„Die stürmischen Zeiten gehen zu Ende“

Antonia Walch hat am Mittwochabend mit rund 120 Gästen ihren Amtsantritt als neue Bürgermeisterin der Gemeinde Sternenfels gefeiert. Dabei versprach die 28-Jährige, die erst die zweite Rathauschefin im Enzkreis ist, Kontinuität und ein offenes Ohr

Von Lukas Huber Erstellt: 17. September 2020, 00:00 Uhr
„Die stürmischen Zeiten gehen zu Ende“ Antonia Walch (2. v. re.) übernimmt nun das Ruder im Rathaus von Sternenfels. Ihr ehrenamtlicher Stellvertreter Klaus Riekert (Mitte), der zuletzt stark gefordert war, kann nun kürzer treten und dürfte künftig wieder mehr Zeit für seine Frau haben (2. v. li.). Für seinen Einsatz haben seine Gremiumskollegen und die Rathausmannschaft Geld zusammengelegt und ihm einen Reisegutschein geschenkt, den Annette Häußermann (Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und der SPD) und Michael Schlotterbeck (Liste für Sternenfels und Diefenbach) mit der neuen Bürgermeisterin übergeben.Fotos: Fotomoment

Sternenfels-Diefenbach. Am 26. Juli haben die Sternenfelser und Diefenbacher die bisherige Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Antonia Walch zur neuen Bürgermeisterin gewählt, nun feierte Sie am gestrigen Mittwochabend in der Gießbachhalle ihren Amtsantritt. Mit dabei waren unter anderem diverse Amtskollegen aus dem Enzkreis und den Nachbarlandkreisen, Vertreter des Landratsamts sowie Mitglieder des Gemeinderats. Und auch Carmen Schneider, die bis Januar als Amtsverweserin den damals krankgeschriebenen und schließlich im Frühjahr ausgeschiedenen Vorgänger Werner Weber vertrat, war unter den geladenen Gästen.

Neben Birgit Förster aus Niefern-Öschelbronn (re.), die in den Besucherreihen sitzt, ist Walch die zweite Bürgermeisterin im Enzkreis.Neben Birgit Förster aus Niefern-Öschelbronn (re.), die in den Besucherreihen sitzt, ist Walch die zweite Bürgermeisterin im Enzkreis.

Eine nicht unwesentliche Formalie fehlt allerdings trotz des Amtsantritts noch: Erst am kommenden Donnerstag soll die neue Rathauschefin in der öffentlichen Gemeinderatssitzung offiziell verpflichtet werden. Wie der ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Riekert erklärte, seien wegen der Corona-Auflagen nur rund 120 geladene Gäste in der Gießbachhalle zugelassen gewesen– und so hatten viele Bürger nicht die Möglichkeit, dabei zu sein. Wenn ihre neue Bürgermeisterin kommende Woche den Amtseid spricht, werden sie also die Gelegenheit haben, dies zu verfolgen.

Der gestrige Abend stand indes ganz im Zeichen von Reden, in denen verschiedene Akteure Antonia Walch ihre besten Wünsche für ihre neue Aufgabe mit auf den Weg gaben. Dabei waren sich die Redner alle einig – ans Mikrofon traten neben Riekert auch noch Landrat Bastian Rosenau, der Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle, Pfarrer Jan Funke, Schulleiterin Susanne Sieber-Böhler und Meike Schlotterbeck, Vorsitzende des Freibadvereins –, dass der neue Job sicherlich nicht leicht werde. Felchle, der in seiner vierten Amtszeit an der Verwaltungsspitze der Klosterstadt ist, gab ihr den Rat, „nicht immer alles und jeden an dich heranzulassen“.

