Video: Unterwegs auf dem Flohmarkt in Mühlacker

Von Maren Recken Erstellt: 31. Oktober 2016, 12:00 Uhr
Video: Unterwegs auf dem Flohmarkt in Mühlacker Jutta und Rudi aus Ettlingen kommen zwei- bis dreimal im Jahr auf den Flohmarkt. Foto: Recken

Mühlacker. „Morgens um 5 Uhr kommen die Jäger – das sind diejenigen, die zuschlagen, weil sie genau wissen, was etwas wert ist“, erklärt Willi Veil, der seit über zwölf Jahren den Flohmarkt am Lienzinger Tor in Mühlacker organisiert. „Sie setzen auf die Unwissenheit der Verkäufer, die keine Ahnung haben, wie wertvoll der Gegenstand ist, den sie veräußern.“ Das sieht Veil als die traurige Seite des Flohmarkts an: „Wenn arglose Hobbyverkäufer das eine oder andere Mal über den Tisch gezogen werden.“

Doch solche Handelsplätze hätten auch ihre schöne Seiten, findet Veil. Und die konnte man etwa am vergangenen Samstag auf dem Parkplatz am Lienzinger Tor erleben: Es herrschte sonniges Wetter, rund siebzig Händler – deutlich mehr als normalerweise üblich – und zahlreiche Käufer auf der Suche nach Schnäppchen kamen zusammen. Da wird ein gebrauchter Fernseher zum Auto geschleppt oder stolz die für zehn Euro erworbene Lederjacke präsentiert, dort wird ein Paar selbstgestrickter Babysöckchen für das Enkelkind eingepackt, das bald geboren werden soll, und etwas weiter geht eine gebrauchte Gitarre über den Verkaufstisch.

Für viele gehört der von März bis Dezember alle 14 Tage stattfindende Flohmarkt zum Wochenende. Man kennt sich – unter den Händlern wie unter den Kunden. Der Currywurststand von Veil, der mittlerweile kein Gebrauchtes mehr verkauft, ist ein Treffpunkt für die, die sich austauschen wollen. Zum Schwätzchen bei einer Currywurst mit hausgemachter Sauce oder selbstgebackenen Kuchen. Dafür ist Willi Veils Frau zuständig.

Sieben Euro kostet der laufende Meter Standplatz. Offizielle Verkaufszeit ist von 8 bis 16 Uhr. Jutta und Rudi aus Ettlingen, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchten, haben ihre Ware an diesem Samstagmorgen seit 7 Uhr aufgebaut – ein Flohmarktstand der edleren Version, an dem Krüge, Geschirr, Vasen, Leuchter und vieles mehr auf einem weißen Leinentischtuch präsentiert werden. Was die beiden verkaufen, stammt aus dem Nachlass des verstorbenen Vaters, berichtet sie. Zwei- bis dreimal pro Jahr kommen die beiden nach Mühlacker. „Nach dem Tod haben wir alles weggepackt, aber irgendwann muss das ja raus aus dem Keller“, erzählt Jutta.

Ein paar Stände weiter berichtet eine siebenfache Mutter, mehrfache Groß- und Urgroßmutter, sie verkaufe, was ihre Kinder und Enkelkinder nicht mehr bräuchten. Und sie fügt hinzu: Das eingenommene Geld werde sie – in kleinen Säckchen verteilt – an die Enkel und Urenkel weitergegeben.

Am Stand schräg gegenüber unterhalten sich drei Verkäuferinnen darüber, dass heutzutage immer mehr um den Preis gefeilscht werde. Viele würden den Wert der Waren nicht würdigen. Freilich seien sie gebraucht, aber das bedeute nicht, dass sie nicht mehr gut seien. „Viele wollen alles für maximal 50 Cent“, sagt eine der Frauen. Trotzdem kommen die Drei regelmäßig nach Mühlacker. „Das ist mehr als verkaufen“, finden sie und berichten von netten Gesprächen unter Stammkunden.

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