Neue Notunterkunft für Flüchtlinge

Ende nächster Woche sollen 100 Flüchtlinge in Räumlichkeiten einer ehemaligen Firma in Ötisheim untergebracht werden

Erstellt: 11. November 2015, 17:30 Uhr
Neue Notunterkunft für Flüchtlinge Neue Notunterkunft für Flüchtlinge

Auf der Suche nach dringend benötigten Notunterkünften ist der Enzkreis auf eine leerstehende Firmenhalle in Ötisheim gestoßen. Am 18. November sollen die Bürger im Rahmen einer Veranstaltung über die Pläne der Kreisbehörde informiert werden.
Ötisheim/Enzkreis (pm/red). Bis Ende nächster Woche müsse die ehemalige Maschinenfabrik an der Industriestraße 10 in Ötisheim zu einer Notunterkunft für 100 Flüchtlinge umfunktioniert sein, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts Enzkreis. Dann nämlich werden dem Kreis wieder, wie derzeit jede Woche, 100 Menschen zugewiesen, „deren Unterbringung den Kreis und seine Gemeinden vor immer größere Herausforderungen stellt“: Trotz der behelfsmäßigen Belegung von kommunalen Hallen, wie zuletzt in Niefern und Birkenfeld-Gräfenhausen, oder in Zelten wie momentan in Göbrichen, und trotz der anderen Objekte, an deren Fertigstellung mit Hochdruck gearbeitet wird, ist der Bedarf auf längere Sicht noch nicht gedeckt: „Bis Anfang kommenden Jahres fehlen immer noch rund 350 Plätze.“

Mit einer Entspannung rechnet man im Landratsamt auch danach bislang nicht. In Ötisheim wird bis Mitte nächsten Jahres in Regie der Gemeinde eine Unterkunft für etwa 72 Menschen gebaut. „Wir werden das Areal an der Industriestraße zunächst nutzen, bis diese Unterkunft in Betrieb gehen kann“, sagt der Vize-Landrat Wolfgang Herz. Damit vermeide man die übergangsweise Belegung einer kommunalen Halle. So komme man auch den Gemeinden im Kreis entgegen. Das sieht Bürgermeister Werner Henle ebenso: „Wenn die Erlentalhalle belegt würde, kämen weite Teile des Schul- und Vereinssports und des kulturellen Lebens zum Erliegen.“

Die seit Jahren leerstehende ehemalige Maschinenfabrik umfasst ein zweigeschossiges Produktions- und Lagergebäude sowie Verwaltungs- und Nebenräume. „Leerstehende Firmengebäude gibt es nur sehr vereinzelt, und wenn, dann sind davon nur wenige tatsächlich geeignet“, erklärt Herz. „Große Probleme gibt es häufig beim Brandschutz sowie bei den sanitären Anlagen und den dafür notwendigen Anschlüssen.“ Viele Fertigungshallen hätten zudem keine Fenster, also kein Tageslicht. In Ötisheim sei das anders: Die Belichtung der verschiedenen Gebäude an der Industriestraße 10 sei aufgrund der hohen Fensteranteile gut. „
Die Unterkunft wird für uns alle in Ötisheim eine Herausforderung“, sagt Bürgermeister Werner Henle, der den Gemeinderat in der Sitzung am Dienstag über das Vorhaben informierte. Für den kommenden Mittwoch, 18. November, lädt er die Bevölkerung deshalb um 19.30 Uhr in die Erlentalhalle ein, um die Planungen vorzustellen. Der Rathauschef lässt keinen Zweifel daran, dass seine Gemeinde den Enzkreis bei seiner schwierigen Aufgabe unterstützen und dabei alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um rund um die neue Einrichtung geordnete Verhältnisse sicherzustellen.

Gemeinderat hofft auf breite
Unterstützung der Bürgerschaft

Auch Wolfgang Herz betont: „Unter anderem wird ein Sicherheitsdienst 24 Stunden vor Ort sein. Für die Sozialbetreuung der Flüchtlinge wird ebenfalls gesorgt; diese übernimmt wie in anderen Enzkreis-Gemeinden der Verein Miteinanderleben.“ Die Notunterkunft in Ötisheim ist laut Landratsamt die mittlerweile siebte im Kreis. „Größere Probleme haben wir bislang in keiner dieser Unterkünfte“, sagt Herz und fügt hinzu: „Weder innerhalb der Hallen noch in der Nachbarschaft.“ Landrat Karl Röckinger macht deutlich, dass die Nutzung des Gewerbeareals in Ötisheim zur Überbrückung des derzeitigen Engpasses diene. Allerdings könne man im Moment nicht sagen, wie lange die Notunterkunft benötigt werde. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der regulären Unterkünfte. Auf jeden Fall sind wir der Gemeinde Ötisheim, ihrem Bürgermeister und dem Gemeinderat für ihr Verständnis und Entgegenkommen sehr dankbar.“

Bürgermeister Werner Henle erklärte, dass auch der Ötisheimer Gemeinderat in dieser Woche von der Nachricht überrascht worden sei. Dennoch sei das Gremium überzeugt, dass sich eine funktionierende Gemeinde wie Ötisheim dieser Verantwortung stellen und eventuelle Schwierigkeiten meistern könne. „Der Gemeinderat hofft auf die breite Unterstützung der Ötisheimer Bürgerschaft und setzt auf den Zusammenhalt, den die Gemeinde schon sehr oft bewiesen hat“, so Henle. Auch der „Freundeskreis International“ in Ötisheim hat die geplante Notunterkunft bereits im Blick. Die Ehrenamtlichen wollen weitere Helfer anwerben und einen Beitrag zu einem guten Miteinander leisten. Ein Treffen mit der Hauptamtsleiterin der Gemeinde, Corinna Huber, ist bereits geplant.

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