Slam-Premiere bei Jaggy ein voller Erfolg

Besucher und Teilnehmer sind begeistert vom neuen Schauplatz – Organisatoren und Gastgeber sind ebenfalls sehr zufrieden

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 10. Mai 2018, 00:30 Uhr
Slam-Premiere bei Jaggy ein voller Erfolg Der 52. Enzgärtenslam ist der erste, der außerhalb von Mühlacker stattfindet – und bietet den Besuchern auf dem Weingut Jaggy in Schönenberg eine ganz besondere Atmosphäre. Fotos: Stahlfeld

Wein und Poesie passen zusammen, das wussten bereits die großen deutschen Dichter und Denker wie Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Aber auch die rund 200 Besucher des Poetry-Slams an diesem Dienstag auf dem Weingut Jaggy ahnten wohl, dass da etwas ganz Besonderes auf sie zukommt. Sie hatten Recht.

Teilnehmer, Moderatoren und Gastgeber Frank Jaggy (hinten, 3. v. re.) feiern den gelungenen Abend.Teilnehmer, Moderatoren und Gastgeber Frank Jaggy (hinten, 3. v. re.) feiern den gelungenen Abend.

Ötisheim-Schönenberg. „Es ist alles perfekt arrangiert, selbst das Wetter stimmt“, war nicht nur vom Tisch, an dem sich die acht Poetry-Slamer versammelt hatten, ein großes Lob zu vernehmen. Auch die Gäste genossen sichtlich den lauen Frühsommerabend. Bereits eine Stunde, bevor der erste Teilnehmer an das Mikrofon trat, hatten sich rund 100 Leute auf dem Weingut eingefunden und es sich bei einem Glas Wein gemütlich gemacht.

„Da war unser Ziel eigentlich schon erreicht“, zeigte sich Moderator Achim Dürr begeistert als immer mehr Leute zum Weingut kamen. Gemeinsam mit MT-Redakteurin Ramona Deeg führte er in gewohnt unterhaltsamer Manier durch das Programm. Und doch mit kleinen Unterschieden: „Hallo Schönenberg!“, begrüßte Dürr das Publikum zum ersten Mal nach 51 Veranstaltungen außerhalb von Mühlacker. Schier unglaublich: Für einige Besucher war es der erste Poetry Slam. Da hatte vielleicht die Aussicht auf ein Glas Rosé, Rot- oder Weißwein aus dem Keller von Frank Jaggy die Entscheidung zu kommen ein wenig beeinflusst. Apropos Wein. Endlich erfuhren die Zuhörer, wie das damals vonstatten ging, als Jesus Wasser in Wein verwandelte. Wortkauz nennt sich der Poetry-Slamer aus Heidelberg, der die etwas andere Wei(h)nachtsgeschichte erzählte. „Und jeder ging, dass er seinen Wein prüfen ließ“, berichtete er, wie sich Maria und Josef auf Geheiß des Kaisers auf den Weg machten und nach einer langen Reise mit leeren Krügen ankamen.

Eine ganz andere Reise hatte Lars Sörensen hinter sich. Der Nord-Friese war 1998 nach Germersheim gekommen. Sein persönliches Martyrium hatte damals auf dem Mannheimer Hauptbahnhof begonnen. „Nunner, nieber, nuff und nei“, habe man ihm den Weg zum Bahnsteig beschrieben. Platt traf auf Kurpfälzisch, und das Publikum amüsierte sich köstlich.

Auf den „Wattwurm“ folgte der schwäbische Badener. Thomas lebt seit 30 Jahren in Stuttgart und rollte die Geschichte des drohenden Grexits neu auf. „Hermes“ hieß das griechische Lokal, wo er als Stammgast dem Inhaber mehr Planungssicherheit verschaffte als der Internationale Währungsfonds.

Der aus dem Elsass stammende Mitti ist im echten Leben Sommelier. Aus Kassel kommend, schilderte er, wie grausam das Leben für ihn in einer Stadt ist, die nicht in einer Weinregion liegt und wo der Wein aus Tetrapacks getrunken wird. Man muss das Gute sehen, hätte ihn vermutlich Laura aufgefordert, nicht mit dem Schicksal zu hadern. Die Studentin aus Heidelberg, die erst wenige Tage zuvor bei der Baden-Württembergischen Meisterschaft im Poetry Slam in Ulm an den Start gegangen war, machte jedenfalls in ihrem lyrischen Beitrag den Zuhörern Mut, nicht im „Treibsand des Alltags“ unterzugehen. „Mal bist du die Taube, mal das Denkmal“, stellte Maria aus Kassel fest, und Konstantin aus Suttgart wusste genau, was noch schlimmer als ein Wohnmobilreporter ist: ein Reporter für Hausboote. Gerade noch lachte das Publikum über Konstantins Humor, da wurde es bei der aus der Steiermark stammenden Lisa ganz still und nachdenklich. Die Tübingerin thematisierte Gewalt in einer Beziehung.

Acht Poetry-Slamer performten an diesem lauen Frühsommerabend ihre Texte auf der Bühne laut oder leise, mal lustig oder mal kritisch, und versuchten, während langsam die Sonne unterging, in jeweils höchstens sechs Minuten, das Publikum von sich zu überzeugen. Laura und Lars gelang das am besten, und im Finale durfte sich die Studentin Laura über den stärkeren Applaus freuen. Sie war aber längst nicht die einzige Siegerin an diesem Abend. Denn das Publikum darf sich auf eine Wiederholung des Open-Air-Slams in Schönenberg freuen.

Als nächste Stationen geht es am Dienstag, 10. Juni, bei freiem Eintritt wieder auf die Leseinsel in den Enzgärten (19 Uhr) und auf die Burgruine Löffelstelz am Montag, 9. Juli, um 20 Uhr. Für diese Veranstaltung gibt es Karten in der Buchhandlung Elser. Mit dem Erlös sollen die Unkosten getragen werden.

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