Wenn das Fernweh im Herzen lodert

Sabine Kieninger und Uli Keller aus Enzberg reisen seit zweieinhalb Jahren durch die Welt – Kurzer Zwischenstopp in der Heimat

Von Frank Goertz Erstellt: 18. Oktober 2016, 00:01 Uhr
Wenn das Fernweh im Herzen lodert Sabine Kieninger und Uli Keller aus Enzberg im Tiger-Tempel von Kanchanaburi (Thailand). Fotos: privat

Sabine Kieninger und Uli Keller leben ihren Traum: Im April 2014 sind sie in den Flieger nach Moskau gestiegen und haben alles hinter sich gelassen, um die Welt zu bereisen und zu erfahren, mit wie wenig sie glücklich sein können.

Mühlacker. Nach 28 Monaten in Sibirien, der Mongolei, China, Asien, Ozeanien, der Südsee und Mittelamerika sind Sabine Kieninger (30) und Uli Keller (35) wieder für einige Wochen in der Heimat. Aber Mitte November wollen sie schon wieder ihre Rucksäcke packen. Teil zwei der Weltreise führt dann nach Südamerika und Afrika. Auf Luxus können Sabine Kieninger und Uli Keller unterwegs gut verzichten. „Wir übernachten in einfachen Unterkünften und reisen mit lokalen Verkehrsmitteln“, steht für sie „Homestay statt Hilton“ und „Klapperbus statt Touristenbus“ ganz oben auf der Agenda. Nicht nur, um ein paar Euro zu sparen, sondern auch, um den Menschen in ihren Reiseländern näher zu kommen und zu erfahren, wie sie leben.

Mit der Transsib durch die Steppe.

Mit der Transsib durch die Steppe.

Die vergangenen zwei Jahre haben Kieninger und Keller verändert. „Wenn man so unterwegs ist wie wir, wird man viel gelassener. Man entwickelt ein Urvertrauen, dass sich immer irgendwas ergibt.“ Außerdem geraten Wertvorstellungen ins Wanken. „Wir wundern uns manchmal, über was die Menschen sich in Deutschland aufregen“, sagt Sabine Kieninger. „In den meisten Ländern leben die Menschen viel einfacher – und sind trotzdem zufrieden“, ergänzt Uli Keller. „Es muss nicht immer die ständige Effizienzsteigerung sein, wie wir sie kennen. Es geht auch anders.“

Uli Keller und Sabine Kieninger suchen auf ihren Reisen den „anderen“ Weg, biegen vom ausgelatschten Banana Pancake Trail ab, auf dem sich schon Generationen von Travellern bewegt haben und immer noch bewegen. „Wir verzichten auf Reiseführer“, erklärt Sabine Kieninger. „Denn wenn da steht, irgendwas sei ein Geheimtipp, ist es bestimmt kein Geheimtipp mehr.“ Stattdessen lassen sie die Dinge auf sich zukommen, sind offen für Neues. Und dass „Zeit“ kein limitierender Faktor bei ihren Reisen ist, unterscheidet sie von vielen anderen Reisenden.

Auf dem Vulkan in Vanuatu (Südsee).

Auf dem Vulkan in Vanuatu (Südsee).

Der einzige limitierende Faktor ist Geld. Aber Kieninger und Keller haben lange gespart, um sich ihren Traum vom grenzenlosen Reisen zu erfüllen. „Ursprünglich sind wir von einem Budget von 1000 Euro pro Person im Monat ausgegangen“, berichtet Kieninger. Aber in vielen Ländern komme man mit deutlich weniger aus. Dabei schlagen die beiden Weltenbummler auch schon einmal unkonventionelle Wege. ein. „In Neuseeland haben wir keinen Dollar für Transport ausgegeben. Wir haben alles zu Fuß oder per Anhalter gemacht.“

Per Anhalter ging auch die letzte Etappe ihrer bisherigen Weltreise – von Madrid nach Mühlacker. „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden. Nicht etwa, um Geld zu sparen, sondern um etwas zu erleben“, sagt Uli Keller. „Fliegen oder mit dem Bus oder der Bahn fahren kann jeder.“ Dass dann auch noch an einer Ausfallstraße von Madrid der Fahrer eines polnischen Kleinlasters erklärt, er sei auf dem Weg in seine Heimat und könne sie so weit mitnehmen, wie sie wollen, war der Lohn für den Mut, es als Tramper in Europa zu versuchen. „18 Stunden später waren wir in Karlsruhe“, lacht Keller.

Die Frage nach den Höhepunkten ihrer Reise lässt sich nur schwer beantworten, aber dann sagt Uli Keller: „Ganz sicher gehört Australien dazu. Eigentlich wollten wir nur zwei Monate bleiben. Daraus ist ein Jahr geworden.“ In diesem Jahr haben sie mit Arbeiten auf Farmen auch ihr Reisebudget immer ein wenig aufgestockt. Als Landmaschinenmechaniker ist vor allem Uli Keller in Australien ein gefragter Mann. Aber auch Sabine Kieninger, die Internationales Marketing studiert hat, ist sich als Cowgirl für keine Arbeit zu schade. „Wir verlassen beim Reisen so oft wie möglich unsere Komfortzone, wagen uns ins Unbekannte und gehen an unsere Grenzen – denn hier machen wir jedes Mal neue, spannende Erfahrungen“, sind Keller und Kieninger hungrig nach Abenteuern. Je exotischer, desto besser. Mit der Transsib in der dritten Klasse von Moskau nach China.

Endlose Weite: das Outback in Australien.

Endlose Weite: das Outback in Australien.

Mit dem klapprigen Moped durch Thailand, Laos und Kambodscha und später mit einer anderen „Maschine“ von Guatemala zum Panamakanal. Oder zu Fuß an die Kraterränder aktiver Vulkane im Feuergürtel der Erde oder durch den Dschungel Sumatras auf der Suche nach wilden Orang Utans. Die schönsten Momente seien aber die vielen Begegnungen mit den Menschen aus anderen Kulturen gewesen, findet das Paar aus Enzberg, das mit Englisch, Spanisch, ein paar Brocken Mandarin, Händen und Füßen und ganz viel Lächeln die Kontakte sucht, die das Leben bereichern.

Heimweh ist für Kieninger und Keller ein Fremdwort. Vielmehr lodert das Fernweh in ihren Herzen. Deshalb geht es auch bald wieder los in Richtung Südamerika. Dort steht unter anderem Patagonien ganz oben auf ihrer Wunschliste. Außerdem soll Teil zwei der Weltreise sie durch Afrika führen. „Und wenn die Erde tatsächlich rund ist, landen wir danach automatisch wieder in Deutschland“, sagen die Weltenbummler. Wann das sein wird, steht allerdings in den Sternen.

Einen detaillierten Einblick in ihre Reise und ihre Abenteuer geben Sabine Kieninger und Uli Keller in ihrem Reiseblog www.travel-the-world-with-us.de

Frank Goertz

Stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Frank.Goertz@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen

Motorradfahrer schwer verletzt

Engelsbrand (pol). Schwere Verletzungen hat sich ein 62-jähriger Motorradfahrer am Donnerstag zugezogen, als er gegen 14 Uhr auf der Landesstraße 338 auf der Fahrt von Engelsbrand in Richtung Bundesstraße 294… »