Partnerstädte: Schmölln freut sich auf Mühlacker

Entscheidung des Gemeinderats stößt auf Beifall – Vertragsunterzeichnung schon Anfang September bei Jubiläumsfeier in Thüringen

Von Thomas Sadler und Thomas Eier Erstellt: 30. Juni 2016, 00:08 Uhr
Partnerstädte: Schmölln freut sich auf Mühlacker Das Rathaus und der Brunnen im Zentrum von Schmölln. (Foto: privat)

„Ein freudiges Ereignis !“, jubelt 450 Kilometer entfernt der junge Schmöllner Bürgermeister Sven Schrade. Am Abend zuvor hatte der Mühlacker Gemeinderat mit großer Mehrheit die Weichen für eine offizielle Städtepartnerschaft gestellt. Besiegelt werden soll sie bereits Anfang September in Thüringen.

Mühlacker. Im Rahmen einer feierlichen Sitzung des Stadtrats will die 11 500-Einwohner-Kommune im Altenburger Land nicht nur die bisherigen Partnerschaften mit dem lettischen Dobele und dem tschechischen Žd’ár nad Sázavou frisch besiegeln, sondern mit der Vertragsunterzeichnung gleich den „Dritten im Bunde“, die Stadt Mühlacker, begrüßen. Nachdem die Kontakte über mehr als 60 Jahre gewachsen seien, biete das 950-Jahr-Jubiläum seiner Stadt, das vom 2. bis zum 4. September gefeiert wird, den passenden Anlass, die Beziehungen formal auf eine neue Stufe zu heben, machte Sven Schrade deutlich.

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Wie berichtet, hatte sich Schmölln nach einer Absage aus Mühlacker 2003 im Vorfeld der anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten neu um eine Partnerschaft bemüht. Ein Anliegen, das Oberbürgermeister Frank Schneider ausdrücklich unterstützte, während es im Gemeinderat auch skeptische Stimmen gab. „Lassen wir es doch dabei, wie es ist“, hatte am Dienstagabend der Fraktionschef der Freien Wähler, Rolf Leo, appelliert. In der Praxis würde sich durch eine Partnerschaft nichts ändern, argumentierte er, wer aber einer offiziellen Partnerschaft zustimme, müsse sich auch dafür engagieren. Wichtiger sei, so Leo, die „gemellaggio“ mit Bassano del Grappa „wieder mehr mit Leben zu erfüllen“.

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Ganz anders die Haltung der Mehrheit im Gremium, das bei zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen einer Vertragsunterzeichnung mit Schmölln grünes Licht gab. „Wir waren schon immer für eine Städtepartnerschaft“, bekräftigte Fraktionsvorsitzender Günter Bächle, der schon als Jugendlicher Thüringen besucht hatte. Die SPD, kündigte deren Vorsitzender Thomas Knapp an, werde mehrheitlich für eine Partnerschaft stimmen, und auch Klemens Köberle (LMU) sprach sich dafür aus. Eine solche Partnerschaft sei etwas Nachhaltiges, und es sei gut, wenn Ost und West sich gelegentlich treffen würden.

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Der historische Aspekt war auch auf Schmöllner Seite ein wichtiges Argument dafür, die seit über sechs Jahrzehnten bestehenden Verbindungen durch eine offizielle Partnerschaft zu würdigen. Nach dem Austausch der Kirchengemeinden, der auf die 1950er Jahre zurückgeht, hatten sich mit der Mühlacker Hilfestellung in der Wendezeit auch die Kontakte auf Verwaltungsebene verfestigt. „In der Zeit des Umbruchs in den 1990er Jahren war die Hilfe aus Mühlacker von großer Bedeutung“, hat Sven Schrade, der Ende Juni 2015 zum Bürgermeister gewählt wurde, aus Verwaltungskreisen erfahren.

Durch die Unterstützung aus Mühlacker, bestätigt der frühere Bürgermeister und Ehrenbürger Herbert Köhler, der ab Juni 1990 für 19 Jahre an der Spitze der Schmöllner Verwaltung stand, hätten viele wichtige Vorhaben umso schneller umgesetzt werden können. Die neue Städtepartnerschaft sei etwas Besonderes, weil der partnerschaftliche Gedanke ohnehin schon seit Jahrzehnten gelebt werde, sagt der 72-Jährige. „Sehr erfreulich. Es lebt das weiter, was in der Vergangenheit an gegenseitiger Sympathie rübergekommen ist.“

Wir haben im Vorfeld der Abstimmung mit dem Bürgermeister von Schmölln gesprochen. Lesen Sie dazu einen Artikel.

Gut vertraut mit Schmölln ist Herta Gutmann, die scheidende Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Mühlacker. „Das ist eine schöne Sache“, freut sie sich über den Beschluss des Gemeinderats. „Ich hoffe, dass die Partnerschaft mit Leben erfüllt wird.“ Die Musikschule Gutmann, berichtet Herta Gutmann, die bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 21. Juli ihr Spitzenamt im Komitee abgeben will, sei schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Musikschule in Schmölln befreundet. Was mit Telefonaten und Spenden von Noten-Paketen für „drüben“ begonnen habe, sei ab 1997 mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Konzerten bekräftigt worden. Seit damals gibt es eine Partnerschaft zwischen der Musikschule Gutmann und der Johann-Friedrich-Agricola-Musikschule in Schmölln.

„Die Freundschaft ist bis heute sehr herzlich und informativ. Wir freuen uns auf eine weitere gemeinsame Zeit der Partnerschaft“, so Herta Gutmann, die zusichert, auch nach ihrem Abschied als Vorsitzende die Partnerschaft zwischen Mühlacker und Bassano, der sie sich seit den Anfängen 1978 verbunden fühle, aktiv zu begleiten.
Im Mühlacker Partnerschaftskomitee will sie ihr Amt in jüngere Hände legen, wodurch sie sich nach eigenem Bekunden auch „frischen Wind“ erhofft. Eine neue Aufgabe hat der Nachfolger oder die Nachfolgerin nach dem Beschluss vom Dienstagabend in jedem Fall: Mit einem Auge immer nach Thüringen zu schielen.

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