. „Brauer war nie so der beliebteste Beruf, aber heutzutage wollen noch weniger Leute den Beruf ergreifen“, erläutert Volk. Die Nachfrage sei so gering, dass die Berufsschule Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm ein Einzugsgebiet für angehende Brauer hat, das Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst.

Leopold Volk jedoch hält an seinem Plan fest, zukünftig den Familienbetrieb in Wiernsheim zu leiten. Erste Erfahrungen durfte er bereits machen. So habe er die Lage und den Aufbau der Füllanlage entschieden, die derzeit entsteht. Denn zukünftig will Adler-Bräu sein Bier eigenständig abfüllen und etikettieren. Der Aufbau der Füllanlage ist gleichzeitig auch der Grund, warum der Familienbetrieb zum Tag des Bieres am morgigen Mittwoch keine Aktionen geplant hat. „Das hätten wir zeitlich einfach nicht geschafft“, sagt Volk. Noch immer müssen für die Füllanlage Wasser-, Bier- und Luftleitungen gelegt werden.

Eine weitere Idee von ihm sei gewesen, bei Betriebsbesichtigungen die Besucher im Sudhaus ihr eigenes Bier zusammenstellen zu lassen. Denn eines ist für Leopold Volk ganz klar: „Brauer ist ein Künstlerberuf.“ Und der Künstler präsentiert sich von seinem Kunstwerk vollauf überzeugt. „Unser Bier ist schon mein Lieblingsbier“, wobei er klarstellt: „Die anderen Biere sind nicht schlecht, sie sind anders.“ Und gerade die Biere von Großbetrieben schmecken ihm zu langweilig. Ein ganz essenzieller Aspekt ist für Volk die Stärkung „der örtlichen Infrastruktur“. Damit meint er Metzgereien und Bäckereien in den Ortschaften, die ihr Handwerk noch selbstständig erledigen. Diese verschwänden zunehmend, was er sehr bedauere. Um dem entgegen zu wirken, müsse man „Gesicht zeigen“. Man müsse auf Festlichkeiten präsent sein.

Im Büro schenkt sich Leopold Volk erst einmal ein Leo-Pils ein, ein Bier, das seine Eltern kurz nach seiner Geburt nach ihm benannt haben. Das Bierbrauen nimmt einen großen Teil seines Lebens ein: Berufsschule, Ausbildungsbetrieb, Familienbetrieb. Wenn Volk nicht gerade Bier braut, dann spielt er am liebsten Fußball. Sein Lieblingsverein ist der FC Bayern München. Sein Tipp fürs Pokalfinale? „Ich tippe auf einen 3:1-Sieg gegen Dortmund“, sagt er und lacht.

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