Neue „Via Dolorosa“ liegt in Ötisheim

Italienisch-Katholische Gemeinde stellt Leidensweg Jesu nach – Karfreitagsprozession findet erstmals nicht im Heidenwäldle statt

Von Theresa Mammel Erstellt: 18. April 2019, 00:00 Uhr
Neue „Via Dolorosa“ liegt in Ötisheim Neue „Via Dolorosa“ liegt in Ötisheim

Neuer Schauplatz für eine alte Tradition: Die Italienisch-Katholische Gemeinde Sacro Cuore di Gesù hat sich akribisch auf die traditionelle Karfreitagsprozession vorbereitet, die in diesem Jahr erstmals in Ötisheim stattfinden wird.

Ötisheim. Seit Anfang März haben sich die Darsteller und die weiteren Beteiligten in jeder Woche getroffen, um die Szenen zu proben. „Die Rollen sind verteilt, die Gewänder genäht und die Requisiten gebaut. Jetzt geht es darum, dass wir die Szenen flüssig und glaubhaft spielen“, fasst Pasqualino Catalano, der Regie führt und auch als Schauspieler auftritt, die Endphase der Vorbereitungen zusammen.

An Karfreitag steht die 31. Auflage an, die dennoch keine Routine ist. „Bisher hat die Prozession immer im Heidenwäldle stattgefunden. Nun spielen wir zum ersten Mal in Ötisheim bei der Grundschule“, weist Pasqualino Catalano auf eine neue Herausforderung für die insgesamt 64 Laiendarsteller hin. „Die Szenen spielen rund um den roten Platz. Die Zuschauer können die Leidensgeschichte von dort aus verfolgen und uns dann beim Prozessionsmarsch begleiten.“

In die Hauptrolle schlüpft wiederum Giuseppe Bonsignore, der bei der Prozession schon etliche Male Jesus Christus verkörpert hat. „Ich habe Spaß dabei, wir haben einen lockeren Umgang. Aber es ist sehr wichtig, die Sache ernst zu nehmen und sich in die Rolle hineinzuversetzen. Schließlich geht es darum, eine Person in den Tod zu bringen.“ Bonsignore wird es auch sein, auf dessen Schultern das 32 Kilo schwere Holzkreuz beim Prozessionsmarsch lasten wird. „Wir legen Wert darauf, die Szenen echt und authentisch darzustellen. Die Leidensgeschichte soll nicht beschönigt werden“, erläutert Regisseur Pasqualino Catalano den Anspruch der Schauspielgruppe.

Die Einstiegsszene zeigt den bejubelten Einzug Jesu in Jerusalem. Dass das Schauspiel zum großen Teil in italienischer Sprache gezeigt wird, soll dabei nicht zulasten der Verständlichkeit gehen: „Es gibt einen deutschen Kommentator“, versichert Catalano, der selbst in Ötisheim wohnt. Weiter gehe es mit dem Abendmahl, dem Verrat durch Judas und der Gefangennahme Jesu. Es folgt die Anklage vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus, der von Lillo Gennuso gespielt wird. „Ich bin schon seit vielen Jahren dabei, und es ist jedes Mal eine tolle Erfahrung. Die Prozession ist ein wichtiger Teil unseres Glaubens, und es ist wichtig, diesen zu erhalten“, beschreibt Gennuso seine Motivation, sich jedes Jahr wieder Zeit für die Proben und die Aufführung zu nehmen.

Nachdem das Urteil gesprochen ist, wird es für Giuseppe Bonsignore ernst: Der Jesus-Darsteller bekommt das Kreuz auf die Schulter gelegt, und es geht los auf der „Via Dolorosa“, dem Leidensweg, der in diesem Fall 1,2 Kilometer lang ist und von der Schule über die Schönenberger Straße hinab bis zur Öläckerstraße führt. Von dort gehe der Prozessionszug, dem sich die Besucher anschließen dürfen, bis zur Kernerstraße und weiter hoch zur Friedhofstraße und dann zurück bis zum Platz vor der Henri-Arnaud-Schule, erklärten die Mitstreiter bei einem ihrer letzten Probentermine am neuen Schauplatz.

Auf seinem Leidensweg begegnet Jesus unter anderem seiner Mutter Maria. Außerdem inszenieren die Mitwirkenden, wie Jesus unter der schweren Last des Kreuzes zusammenbricht – und die Kreuzigung.

„Die Karfreitagsprozessionen finden in Italien immer in großem Stil statt. Ich finde es wichtig, dass wir die Tradition auch hier fortführen und an nachfolgende Generationen weitergeben“, betont Lillo Gennuso, warum die Karfreitagsprozession eine so wichtige Bedeutung für ihn, die anderen Darsteller, aber auch das Publikum einnimmt, das immer zahlreich strömt. „Der Glaube gehört zum Leben dazu und ist uns ein Anker im Alltag.“

Die italienischen Gastgeber betonen, dass wieder interessierte Gäste aller Religionen zur Prozession eingeladen sind. Die Besucher versammeln sich am Karfreitag um 17 Uhr bei der Henri-Arnaud-Grundschule an der Friedhofstraße 2 in Ötisheim.

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