Rundgang auf dem Bauernhof: Von der Stachelbeere bis zur Paprika

Der Bauernhof Stahl in Lomersheim ist einer der wenigen Betriebe im Enzkreis, die Gemüse und Beeren anbauen

Von Lukas Huber Erstellt: 5. Juli 2017, 01:00 Uhr
Rundgang auf dem Bauernhof: Von der Stachelbeere bis zur Paprika Eine Schale voller Sommer, die Christel Stahl ihren Gästen anbietet: Johannisbeeren in verschiedenen Farben, Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Stachelbeeren. Fotos: Huber

„Wir wollen den Verbrauchern vermitteln, wie Landwirtschaft funktioniert“, sagte gestern bei der Besichtigung des Bauernhofs Stahl in Lomersheim Dr. Hilde Neidhardt vom Landratsamt. Und das, obwohl der Betrieb sich von den meisten in der Region unterscheidet.

Mühlacker-Lomersheim. Denn nur wenige Landwirte im Enzkreis setzen auf Beerenobst- und Gemüseanbau, wie es die Familie Stahl seit rund 30 Jahren tut. „Viel zu wenige, wenn man die Zahl der Konsumenten betrachtet und sie mit der der Erzeugnisse vergleicht“, sagte Bernhard Reisch, Obst- und Gartenbauberater des Landratsamts, am Dienstag bei dem Rundgang über den Bauernhof Lomersheim.

Obst- und Gemüseanbau ist im Enzkreis nahezu nicht zu finden. Lesen Sie dazu einen Artkel.

Außerdem, erklärte Matthias Stahl, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Karl führt, würden die Waren direkt vermarktet – zum einen im eigenen Hofladen, zum anderen auf verschiedenen Märkten in der Umgebung. Zum Vergleich: Heutzutage würden die meisten Landwirte ihre Erzeugnisse an Supermarktketten verkaufen, von wo aus sie den Weg zum Endverbraucher finden. „Unser Vorteil ist, dass wir zum einen den direkten Bezug zu unseren Produkten, aber auch zum Kunden haben.“ So stehe in gewisser Weise ein Gesicht hinter dem Produkt, fügte Bernhard Reisch hinzu, und man wisse, wo das Lebensmittel herkomme. Das sei an der Theke im Supermarkt nicht immer so.

Nach der Meinung von Ulrich Hauser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Enzkreis, haben heutzutage viele Konsumenten den Bezug zur Nahrung verloren. „Das liegt daran, dass einfach alles immer verfügbar ist.“ So müsse man zum Beispiel manchmal daran erinnern, „dass es hier im April eigentlich keine Kartoffeln gibt“.

Aber was bringt es, regionale und saisonale Produkte zu essen ? Auf diese Frage wusste Seniorchefin Christel Stahl eine Antwort: „Für mich macht es Sinn, das zu essen, was in der Klimazone wächst, in der ich lebe.“ Denn in jeder Jahreszeit biete die Natur etwas, das die Nährstoffe liefere, die der Körper benötige – im Winter etwa der Kohl, der viele Mineralstoffe und Vitamine enthalte. Außerdem gebe es ja auch die Möglichkeit, Dinge einzulagern wie zum Beispiel die Kartoffel oder Äpfel.

Matthias Stahl (2. v. re.) führt den Kreisbauernverbands-Vorsitzenden Ulrich Hauser (li.), Dr. Hilde Neidhardt, Dezernentin für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung, sowie Obst- und Gartenbauberater Bernhard Reisch über die Anbauflächen rund um den Hof in Lomersheim.

Matthias Stahl (2. v. re.) führt den Kreisbauernverbands-Vorsitzenden Ulrich Hauser (li.), Dr. Hilde Neidhardt, Dezernentin für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung, sowie Obst- und Gartenbauberater Bernhard Reisch über die Anbauflächen rund um den Hof in Lomersheim.

Laut Bernhard Reisch sollte es im Enzkreis „von den Voraussetzungen her mehr solcher Betriebe geben“. Doch sei ihm klar, dass es schwierig sei, ein solches Unternehmen zu aufzubauen. Schon alleine, einen Kundenstamm zu gewinnen, sei eine riesen Herausforderung. Unter anderem deshalb bezeichnete der Experte den Hof als einen „einzigartigen Betrieb in der Region“. Als einen Grund dafür sieht er die Vielfältigkeit des Angebots. Tatsächlich wachsen dort unter freiem Himmel Kräuter, Salate, Spargel, Melonen, Paprika, Tomaten, Gurken, verschiedene Beeren, Zwiebeln, Kartoffeln, Äpfel, Birnen und vieles mehr. „Die meisten Bauern heutzutage spezialisieren sich auf ein bestimmtes Gebiet; hier gibt es von allem etwas.“

Kreisbauernverbands-Vorsitzender Ulrich Hauser spricht über Witterungsschäden in der Landwirtschaft. Lesen Sie einen Artikel dazu.

Lukas Huber

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