Rosenau und Felchle, mit dessen Stadt die Gemeinde Sternenfels eine Verwaltungsgemeinschaft pflegt, gingen in ihren Beiträgen auch darauf ein, dass es zunehmend schwieriger werde, politischen Nachwuchs zu finden – insbesondere in Führungspositionen. Der Maulbronner suchte den Grund dafür in einem wachsenden Individualismus in der Gesellschaft – „man kann auch Egoismus sagen“ – und dem Verlust von Identifikation zum Heimatwohnort, den er immer mehr beobachte. „Deswegen bist du ein Hoffnungsschimmer für einen desillusionierten Langzeitschultes wie mich“, würdigte Felchle die mutige Entscheidung Walchs, sich auf den Posten beworben zu haben.

Der Landrat wertete das Ergebnis der Wahl als „besonderes Statement“ der Bürger. Sie hätten damit einerseits signalisiert, dass sie sich eine junge und dynamische Führungskraft wünschten, auf der anderen Seite hätten sie ein Zeichen für Geschlechtergleichheit gesetzt. In über 1100 Gemeinden in Baden-Württemberg gebe es nur 90 Bürgermeisterinnen, im Enzkreis sei Walch neben Birgit Förster (Niefern-Öschelbronn) erst die zweite Frau auf dem Chefsessel einer kommunalen Verwaltung. Diese Zahlen zeigten: „Geschlechtergleichheit ist noch nicht auf allen politischen Ebenen angekommen.“

Pfarrer Jan Funke ließ neben seinen Glückwünschen ein paar kritische Töne in Bezug auf die Querelen in der Vergangenheit anklingen und zielte auch darauf ab, dass Walch nach Weber und Sigrid Hornauer nun schon die dritte Bürgermeisterin in der vergangenen Dekade sei. Nicht selten sei er von Menschen von außerhalb gefragt worden: „Was ist bei euch in Sternenfels denn los?“, sagte er und forderte nun für die Zukunft „Ruhe“ in Bezug auf Zurückliegendes. Es dürfe kein Nachtragen mehr geben. Meike Schlotterbeck, die im Namen der Vereine sprach, wünschte sich „nach wechselvollen Jahren“ Kontinuität und Stabilität an der Spitze.

Beides werde sie mitbringen, versprach Walch, die am Ende selbst noch auf die Bühne stieg und das Wort ergriff. „Mit meiner Wahl gehen die stürmischen Zeiten zu Ende“, sagte sie etwa in Bezug auf personelle Fluktuation im Rathaus sowie auf Konflikte der Vergangenheit und bedankte sich für den Vertrauensvorsprung der Bevölkerung. Sie wolle auch die rund 48 Prozent der Menschen von sich überzeugen, die im Juli für die Konkurrenten Kevin Malthaner oder Hartmud Jung gestimmt hatten. „In acht Jahren werden Sie dann die nächste Chance haben“, ließ sie durchblicken, dass sie eine zweite Amtszeit in der Strombergkommune anpeilt.

Von den Mitgliedern des Gemeinderats forderte die 28-Jährige einen fairen, offenen und ehrlichen Umgang sowie, dass Diskussionen auf Sachebene geführt werden. „Gleiches können Sie auch von mir erwarten“, versprach die Eppingerin, die künftig die Ratssitzungen leiten wird. Ihr Stellvertreter Klaus Riekert, der nach dem Rücktritt von Sigrid Hornauer 2015 nun erneut über Monate stark in die Amtsgeschäfte eingebunden war, darf nun wieder seinen Platz im Gremium einnehmen. „Für mich war das eine spannende Zeit“, zog er Bilanz, allerdings auch eine arbeitsreiche. „Jetzt können Sie Ihren Traumberuf leben“, sagte er zur Weber-Nachfolgerin. „Das Vertrauen des Gemeinderats und der Bürgerschaft haben Sie.“

Weiterlesen
Regen stört Naturschützer nicht

Regen stört Naturschützer nicht

Sternenfels-Diefenbach. Auf einem Magerrasen wachsen rund 120 verschiedene Pflanzenarten, und auf jede kommen 15 Insektenarten. Damit diese wertvollen Biotope erhalten bleiben, waren am Samstag wieder rund 20 Mitglieder des Stromberggaus… »