Die Saat geht auf

Bei der Solidarischen Landwirtschaft in Diefenbach wird gearbeitet, geerntet und über die nächste Mahlzeit hinausgedacht

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 3. Juni 2019, 00:00 Uhr
Die Saat geht auf Tierisch wirksame Hilfe gegen das Austrocknen: Elsbeth Rommel (li.) und Gisela Feszler legen Schafwolle um die Tomatenpflanzen. Foto: Stahlfeld

Bei Pflanzen ist es manchmal ein bisschen wie bei Menschen. Weil sich die einen besser leiden können als die anderen, wächst bei der SoLaWi in Diefenbach der Salatkopf neben dem Fenchel. Doch nicht nur dieses Duo auf dem Acker gedeiht prächtig.

Sternenfels-Diefenbach. SoLaWi steht für Solidarische Landwirtschaft, und wie diese konkret gelebt wird, das kann man seit 2015 in Diefenbach sehen. Dort schlossen sich im Mai vor vier Jahren engagierte Familien zusammen, um in Form einer Initiative nach biologischen Grundsätzen gepachtetes Land zu bewirtschaften. Knapp ein Jahr später wurde der lose Zusammenschluss auf ein festes Fundament gestellt. Am 24. April 2016 erfolgte die Vereinsgründung, und viele neue Interessierte schlossen sich dem Gedanken der solidarischen Landwirtschaft an. Rund 20 Mitglieder beziehungsweise Familien bewirtschaften aktuell gemeinsam etwas weniger als ein Hektar Land und teilen die Ernte untereinander auf. Seit Mai ist jeden Samstag Arbeitsdienst angesagt.

„Die Schafwolle hält es feucht“, sagt Els Lasthuis und hebt das flauschige Teil hoch. Tatsächlich, die Erde, in der die Bohnen keimen sollen, ist feucht geblieben. „Außerdem hält es die Schnecken ab“, sagt die gebürtige Niederländerin, die an diesem Samstagvormittag gemeinsam mit Gisela Feszler und Elsbeth Rommel auf dem Feld am Diefenbacher Ortsausgang in Richtung Sternenfels arbeitet. Kistenweise schleppen sie die Setzlinge in Richtung Feld. Es ist Pflanzzeit. Die Gurkenpflanzen müssen in den Boden. Auch Melonen-Setzlinge haben sie hier in Diefenbach vorgezogen. Derweil kann in einem der zwei Folienhäuser schon Salat geerntet werden. Auch Rote Beete und Brokkoli warten auf ihren Einsatz im Kochtopf.

Die Freilandsaison startet auf dem Gießbachacker und dem Metteracker der SoLaWi jetzt so richtig durch. Doch auch den Winter über musste keiner auf Gemüse aus eigenem Anbau verzichten. „Wir hatten durchgehend Ackersalat, so groß und so lecker“, schwärmt Gisela Feszler. Sie genießt es, in der Natur zu arbeiten und dabei noch so viel geschenkt zu bekommen. Ihr ist es wichtig, dass regional und saisonal keine leeren Schlagworte bleiben: Das gemeinschaftliche Arbeiten ist aufbauend.

„Gemüse und Salat sind oft so belastet, dass man eine Freude daran hat zu sehen, dass es auch ohne Spritzmittel geht“, sagt Elsbeth Rommel und erklärt so nebenbei, dass die SoLaWi das Bioland- und das Demeter-Zertifikat besitzt. Spritzmittel kommt nicht an die Pflanzen. Stattdessen setzt die biologisch-dynamische Gärtnerin Els Lasthuis einen Sud aus Brennnesseln an, der dann stark verdünnt über die Pflanzen versprüht wird. „Wir wollen die natürlichen Wachstumskräfte stärken“, erläutert Feszler das Konzept. Statt Schädlinge zu bekämpfen, stärke man im Vorfeld die Pflanze, so Lasthuis.

Der Plan scheint aufzugehen. Die Mitglieder der SoLaWi ernten Salat, Rettiche, Tomaten, Paprika, Auberginen, Kohlrabi, Bohnen und unter anderem Blumenkohl. Jeder nimmt sich das, was er braucht, und so bestimmt quasi die Ernte den Speiseplan. Und auch das ist so gewollt. Im Supermarkt gebe es immer alles, so das Trio, das lieber im Rhythmus der Natur lebt. Doch nicht nur der Anbau des Gemüses erfolgt nach biologischen Grundsätzen. Die ökologische Landwirtschaft beginnt bereits bei der Auswahl des Saatguts. „Wir verwenden kein konventionelles Saatgut, keinen Hybridsamen“, sagt Els Lasthuis und spricht stattdessen von samenechten Sorten: Saatgut sei Kulturgut.

Nicht weniger wichtig ist es ihnen, ihre Erfahrungen mit der nächsten Generation zu teilen. „Wir wollen unser Wissen weitertragen“, betont Elsbeth Rommel und verweist auf die Kontakte mit der Freien Schule Diefenbach. Grundschüler pflanzen und ernten bei der SoLaWi ihren eigenen Salat. „Ich findet es extrem wichtig, dass Kinder die Natur kennenlernen“, sagt Elsbeth Rommel und wünscht sich wie die anderen, dass auch diese Saat aufgeht.

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